Das meistverkaufte SUV aus Wolfsburg hat eine Modellpflege bekommen und stellt sich nun in dieser aufgefrischten Form einem Test.

Motor

Das Herz unseres Testwagens kann man gut und gerne als die eierlegende Wollmilchsau bezeichnen. Der 2.0-Liter Turbodiesel mit 150 PS ist eine ausgewogene Mixtur aus Leistung und Effizienz. Zudem hat man bei der Modellpflege auf Twindosing mit zwei SCR-Katalysatoren gesetzt, wodurch die ausgestoßenen Stickoxide um bis zu 85 Prozent verringert wurden. Die Leistung bleibt bei unveränderten 150 PS, das maximale Drehmoment steigt sogar um 20 auf nun 360 Newtonmeter. Als Selbstzünder verrät er meist nur wenige Sekunden im Kaltstart und bei höheren Drehzahlen mit dem typischen Nageln seine Arbeitsweise.

Karosserie/Ausstattung

Das Make-up der Modellpflege fällt vor allem an der Front auf, an der es nun unten eine vierte Querstrebe aus Chrom im Frontgrill gibt, wodurch das „Antlitz“ des SUV eine Art Dauerlächeln erhielt. Auch die Lichtsignatur des Tagfahrlichts wurde verändert und ähnelt nun in Summe mit der gesamten Front sichtlich der des größeren Bruders, dem VW Touareg. Am Heck gibt es ab sofort den Modellnamen direkt unter dem VW-Emblem sowie neue LED-Heckleuchten mit „Klick-Klack“ Lichtsignatur und das war es auch schon mit den optischen Neuerungen am Außenkleid.
Im Innenraum findet sich nun auch im Tiguan die fortschreitende Digitalisierung wieder und so verschwanden diverse physische Bedienelemente und machten stattdessen berührungsempfindlichen Sensorflächen Platz, die auf Berührung oder Darüberwischen – sogenanntes Sliden – reagieren. Ob das tatsächlich ein Fortschritt ist, sollte jeder für sich entscheiden. Wir fanden, dass es mehr vom Fahren ablenkt als klassische Drehknöpfe oder „echte“ Tasten mit haptischem Feedback.
Platztechnisch bleibt im überarbeiteten Tiguan alles beim Alten – gut so, denn sowohl Raumgefühl als auch Ladevolumen bieten vielfältige und komfortable Möglichkeiten, die weit über den alltäglichen Einsatz hinausgehen.
Neu ist auch das optionale, ringsum ausschließlich aus LED-Technik bestehende Lichtsystem IQ.Light. Die Scheinwerfer beherrschen dank Matrix-Technologie das automatische Ausblenden anderer Verkehrsteilnehmer, was im Test bestens funktionierte. Auch in puncto Konnektivität ging man den nächsten Schritt und so können Android Auto sowie Apple CarPlay in den höheren Ausstattungen ab jetzt kabellos mit dem Auto verbunden werden. Das frühere optional angebotene Dynaudio Soundsystem wurde durch eines von Harman/Kardon ersetzt, was klanglich eine nochmalige Verbesserung mit sich brachte.

Fahrverhalten

Das Fahrwerk des Tiguan zeigte sich gewohnt komfortorientiert, konnte über ein breites Feld von Fahrbahnzuständen große Souveränität beweisen und federte auch über stärker ausgeprägte Straßenschäden mit überraschender Gelassenheit hinweg. Die erhöhte Sitzposition führt gemeinsam mit der großflächigen Verglasung ringsum zu einer guten Rundumsicht, was sich auch beim Rangieren in urbanen Gefilden positiv bemerkbar macht. Dank adaptivem Fahrwerk lässt sich das Fahrverhalten zusätzlich variieren und auch der Kraftaufwand für die direkte und stets Feedback liefernde Lenkung kann damit individualisiert werden. Der Diesel reicht seine Leistung an ein 7-Stufen-Doppelkupplungsgetriebe weiter, von dem es an alle vier Räder verteilt wird – 4Motion ist bei diesem Motor optional erhältlich.
In reichlich neun Sekunden ist das SUV aus dem Stand auf Tempo 100, der Vorwärtsdrang endet erst bei 200 km/h. Dieses Leistungsspektrum fühlt sich zu jederzeit als gut ausreichend an, wenngleich sportliche Ambitionen fernbleiben. Unerschütterlich zeigten sich die sauber dosierbaren Bremsen, bei denen sich auch bei langanhaltend hoher Beanspruchung keinerlei Nachlassen bemerkbar macht.

Wirtschaftlichkeit

Der Verzicht auf Sportlichkeit zahlt sich aus und so kommen wir mit dem allradgetriebenen Tiguan mit dem 150 PS starken 2.0 TDI auf einen Durchschnittsverbrauch von nur 5,9 Litern auf 100 Kilometer. Überwiegend zügige Fahrten auf der Autobahn quittierte das SUV mit 8,7 Litern und im ECO-Modus und zaghaftem Gaspedal schafften wir sogar nur 4,3 Liter auf unserer Verbrauchsrunde.
Günstig in der Anschaffung ist ein Volkswagen längst nicht mehr, wenngleich der Name dies eigentlich gebieten würde. Doch der Gegenwert an Auto ist nicht gerade geringzuschätzen. Schade finden wir dennoch, dass man für die absolute Mehrheit an Assistenzsystemen zusätzlich die Geldbörse lupfen muss. Ab 29.310 Euro beginnt der Einstieg in die Welt des VW Tiguan, dann mit Frontantrieb, dem 1.5-Liter Benzinmotor mit 130 PS und 6-Gang-Handschaltung. Unser Testwagen besaß mit der „Elegance“ den zweithöchsten Ausstattungslevel und kostete mit einigen zusätzlichen Optionen gleich satte 24.000 Euro mehr.

Fazit

Ändere nie, was gut läuft – so könnte die generell lautende Devise für diese Modellpflege geheißen haben. Leichte optische Retuschen, ein bisschen mehr modernere und trendgemäße Technologie sowie deutlich überarbeitete Motoren machen den Tiguan erneut zu einem begehrenswerten SUV. Nicht als Schnäppchen, nicht von Trends abweisend oder gar abgrenzend, passt er mit Sicherheit erneut vollkommen exakt in die Erwartungshaltung seiner Zielgruppe.