Seit 2015 erlebt der Suzuki Vitara eine Renaissance, war er doch zuvor bereits im Jahr 1998 in Deutschland eingestellt worden. Das neue Modell zeigt sich noch immer alten Tugenden verpflichtet, ist kein hippes Lifestyle-Gadget, sondern soll vielmehr Nutzwert und Allround-Eigenschaften mit einem vernünftigen Preis-Leistungs-Verhältnis verbinden.

Motor

Die Hybridisierung ist auch bei Suzuki angekommen und so gibt es den Vitara hierzulande nur noch mit einer Motorisierung samt Mildhybrid-Technologie und wahlweise mit oder ohne Allradantrieb.Der 1,4-Liter-Vierzylinder-Benziner generiert 129 PS und damit 11 Pferdestärken weniger, als bis dato ohne E-Unterstützung. Durch einen Riemenstarter-Generator plus Wandler und kleiner Batterie wird wahlweise beim Beschleunigen unterstützt oder der Verbrenner kurz vor dem Stillstand abgeschaltet. Der mögliche „E-Boost“ soll die Minder-PS kompensieren. Das Drehmoment stieg derweil um 15 auf 235 Newtonmeter.
Von null auf Tempo 100 geht es in 10,2 Sekunden und wer mag, ist maximal 190 km/h schnell. Der Kunde hat die Wahl zwischen reinem Frontantrieb und dem Allradantrieb Allgrip Select, der auf Wunsch mittels Lock-Funktion die Kraft im Verhältnis 50:50 auf beide Achsen verteilt.

Karosserie/Ausstattung

Optisch erhielt der Suzuki Vitara im Rahmen einer Modellpflege einige Retuschen, die erst auf den zweiten Blick ins Auge fallen. So gibt es nun eine überarbeitete Front mit neuen Voll-LED-Scheinwerfern und einer zeitgemäßen Lichtsignatur. Gewissermaßen wirkt das SUV nun ein wenig breiter.
Von der Seite betrachtet, halten sich die Änderungen in Grenzen, während am Heck noch immer Teil-LED-Rückleuchten ihren Dienst verrichten. Ganz im Sinne eines bodenständigen Fahrzeugs, bleiben sichtbare Endrohre hier aus. Ein Hybrid-Schriftzug weist derweil auf den elektrifizierten Antrieb hin. In Summe mag man hier von Feinschliff sprechen.
Im Innenraum gibt es ebenfalls solide Kost. Die Sitze sind eindeutig auf Komfort getrimmt, der Seitenhalt könnte besser sein. Ansonsten wirkt das Interieur sehr aufgeräumt. Man hat hier auf etwaige Experimente gänzlich verzichtet. Das gefällt. Der Zentralbildschirm ist ebenso wie die Klimaeinheit selbsterklärend und auch die analoge Tachoeinheit mit mittig platziertem Info-Display wirft keine Fragen auf.
Ein wenig störend ist hingegen die Materialauswahl an einigen Stellen. Was im oberen Bereich noch durch Softtouch-Oberflächen kaschiert wird, fällt weiter unten durch schnödes Hartplastik negativ auf. Hier könnte man nachbessern.
Das Platzangebot hinten geht bis zu einer Körpergröße von 1,75 Metern in Ordnung, danach wird es zunehmend enger. Auch der Seitenhalt ist hier weniger ausgeprägt, doch insgesamt hält sich die Kritik in Grenzen. Das Ladeabteil schluckt immerhin 375 Liter und kann auf bis zu 1.120 Liter erweitert werden.

