Einst das Sorgenkind des Konzerns, hat es Seat in den letzten Jahren geschafft, die Marke in tiefschwarze Zahlen zu fahren.
Einen nicht unbeträchtlichen Teil hierzu trugen das Kompakt-SUV Ateca und dessen kleiner Bruder, der Arona, bei. Doch auch beziehungsweise vor allem der Dauerbrenner Leon spielt eine entscheidende Rolle innerhalb der Marke. Nun rollte zu uns die neueste Generation des „spanischen Golfs“ im schicken FR-Dress.

Motor

Der neue Seat Leon ist aktuell mit vier verschiedenen Motoren - zwei Benzinern, einem Diesel und einem Plug-in-Hybrid bestellbar. Die Leistung reicht dabei von 90 und 110 PS im 1.0-Liter-Dreizylinder über 130 bis hin zu 150 PS in den 1,5er Triebwerken auf der Benzinerseite. Die beiden 2,0 TDI Diesel leisten wahlweise 115 oder 150 PS. Der Plug-in-Hybrid generiert derweil aus einem 1,4-Liter-Benziner plus E-Motor eine Systemleistung von 204 PS.
Wir fuhren den 1,5-Liter-Vierzylinder-Benziner mit dem Namenszusatz eTSI - wie er auch im VW Golf 8 angeboten wird. Das Aggregat verfügt - anders als der Name vermuten lässt - nicht über einen (Voll-)Hybridantrieb, sondern über eine elektrische Unterstützung, die dem Verbrenner beim Spritsparen hilft. Besonders die Zylinderabschaltung sowie der Riemen-Starter-Generator - kurz RSG - spielen hier eine entscheidende Rolle. Sie ermöglichen neben einer Boost-Funktion auch das „Segeln“ bei abgeschaltetem Verbrenner.
Der 1,5er leistet solide 150 PS und stemmt maximal 250 Newtonmeter auf die Vorderräder. Allrad bleibt dem Leon bis auf weiteres verwehrt, wird aber im Zuge der neuen Motorengeneration folgen. Die Kraftverwaltung übernimmt ein 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe mit winzig kleinem Wählhebel, der im Konzern markenübergreifend eingesetzt wird. Im Falle des Leon hat dieser ein leicht verändertes Antlitz bekommen.

Karosserie/Ausstattung

Vergleicht man den neuen Leon mit seinem Konzernbruder, dem neuen VW Golf, so zeigt sich der Spanier deutlich leidenschaftlicher gezeichnet. Der Leon wirkt jünger, dynamischer und markanter, was in Summe bei nicht wenigen Testern das Prädikat „maßlos reizvoll“ nach sich zog. Dass Grau im Moment als Trendfarbe gilt, ist auch bei Seat angekommen und so rollt unser Testwagen in schickem Magnetic Grau (595 Euro) vor. Ein Anthrazit, welches die Sicken und Falze des Kompakten besonders schön zur Schau stellt.
Beim Blick auf die Front wird deutlich, dass diese wesentlich spitzer ausfällt und der Spanier nun forscher dreinblickt. Eine stark konturierte Motorhaube, die nach vorne hin abfällt, erzeugt eine gewisse Dynamik und streckt das Fahrzeug optisch. Auch bei der Seitenansicht hat sich einiges getan. Eine hohe Gürtellinie trifft auf eine geradlinige Fensterfront, was den Blick auf dem Fahrzeug verweilen lässt. Das Heck hat mit dem Vorgänger noch am wenigsten gemein und so darf sich der geneigte Kunde zunächst über eine durchgehende Lichtleiste sowie einen geschwungenen Leon-Schriftzug freuen. Letzterer fällt übrigens trotz der geringen Größe sofort ins Auge.
Im Innenraum des neuen Leon hat die Digitalisierung Einzug gehalten, was Vor- und Nachteil mit sich bringt. Auf jeden Fall wirkt hier alles sehr aufgeräumt und klar strukturiert. Außer einer Handvoll Tasten wartet der Kompakte lediglich mit zwei Displays - einem digitalen Cockpit und einem Zentralbildschirm - auf. Und genau hier beginnen die Nachteile. Während sich das „Virtual Cockpit“ noch recht einfach konfigurieren lässt, gibt das Infotainment zumindest Novizen einige Rätsel auf. Die Bedienung erfordert viel Eingewöhnung und erweist sich nur für echte Technikfans als intuitiv.
Abseits davon bietet der Leon vier erwachsenen Personen vernünftige Platzverhältnisse. Sitz Nummer fünf ist dagegen eher eine Notlösung - wie bei nahezu allen Kompakten. Das Kofferraumvolumen geht mit 380 Litern ebenfalls in Ordnung, entspricht im Übrigen exakt der Größe des Vorgängers und der des neuen VW Golf 8.
Die Verarbeitung beim Leon gibt keinen Grund für etwaige Kritik. Lediglich die Materialauswahl könnte an einigen Stellen - insbesondere an den Türverkleidungen – hochwertiger ausfallen.

