Der Clio ist als E-Tech 140 ein echter Vollhybrid, kann aber nicht extern geladen werden. Ein Nachteil? Mitnichten, wie wir in diesem Test herausfanden.

Motor

Angetrieben wird der Franzose von einem 1.5-Liter-Benzinmotor ohne Turbolader, der allein 91 PS leistet. Unterstützt wird dieser von einem 49 PS starken Elektromotor und einem Startergenerator mit weiteren 20 PS. Gemeinsam kommen die drei auf eine Systemleistung von 140 PS sowie 205 Newtonmeter Drehmoment.

Karosserie/Ausstattung

Äußerlich unterscheidet sich der Hybrid-Clio nur durch seine Hybrid-Embleme vom konventionellen Kleinwagen der fünften Generation. Mit den anderen teilt er sich gegenüber dem Vorgänger eine etwas kürzer und flacher ausfallende Karosserie sowie einen verlängerten Radstand. Die Scheinwerfer sehen schnittiger aus und tragen eine hübsche Tagfahrlichtsignatur. Insgesamt wurde die Linienführung markanter und der Gesamteindruck des Kleinwagens dadurch präsenter. Geblieben sind hingegen die in der C-Säule versteckten Türgriffe der hinteren Türen. Dies macht den Clio optisch zum dynamischer wirkenden Dreitürer.
Noch mehr Neues gibt es dann im Innenraum des Renault, der vor allem in der Materialauswahl deutlich wertiger erscheint. Platztechnisch geht es vorne für einen Kleinwagen großzügig zu, doch im Fond wird es für Passagiere mit Gardemaß über 1,75 Meter schnell eng. Bei diesem Hybridmodell kommt noch hinzu, dass der Kofferraum aufgrund der unterzubringenden Batterie einen Teil seines Gesamtvolumens verliert. Die Rede ist hier von einem Minus von 86 Litern gegenüber dem herkömmlichen Clio, der mit immerhin 340 Liter zu den größten Ladeabteilen seiner Klasse gehört.
Der Testwagen in der Ausstattungsvariante „Experience“ konnte eine gute Auswahl an Annehmlichkeiten vorweisen, zu denen serienmäßig unter anderem ein digitales Cockpit, ein Tempomat, eine manuelle Klimaanlage und PureTech Voll-LED-Scheinwerfer gehören. Letztgenannte sorgten für ein sehr breites, angenehm helles und dazu weitreichendes Licht. Zusätzlich erhielt der Test-Clio das sogenannte Deluxe-Paket für rund 1460 Euro. Zu diesem gehören ein Online-Multimediasystem mit 7-Zoll-Zentralbildschirm inklusive Smartphone-Integration und Navigationssystem, abgedunkelte Verglasung ab der B-Säule, eine Klimaautomatik und vieles mehr. Sitzheizungen vorne kosten noch einmal knapp 300 Euro, erwärmten im Test die Sitze sehr schnell und auch homogen.

Fahrverhalten

Der Clio E-Tech 140 besitzt ein stufenloses Multi-Mode-Getriebe, welches bis zu acht Fahrstufen simulieren kann. Anders als erwartet, gibt es im Franzosen kein permanentes Motordröhnen, welches durch den sogenannten Gummibandeffekt aus vielen anderen Modellen mit stufenlosem Getriebe bekannt ist. Im Gegenteil. Der Renault bleibt in den meisten Lebenslagen sehr zurückhaltend in unteren Drehzahlbereichen des Verbrenners. Diese reizt er nur aus, wenn die Leistung vollständig abgerufen wird. Die Energierückgewinnung geschieht sehr dezent und das System scheint dabei sehr effizient zu arbeiten, denn die 1,2 Kilowattstunden der Batteriekapazität sind in Windeseile wieder aufgefüllt.
Der Clio kann als Vollhybrid auch kleinere Strecken vollelektrisch zurücklegen und das gelingt bis maximal 75 km/h. Vor allem in innerstädtischen Gefilden fährt der Kleine überwiegend elektrisch und kommt dem Herstellerversprechen von 80 Prozent der Fahrten im E-Modus zu absolvieren zumindest sehr nahe. Das Umschalten zwischen Verbrenner und E-Motoren erfolgt sehr kultiviert und oftmals findet dies unerkannt im Verborgenen statt.
Das Fahrwerk des Kleinwagens ist recht straff angestimmt, wodurch er Querfugen und kurze Stöße nahezu ungefiltert bis in den Innenraum durchpoltern lässt. Dafür garantiert diese etwas hart anmutende Abstimmung ein sehr sicheres Fahrverhalten. Nick- oder Wankbewegungen bei schnellem Last- oder Richtungswechsel? Fehlanzeige. Extrem spurtreu bleibt der Franzose selbst bis zur Höchstgeschwindigkeit von 180 km/h. Sein stoischer Geradeauslauf hilft ihm dabei nicht unerheblich. Die Lenkung ist allerdings zu leichtgängig – für den urbanen Einsatz sicherlich vorteilhaft, doch die damit verlorengehende Direktheit vermisst man spätestens auf schnelleren und kurvigen Etappen.

Wirtschaftlichkeit

Der Renault Clio soll als Hybridmodell bis zu 40 Prozent weniger Sprit verbrauchen als ein Clio mit konventionellem Verbrenner. Wir erreichten im Drittelmix einen Durchschnittsverbrauch von 4,1 Litern auf 100 Kilometer. Fährt man besonders defensiv und vorausschauend, wird es richtig spannend. Auf unserer Sparrunde konnten wir den Verbrauch sogar auf einen Durchschnittswert von 2,8 Litern drücken. Das ist schon ein anerkennenswertes Ergebnis.
Dem gegenüber steht ein entsprechend höherer Kaufpreis, denn wer den Clio als E-Tech fahren möchte, muss mindestens 22.800 Euro berappen. Das sind 6300 Euro mehr als der kleinste Verbrenner mit 65 PS in der gleichen Ausstattung „Zen“ kostet. „Zen“ deshalb, weil erst ab dieser Ausstattung die Hybrid-Motorisierung erhältlich ist.

Fazit

Mit dem Clio E-Tech 140 bietet Renault einen kräftigen und dennoch sehr effizienten Kleinwagen an. Der Verzicht auf eine Plug-in-Funktion stellt sich im Nachhinein als Vorteil heraus, denn zum einen bringt der Clio dank nur kleinem Akku nicht so viel auf die Waage und zum anderen ist man von keiner Ladeinfrastruktur abhängig. Als Vollhybrid fährt er vor allem innerstädtisch überwiegend elektrisch und zeigt hier eine bemerkenswerte Sparsamkeit. Ein sicheres Fahrwerk und eine umfangreiche Ausstattung runden das Gesamtpaket ab und relativieren zumindest zum größten Teil den nicht unerheblichen Anschaffungspreis.