Unter den Kombis wird Skoda seit längerer Zeit als das Raumwunder schlechthin bezeichnet. Dies gilt insbesondere für das Flaggschiff der Marke: den Superb Combi. Mit dem iV gesellt sich nun ein Plug-in-Hybrid zur bisherigen Antriebspalette des Tschechen.

Motor

Das Hybrid-Pärchen gleicht dem im aktuellen Passat GTE und besteht aus einem 1.4-Liter Turbobenziner sowie einem Elektromotor. Gemeinsam bringen es die beiden auf 218 PS als Systemleistung und machen dem Kombi mit bis zu 400 Newtonmetern Drehmoment ordentlich Beine.
Fährt man den 156 PS starken Benziner im reinen Verbrennermodus, spürt man, dass ein Alleingang des konventionellen Antriebs denselben des Öfteren aus der Reserve lockt. Dies gilt insbesondere bei Tempi oberhalb von 130 km/h, in denen sich der E-Antrieb komplett ausklingt. Dazu später mehr. Die Hybrid-Batterie besitzt 13 kWh Kapazität, von denen 10,4 kWh auch genutzt werden können. Der Rest bleibt für Startvorgänge und Zwischenspurts reserviert. Apropos Startvorgang: Einen klassischen Anlasser gibt es im Superb iV nicht mehr. Dies übernimmt der Elektroantrieb und sorgt somit für einen deutlich schnelleren und auch komfortableren Start-Stopp-Betrieb.
Die angegebenen Ladezeiten von 3,5 Stunden an einer Wallbox und von fünf Stunden an einer haushaltsüblichen Steckdose konnten wir im Test als realistische Werte bestätigen.

Karosserie/Ausstattung

In dritter Generation legte man im Detail auch sichtlich Hand an und so erhielt der Tscheche beispielsweise neue Scheinwerfer an seiner ansonsten leicht modifizierten Front. Gut getarnt wurde dabei der Ladeanschluss für die Hybridbatterie direkt im Frontgrill versteckt. Im Rahmen des Generationswechsels wurde von Bi-Xenon auf Voll-LED-Technik umgestellt.
Seitlich betrachtet, erscheint der Superb Combi lang gestreckt und seine 4,86 Meter lassen ihn längentechnisch auch locker einige seiner Wettbewerber überflügeln. Am Heck erwarten den Betrachter neue Rückleuchten mit einer schicken LED-Lichtsignatur und wie bei allen neuen Modellen von Skoda, lassen Großbuchstaben an der Heckklappe die Markenzugehörigkeit erkennen.Im Innenraum regiert vor allem eines: Platz. Das Raumgefühl im Superb ist auch beim Plug-in-Hybrid gewaltig. Dazu kommt eine aufgeräumte Struktur und eine intuitiv verteilte Bedienphilosophie, sodass man sich hier sofort zurechtfindet.
Der Materialeinsatz erweist sich überall als wertig, ebenso die Verarbeitung. Lediglich im Kofferraum findet man einen eher preisgünstig anmutenden Filzbelag. Übrigens verringern die notwendigen Batterien das Ladeabteil um immerhin 140 Liter. Doch erstaunlicherweise fällt das kaum auf, denn es verbleiben nutzbare 510 Liter Kofferraum, den man dank variabler Rückenlehnen der Fondsitze auf 1.800 Liter erhöhen kann. Und eines darf nicht unerwähnt bleiben: In seiner Standardkonfiguration schluckt das Ladeabtei des iV-Kombis immer noch sage und schreibe 187 Liter mehr, als der Kofferraum des Passat Variant GTE.
Das Infotainment erhielt ebenfalls ein Upgrade, besitzt nun nur noch Sensortasten. Die Routenführung des Navigationssystems erfolgte mit zuverlässiger Berücksichtigung von Verkehrsstörungen und eine Heerschar von Assistenten – allesamt einfach über visuelle Strukturmenüs bedienbar – helfen dem Fahrer beim täglichen Einsatz hinter dem Steuer.
Als unangenehm empfanden wir dabei die ständige – und unbegründete – Ermahnung, die Hände am Steuer zu belassen. Für Schrecksekunden sorgte dabei immer der direkt im Anschluss auslösende Emergency Assist, der mittels Bremseingriff eine etwaige Unaufmerksamkeit des Fahrers beenden wollte. Hier besteht noch Raum für Nachbesserung.
Die Lenkrad- und Sitzheizungen sorgen dafür schnell für wohlige Wärme und das Parken und Rangieren kann einem entsprechenden Assistenten überlassen werden.

