Ein echtes Sternchen gibt sich hier sein Stelldichein. Seit letztem Jahr auf dem Markt, sorgt dieses Sportcoupé mit Plug-in-Hybridantrieb nicht nur optisch für ordentlich Furore. So auch in unserem Praxistest, bei dem wir eine omnipräsente Aufmerksamkeit von Passanten und anderen Verkehrsteilnehmern feststellen konnten. Mit dem Polestar 1 fällt man auf, das steht schon einmal fest. Polestar steht nach seinem Lossagen von Volvo als eigenständige Marke und stellt mit diesem Modell ihren ersten Alleingang vor.

Motor

Im Fall dieses Sportcoupés darf man beim Thema Motor ruhig im Plural sprechen. Denn hier sorgen neben einem Vierzylinder Benziner mit zwei Litern Hubraum noch ein Startergenerator sowie zwei Elektromotoren für den Vortrieb. Und dieser ist in Summe gewaltig. Die Systemleistung beträgt extraordinäre 609 PS sowie gigantische 1.000 Newtonmeter Drehmoment.Aufgelöst bedeutet das 309 PS vom durch einen Abgasturbolader und einen Kompressor unter Druck gesetzten Verbrenner plus 68 PS von einem Startergenerator – beides bedient die Vorderachse – sowie zwei Elektromotoren mit zusammen 232 PS an der Hinterachse.
Entsprechend beeindruckend sind die Leistungswerte: In nur 4,2 Sekunden erreicht das Coupé aus dem Stand die 100-km/h-Marke. Ende mit Vortrieb ist erst bei Tempo 250, die übrigens subjektiv extrem schnell erreicht sind.Als Reservoir für den Strom dient ein Lithium-Ionen-Konglomerat mit 34 kWh Kapazität. Dieses lädt man an einem Hypercharger mit maximal reichlich 55 kW Ladestrom in knapp anderthalb Stunden auf. Die angegebenen 885 Minuten Ladezeit über eine haushaltübliche 230-Volt-Steckdose haben wir nicht ausprobiert.

Karosserie/Ausstattung

Der Polestar 1 darf sich mit Sicherheit zu den aktuell schönsten Coupés dazuzählen. Seine elegante Linienführung versprüht aus jedem Blickwinkel so viel Dynamik, dass der Schwede bereits im Stand schnell erscheint. Nicht gänzlich zu übersehen ist dabei die Volvo-DNA, welche sich besonders am Frontgrill und den Scheinwerfern mit dem typischen Thors Hammer als Lichtsignatur zeigt. Doch auch am Heck, welches stark an die Limousine S60 erinnert, fällt die Verwandtschaft zu Volvo ins Gewicht.
Das kuppelartige Dach verläuft weit ins Heck und streckt das Coupé optisch nochmals – ein wahrer Augenschmaus. Innen spiegelt sich ebenso an diversen Stellen die Herkunft von Volvo, was insbesondere am gesamten Armaturenbereich mit dem hochkant ausgeführten Zentralbildschirm oder dem hübschen Lenkrad mit dem dahinter liegenden Digitalcockpit in Erscheinung tritt. Nordisch edel, leicht unterkühlt, aber eine stoische Ruhe ausstrahlend, so kann man das Interieur dieses Coupés beschreiben.
Die knallgelben Gurte setzten dabei geschickt sportive Akzente, orientieren sich an den ebenso gelben Bremssätteln hinter den großen Rädern. Annehmlichkeiten finden sich im Polestar in Form einer ganzen Armada. Vom kompletten Infotainment inklusive Navigation, Konnektivitätslösungen und massenhaft Assistenzsystemen, wird auch ein grandios klingendes Bowers & Wilkins Soundsystem sowie beheizte Sitze und Lenkrad im bildhübschen Schweden offeriert.
Das Dach ist bis auf einen Quersteg zwischen den C-Säulen komplett aus Glas – was man von außen nicht erkennen kann. Dafür darf man bei Dunkelheit einen Polestar – das Markenemblem – durch ebendieses Glas leuchten sehen. Möglich ist diese Bauform unter anderem auch durch das Chassis, welches aus dem kohlefaserverstärkten Kunststoff, besser bekannt als Karbon, gefertigt wurde und die erforderliche Steifigkeit der Karosserie sicherstellt. Dies wird auch immer wieder an ausgewählten Stellen, an denen Sichtcarbon zum Vorschein kommt, unterstrichen. Die Sitze sind vorn bequem und garantieren auch Seitenhalt, wenn dieser erforderlich ist. Größere Personen klagen allerdings schnell über eine geringe Kopffreiheit und eine Sitzergonomie, die eher auf kleinere Menschen zugeschnitten wurde. Hinten sitzt man als Erwachsener sehr beengt und sollte dies nur auf ultrakurzen Strecken in Anspruch nehmen. Kindersitze passen hingegen gut, dafür gibt es auch die entsprechenden Arretierungen.
Ein kleiner Heckspoiler fährt geschwindigkeitsabhängig aus oder kann auch per Schalter elektrisch bewegt werden. Zwei Tankdeckel zeigen, dass neben Kraftstoff auch Strom „getankt“ werden kann. Der Kofferraum besitzt für ein Coupé gerade noch akzeptable 143 Liter Ladevolumen und außerdem einen optischen Leckerbissen in Form von einer hinter Plexiglas geführten Kabelverteilung. Was Ferrari & Co bei ihren Mittelmotoren praktizieren, realisiert Polestar 1 mit seiner Hybridtechnik. Den Heckdeckel öffnet man übrigens mittels Fußschwenk direkt hinter dem linken Hinterrad.