Fahrverhalten

Schon ab dem ersten Meter zeigt sich der neue Leon dem Sportsgeist verpflichtet und macht keinen Hehl um seine exportierte Stellung in der Riege der Kompakten. Mit 150 PS ist der Leon bestens motorisiert, bietet stets genügend Leistung und hat zudem ausreichend Reserven in petto, wenn sie mal benötigt werden.In urbanen Gefilden fällt auf, dass die Rundumsicht zugunsten des Designs etwas eingeschränkt ist. Doch unter Zuhilfenahme von Parksensoren und Rückfahrkamera ist dies ein eher zu vernachlässigender Kritikpunkt.
Viel interessanter ist der Umstand, dass der Leon im Vergleich zum neuen Golf das fahraktivere Auto ist. Das bemerken wir schon in der Stadt. Abseits davon geht es über recht kurvige Landstraßen und man möchte meinen, der neue Leon hätte sich etwas vom Golf GTI abgeschaut. Dank des im FR serienmäßigen Sportfahrwerks bleibt der Spanier immer etwas straff, wartet aber mit genügend Restkomfort auf.
Auf der Autobahn fällt der größere Radstand (+50mm) doch auf, in Verbindung mit der adaptiven Fahrwerksregelung DCC und der Progressivlenkung - beide kosten im Paket 815 Euro extra - weiß der Leon auch auf der langen Strecke zu gefallen. Dieses Dynamic-Paket darf als Empfehlung der Redaktion gelten.
Auch hat man im Hause Seat die Dämmung verbessert, was für ein niedriges Geräuschniveau im Innenraum sorgt. Erwähnenswert ist außerdem die innovative Integration von bestimmten Assistenzsystemen. So wurde der Totwinkel-Assistent in die formschön verlaufende Ambientebeleuchtung integriert, was den Leon abermals von seinem Konzernbruder abgrenzt.

Wirtschaftlichkeit

Der neue Seat Leon startet derzeit ab 19.466 Euro für den 90 PS starken Dreizylinder-Benziner. Hier sind bereits LED-Scheinwerfer, ein Infotainment mit 8,25-Zoll-Bildschirm und eine Klimaautomatik enthalten. Auch rollt jeder Leon serienmäßig mit Müdigkeitserkennung, Spurhalteassistent und City-Notbremsfunktion vom Band.
Die von uns getestete FR-Ausstattung schlägt mit mindestens 24.175 Euro zu Buche, unser fast voll ausgestatteter Testwagen bringt es auf reichlich 35.000 Euro. Wem die FR-Version zu sportlich ist, bekommt für nahezu den gleichen Preis auch die gediegenere Xcellence-Ausstattung.
In puncto Verbrauch gab sich unser 150 PS starker Testwagen mit 6,3 Litern Superbenzin pro 100 gefahrener Kilometer zufrieden. Sportfahrer provozieren derweil eine Acht vor dem Komma und wer sich in Zurückhaltung übt, kann die Herstellerangabe von 5,8 Litern pro 100 Kilometer problemlos um einen halben Liter unterbieten.

Fazit

Auch in der vierten Generation weiß sich der Seat Leon gekonnt von seinem Konzernbruder, dem VW Golf, abzugrenzen. Durch sein expressives und leidenschaftliches Design begeistert er auch eine jüngere Klientel. Er erwies sich im Test durch seinen sportiven Touch als weniger steril, wodurch das Fahrzeug signifikant fahraktiver ausfällt. Darüber hinaus ist er bei gleicher Ausstattung einige tausend Euro günstiger als sein Hauptkonkurrent.
Technisch spielt der neue Leon zwar ganz vorne mit, doch die Bedienung fällt leider nicht wirklich intuitiv aus. Wem dies keine Sorgenfalten auf die Stirn treibt, der sollte eine Probefahrt mit dem heißblütigen Spanier auf jeden Fall in Erwägung ziehen.