Fahrverhalten

Schon auf den ersten Metern zeigt sich der Suzuki Vitara Hybrid von seiner Schokoladenseite und gibt sich als ungemein spritziger Geselle. Die Sechsgang-Schaltung - eine Automatik wird für den Vitara nicht mehr angeboten - erweist sich als knackig und gut abgestuft. Auch schaltfaule Fahrer kommen hier auf ihre Kosten.
Das Fahrwerk besitzt eine gelungene Abstimmung und bietet einen hervorragenden Kompromiss zwischen Sportlichkeit und Komfort. Auch auf der langen Strecke kommt im Vitara nicht der Wunsch auf, das Fahrwerk verstellen zu wollen. Diese Möglichkeit besteht auch nicht, es gibt keine adaptiven Dämpfer für den Japaner.
In urbanen Gefilden gefällt die Übersichtlichkeit. Der Vitara ist recht kantig gestaltet und erinnert in seinen Grundzügen an einen Geländewagen. Durch die kompakten Abmessungen und insbesondere die Länge von gerade einmal 4,17 Meter punktet das SUV in der City durch eine einfache Handhabung. Auch Parkhäuser sind keine Herausforderung und wenn es einmal eng wird, unterstützt die Rückfahrkamera mit einem ansehnlichen Bild.
Die Lenkung gibt dem Fahrer ausreichend Feedback und konnte keinerlei Kritik für sich verbuchen. Gleiches gilt für die Bremsen, welche auch nach hoher Beanspruchung standfest blieben.
Natürlich möchten wir auch noch ein Wort zum Allradantrieb des Vitara Hybrid verlieren. Insgesamt stehen hier vier Modi bereit - Auto, Sport, Snow und Lock. Während im Modus „Auto“ die Kraft stets so verteilt wird, dass optimale Traktion gewährleistet ist, wird im Modus „Sport“ die Gasannahme direkter und das Fahrzeug lässt ein wenig mehr Schlupf zu - doch um dies zu provozieren, muss man schon sehr sportlich unterwegs sein. Der Modus „Snow“ eignet sich hervorragend für winterliche Straßenverhältnisse und im „Lock“ Betrieb wird die Kraft gleichbleibend im Verhältnis 50:50 auf beide Achsen verteilt.
In der Praxis stellt der Allgrip Select genannte Allradantrieb einen erheblichen Sicherheitsgewinn dar und gilt als Empfehlung der Redaktion - auch wenn die knapp 3.000 Euro Aufpreis nicht unwesentlich die Haushaltkasse belasten.

Wirtschaftlichkeit

Wer einen aktuellen Suzuki Vitara Hybrid sein Eigen nennen möchte, muss mindestens 23.931 Euro an den Händler überweisen. Dafür gibt es das SUV mit Frontantrieb und Mildhybrid-Technik in der Ausstattungslinie „Club“. Hierin inkludiert ist bereits eine Klimaautomatik, eine adaptive Abstandsregelung und LED-Scheinwerfer. Außerdem rollt jeder neue Vitara mit Notbremsassistent, Müdigkeitswarner, Spurhalteassistent und Verkehrszeichenerkennung vom Band.
Die zweite Ausstattungslinie „Comfort“ kostet reichlich 1000 Euro mehr und offeriert darüber hinaus unter anderem noch einen Totwinkel-Warner, einen Ausparkassistenten und eine Rückfahrkamera.
Die Allradvariante ist ab der Comfort-Ausstattung für mindestens 26.904 Euro zu haben. Wer die Top-Ausstattung „Comfort+“ begehrt, erhält für 30.413 Euro quasi „volle Hütte“ - nämlich on top ein riesiges, zu öffnendes Panorama-Glasdach, elektrisch einklappbare Spiegel, Navigationssystem, schlüssellosen Zugang und 17-Zoll-Räder.
Der Verbrauch lag bei unseren Testfahrten im Durchschnitt bei 6,3 Litern Superbenzin pro 100 Kilometer. Wer überwiegend sportlich unterwegs ist, erreicht knappe acht Liter und wer sich in Zurückhaltung übt, erhält mühelos eine Fünf vor dem Komma.

Fazit

Viel Auto fürs Geld - so könnte das Fazit zum Suzuki Vitara Hybrid in einem Satz lauten. Mit einem Testwagenpreis von beinahe 31.000 Euro scheint der Japaner zwar kein Schnäppchen erster Klasse zu sein, doch auf den zweiten Blick offeriert Suzuki ein vollwertiges Kompakt-SUV mit Allradantrieb, jeder Menge Assistenz- und Sicherheitsausstattung und einem effizienten Antrieb.
Durch seine schicken Lackfarben und sein beinahe zeitloses Design könnte er aus Sicht der Redaktion auch eine jüngere Zielgruppe ansprechen. Die Version mit Frontantrieb könnte zudem auch für eine urbane Klientel infrage kommen.
Wem Glanz und Gloria nicht wichtig ist, darf sich den frisch gelifteten Japaner gern einmal genauer anschauen.