Fahrverhalten

Trotz des Mehrgewichts aufgrund der Hybridbatterie bleibt der Skoda Superb Combi fahrtechnisch neutral und gutmütig, lässt sich zum Großteil vollkommen unaufgeregt fahren. Eine leichtgängige Lenkung hilft bestens, den Combi durch urbane Bereiche zu zirkeln. Fünf Fahrmodi splitten die Fahrcharakteristik spürbar. Im Sportmodus verhärten sich Stoßdämpfer und Lenkung, letztere vermittelt jetzt noch mehr Feedback.
Als besonders komfortabel empfanden wir die Schaltcharakteristik des Sechs-Gang-Doppelkupplunggetriebes, welches dank mitspielendem Elektroantriebs vor allem in den niedrigen Geschwindigkeiten sowie beim Anfahren spürbar sanfter die Gänge wechselte als in einem konventionellen Modell. Der Superb iV beherrscht neben dem Hybridmodus auch das rein elektrische Fahren und man kann auch mittels Benzinmotor den Ladestand des Hybrid-Akkus erhöhen, oder den aktuellen Stand für später „einfrieren“.
Im Hybridmodus zeigt sich der Tscheche überaus kräftig und profitiert vom sofort verfügbaren Drehmoment des Elektroantriebs. In der Stadt sowie über Land macht der Hybrid-Kombi eine sehr gute Figur, besitzt dabei hohe Leistungsreserven, die auch für das eine oder andere flotte Überholmanöver taugen. Auf der Autobahn bei höheren Geschwindigkeiten liegt die Hauptaufgabe des Antriebs beim Benzinmotor und dies spürt man. Wenngleich die Höchstgeschwindigkeit von 224 km/h alles andere als langsam ist, benötigt der Skoda hierfür zwei Dinge: Zeit, diese zu erreichen und nicht wenig Kraftstoff.
Der Spareffekt ist bei allen hohen Geschwindigkeiten passé und das sollte man stets bedenken. Bleibt man bei maximal Richtgeschwindigkeit und überwiegend darunter, kann das Antriebsduo seine Vorteile spürbar ausspielen, darüber nicht.

Wirtschaftlichkeit

Das Konglomerat aus zwei verschiedenen Antriebstypen plus Hybridspeicher lässt sich Skoda entsprechend bezahlen. Mindestens rund 41.500 Euro werden dabei fällig. Wählt man zudem eine der höheren von insgesamt vier Ausstattungslinien und konfiguriert noch die eine oder andere Annehmlichkeit hinzu, landet man deutlich über der 50.000-Euro-Grenze.
Darf man sich dafür dann über moderate Verbräuche freuen? Ein klares „Jein“. Ja, wenn man den Akku regelmäßig über das Stromnetz lädt und auf hohe Geschwindigkeiten verzichtet. Mit vollgeladenem Akku kamen wir im Test 51 Kilometer rein elektrisch voran. Das ermöglicht Durchschnittsverbräuche von rund zwei bis drei Litern auf 100 Kilometer. Mit ständig leerem Akku steigt der Durchschnitt bei moderater Fahrweise auf knapp sieben Liter.
Nein, wenn man selten den Akku am Stromnetz lädt und ständig schnelle Touren abspult. Denn dann bleiben die Verbräuche sehr gern im zweistelligen Bereich. Diese Verbrauchsmengen gelten auch für die Zeit, in denen man den Akku mittels Verbrenner nachlädt.

Fazit

Unser Resümee zum Superb Combi iV ist eindeutig: Wer einen tadellos verarbeiteten, sehr gut ausgestatteten und überaus geräumigen Kombi sucht, mit diesem überwiegend überschaubare Strecken absolvieren möchte und zudem Lademöglichkeiten in der Nähe parat hat, ist mit diesem Tschechen bestens bedient. Dann fährt man größtenteils sogar emissionsfrei elektrisch. Beispielsweise für Pendler mit entsprechenden Entfernungen, die im Reichweite-Radius des elektrischen Fahrbetriebs liegen oder Leute mit hohem Platzbedarf und Anspruch auf effizientes Vorankommen, die außerdem den Steuervorteil attraktiv finden, könnte dieser Skoda ein empfehlenswerter Partner werden.
Wer dagegen viele Kilometer abspult und dies auch noch überwiegend auf Autobahnen praktiziert, sollte eher einen Blick auf den Diesel werfen. Die vielen „simply clever“-Details besitzen ja bekanntlich alle Modelle von Skoda.