Die vierte Generation des Range Rover läuft gerade aus, doch bevor ganz Schluss ist und nächstes Jahr die neuste Version zu den Händlern rollt, werfen wir noch einen Blick auf ein besonderes Modell: Den Range Rover als Fifty – er steht für 50 Jahre Range Rover, und da 1970 das Jahr war, in dem der erste Range Rover auf den Markt kam, gibt es das Sondermodell genau 1970 Mal.
 

Motor

In diesem Testfahrzeug mit der Motorisierungsbezeichnung D350 werkelte der stärkste Diesel im Portfolio: Ein Reihensechszylinder mit drei Litern Hubraum leistet dank zwei Turbos 350 PS sowie 700 Newtonmeter Drehmoment. Dieser Motor gilt als Ablösung für den vorherigen V8 Diesel und wir können bestätigen, dass er diese Aufgabe mit Bravour erfüllt. Dazu kommt ein seidenweicher Lauf, so kultiviert, wie man es von einem Selbstzünder nicht ansatzweise erwarten würde.
 

Karosserie/Ausstattung

Auf den ersten Blick ist der Range als Fifty auch ein waschechter Range Rover, doch bereits die spezielle Außenfarbe zeigt, dass dieser hier besonders ist. Tuscan Blue nennt sich die offiziell als SVO Bespoke Heritage genannte Lackierung und kostet gleich mal 13.700 Euro extra – so viel, wie ein Kleinwagen. Dazu kommen diverse Anbauteile in Narvik-Schwarz – ein Black Pack zeichnet sich hierfür verantwortlich. Die „Fifty“-Badges in den schwarzen Side Blades an den vorderen Türen verraten zudem den Sonderstatus dieses Range.
Im Inneren des Boliden werden dann alle Register gezogen: Neben illuminierenden Einstiegsleisten, von denen man ringsum auch nachts das „Fifty“ ablesen kann, gibt es eine wahre Leder-Invasion. Man hat wahrhaft das Gefühl, hier wurde alles beledert, was ging. Selbst der Dachhimmel trägt das superweiche Naturmaterial und die ungemein großzügig gepolsterten Sitze suggerieren bereits optisch, wozu sie geschaffen wurden. Nämlich zum Wohlfühlen auf höchster Ebene. Die Sitzposition ist 24-fach einstellbar – so findet jeder seine Lieblingseinstellung. Sitzkomfort in XXL, das gilt auch ganz besonders für den Fond und hier insbesondere für den Platz hinten rechts. Dieser Sitzplatz erhielt nochmals verstärkte Polsterungen an diversen Positionen und außerdem die Möglichkeit, den Sitz in einen Liegestuhl zu verwandeln – ganz einfach per Knopfdruck in der Türverkleidung. Dann fährt der Beifahrersitz ganz nach vorne und die Beine des Fondpassagiers haben Freiräume, wie ein Teenager bei verreisten Eltern.
Der ganze Innenraum wird mittels einem Panoramaglasdach mit Licht versorgt und die Füße ruhen auf hochflorigen Premiumteppichen, die mit Lederkedern eingefasst wurden. In den über 700 Liter fassenden Kofferraum passt derweil das Gepäck für vier Leute ohne Probleme. Reicht das nicht aus, können die Sitzlehnen auch umgeklappt werden – das geschieht selbstverständlich elektrisch, wie auch der Rückbau in den Normalzustand. Über 110 Ausstattungsoptionen besitzt dieses Sondermodell serienmäßig. Dazu gehören unter anderem – wir wollen jetzt keine endlose Aufzählung starten und belassen es bei einigen wichtigen Features – ein Luftfahrwerk inklusive Auto Terrain Progress Control, das Wade Sensing zum Durchfahren von Wasserstellen bis zu einem Meter Tiefe, ein audiophiles Meisterwerk in Form des Meridian Signature Reference Soundsystems mit 3D-Klang und vieles mehr.
Einige der aufpreispflichtigen Features unseres Testwagens waren einmal die im Test grandiosen und sehr empfehlenswerten Pixel-Laser-LED-Scheinwerfer für 1250 Euro, eine Standheizung für 1600 Euro oder das beleuchtete Kühlfach in der vorderen Mittelkonsole für 766 Euro.
 

Fahrverhalten

Fahrtechnisch ist der Range Rover mit diesem Motor und der fantastischen Luftfederung eine Wonne der Fahrkultur. Völlig entkoppelt vom Rest der Welt, geht man in diesem Fahrzeug auf Reisen – gern auch über viele Stunden ohne Pause. Flüsterleise und ein Fahrwerk, welches keinerlei Mitteilungsbedürfnisse vom aktuellen Straßenzustand an den Tag legt – das ist höchstes Niveau und Souveränität.
Das gilt, und das verwundert Kenner der Marke sicher nicht, auch für den Einsatz abseits befestigter Straßen. Mit Allrad, Getriebeuntersetzung, aktivem Sperrdifferenzial und einer Heerschar an Fahrprogrammen plus Fahrhilfen sowie den bis zu 30 Zentimetern an Bodenfreiheit, lassen den Range Rover auch mit aristokratischer Note durchs Unterholz klettern oder über felsige oder schlammige Pisten jagen.
Lediglich die immensen Abmessungen des großen Briten sorgen innerstädtisch mitunter doch für schwitzige Hände, wenn es darum geht, den hart umkämpften Parkraum für sich zu beanspruchen, ohne dabei gleich meist deutlich kleinere Mitstreiter in den kaltverformten wirtschaftlichen Totalschaden zu schicken.

 

Wirtschaftlichkeit

In unserem Test konnten wir feststellen, dass dieser Turbodiesel der womöglich sinnvollste Antrieb für den Range Rover darstellt. Denn neben seiner einzigartigen Laufkultur generiert er jede Menge Power, um den Großen artgerecht in Bewegung zu setzen. Maximal 225 km/h und gut sieben Sekunden für den Spurt aus dem Stand auf Tempo 100 sind schließlich kein Pappenstiel. Dass er dabei mit einem Verbrauch von neun Litern im Drittelmix auf 100 Kilometer auskommt, ist für ein knapp 2,4 Tonnen schweres Gefährt keine Selbstverständlichkeit.
Und dass der Einstieg in die Welt eines Range Rover Fifity erst bei gut 153.000 Euro beginnt, erscheint zunächst als viel. Auch unser Testwagen mit seinen rund 176.000 Euro dank seiner zusätzlichen Schmankerl mag im ersten Moment als teuer erscheinen. Doch in Anbetracht der überaus üppigen Ausstattung und des grandiosen Fahrerlebnisses plus den Einsatzmöglichkeiten auch abseits von Teer und Beton, ist das schnell relativiert. Auch ein Blick auf Konkurrenten wie den Maybach GLS oder den Bentayga zeigt schnell, dass der monetäre Aspekt beim Range als Fifty eine mehr als akzeptable Angelegenheit ist.
 

Fazit

Er altert nicht, und wenn, dann in Würde und ohne die sonst typischen optischen Anzeichen. Der Range Rover Fifty ist eine echte Traumkonstellation aus Luxusliner und Geländefahrzeug erster Güte. Neben einem tadellosen Fahrverhalten und einem endlos erscheinenden Repertoire an Ausstattung, überzeugte der Brite auch mit einer überraschend hohen Effizienz und einem Höchstmaß an Sicherheit. Wäre nicht bereits die fünfte Generation des Range Rovers für 2022 angekündigt, wir hätten dieser vierten Generation noch viele gute Jahre als aktuelles Modell prophezeit.