Fahrverhalten

Der Polestar 1 startet grundsätzlich elektrisch und zitiert erst bei Bedarf den Verbrenner hinzu. Das geschieht natürlich auch, wenn man das Gaspedal durchtritt. Wir sind neugierig. Der einsetzende Kraftakt ist gewaltig, aber nicht so brutal, wie es einen in einem Lamborghini oder Ferrari beutelt. Doch diese Eleganz kann auch gefährlich täuschen, denn ein Blick auf den Tacho zeigt, dass der Vortrieb bereits weit jenseits der erlaubten Geschwindigkeiten liegt.Bei den Fahrprogrammen hat man übrigens die Wahl zwischen Hybrid (beide Antriebe arbeiten im Einklang), Pure (rein elektrischer Heckantrieb), AWD (permanenter Allradantrieb) und Power. Letzteres verspricht tatsächlich auch das, was der Name suggeriert und das Coupé lässt deutlich die Muskeln spielen und strafft sich spürbar. Zudem lässt sich der Akkustand auch für spätere Zeitpunkte „einfrieren“ und man kann den Ladestand auch durch den Verbrenner erhöhen.
Das Fahrwerk legt bei jeder Gangart eine derart ausgeprägte Gelassenheit an den Tag, dass man sich tatsächlich fragt, wie die Ingenieure von Polestar dies hinbekommen haben. Immerhin wiegt dieses Coupé stattliche 2,3 Tonnen. Bereits das absolut perfekte Zusammenspiel aller vier Antriebe ist mehr als anerkennenswert. Die 1.000 Newtonmeter und 609 Pferde werden so intelligent und aufs einzelne Rad genau verteilt, dass es praktisch nie zu Traktionsdefiziten kommt, wenn man sie nicht braucht. Sicher, ein kontrollierter Drift ist durchaus möglich und das bis auf die Nuance genau austarierte Fahrwerk lässt das Coupé selbst bei diesem Manöver so einfach fahren, dass man selbst Fahranfänger ans Steuer lassen könnte, ohne sogleich Ängste ausstehen zu müssen, dass dies einem Einritt eines Wildpferdes gleichkäme – mitnichten! Dieser Polestar 1 fährt sich so einfach, wie ein Golf, besitzt dabei die Kraft eines Supersportlers und verwöhnt obendrein die Insassen mit einer Vielzahl an Annehmlichkeiten.
Die Lenkung besitzt eine messerscharfe Direktheit, geizt nie mit Feedback und die bei Bedarf brachial verzögernde Bremsanlage lässt sich feingranular dosieren. All das sichert in Summe eine Fahrspaßgarantie, die man sich von einem Sportcoupé nur wünschen kann.

Wirtschaftlichkeit

Nicht nur die Rarität des Polestar 1, von dem jährlich nur 500 Stück gebaut werden, sorgt für Stirnfalten, sondern auch sein Preis von stattlichen 155.000 Euro als Einstieg, Viel gibt es dann aber nicht mehr in der Aufpreisliste zu finden, außer einem Servicevertrag über 12 Monate und Winterräder für zusammen knapp 7.000 Euro – alles andere ist bereits inklusive. Abgesehen von einer Mattlackierung, die glatt 5.000 Euro kostet.
Und dann ist da noch der Verbrauch. Einmal reicht eine Akkufüllung für 125 Kilometer rein elektrisches Fahren. Das ist eine echte Ansage und macht ihn für einen Großteil alltäglicher Touren zum reinen E-Mobil. Wir haben das ausprobiert und kamen je nach Fahrweise auf 110 bis sogar 136 Kilometer im E-Modus. Ist die Batterie leer und man ist auf der Autobahn mit Tempo 120 unterwegs, bleibt es bei 5,5 Liter, was ebenso beeindruckend ist. Nur bei Vollgasfahrten geht es mal in den zweistelligen Bereich, doch über 11 Liter haben wir es selbst dabei nie geschafft.

Fazit

So eine nachhaltig wirkende Vorstellung gab und gibt es nicht alle Tage bei unseren Tests. Der Polestar 1 beeindruckte mit einer exorbitanten Performance und einem exzellenten Fahrverhalten, vereint mit einer vollumfänglichen Alltagstauglichkeit. Obendrein konnte der Schwede eine komplette Vollausstattung vorweisen.Gemeinsam mit dem optisch nahezu adlig-eleganten Auftritt katapultierte sich dieses Coupé sogleich in die Herzen unserer Testfahrer und vieler Passanten, die uns auf dieses Auto ansprachen. Einzig der hohe Preis und die geringe Stückzahl lassen die eine oder andere Sorgenfalte entstehen und so bleibt dieses Coupé leider nur einer kleinen Klientel vorbehalten.