Altgediente Vinylfreunde kennen das Phänomen - von der Lieblingsscheibe musste immer noch eine Pressung aus Japan mit ins Regal. Nicht allein der exotischen Schriftzeichen und anderen Cover-Arts wegen. Auch technisch, in Sachen Wiedergabequalität, waren die Importe aus Fernost meist besser als das, was man in Europa bekam.

Gene der Marantz KI-Rubi und 12-Serie

Das lässt sich auch auf andere audiophile Genüsse übertragen und zwar bis in die Neuzeit. So ist gerade die Verstärker-Player-Kombi PA-12SE/SA-12SE bei den Fachhändlern hierzulande eingetroffen ist. Bei dieser haben Marantz und europäische Ingenieure die Gene der KI-Rubi mit der der 12-er-Serie gekreuzt. Letztere war ausschließlich für den japanischen Markt gedacht. Herausgekommen sind dabei Geräte, die in Sachen Leistung, Gewicht und auch Preis Maßstäbe setzen sollen. Wichtigstes Tool der Sound-Optimierung: das Ohr. Marantz verweist gleich mehrfach auf 65 Jahre Erfahrung beim Design von Verstärkern und immerhin 35 Jahre bei den Abspielgeräten. Und so haben die Japaner eine erlesene Auswahl an Zutaten spendiert, die der Kombi höchste Weihen seitens des Publikum ermöglichen sollen.

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Fangen wir beim Vollverstärker PA-12SE an. Marantz hat eigene Platinen mit diskreten Schaltkreisen – sogenannte Hyper-Dynamic Amplifier Modules (HDAMs) – entwickelt. Diese bestehen aus diskreten Komponenten mit kurzen gespiegelten L-R-Signalwegen und übertreffen herkömmliche IC-Operationsverstärker in puncto Geschwindigkeit und Rauschreduzierung bei Weitem. Ein diskretes zweistufiges Design mit separaten Netzteilen für Vorverstärker und Endstufenkanäle trägt zur Verringerung von Störungen bei und sorgt für optimale Signalreinheit.

Durch analoges Design Rauschen eliminieren

Dazu hat Marantz den Verstärker rein analog designt. Der Sinn dabei, man wollte das Grundrauschen der digitalen Schaltkreise soweit möglich eliminieren. Daher muss der PA-12SE auch ohne Digital-Analog-Wandler auskommen. Den haben die Ingenieure ins Abspielgerät ausgelagert. Und um den Signalweg noch weiter und störungsfreier zu verkürzen, kann via Power Amp Direct-Eingang gleich die Endstufen-Sektion angesteuert werden. Das käme beispielsweise in Frage, wenn der Verstärker in eine AV-Kombi eingebunden wird und an einer Mehrkanal-Vorstufe hängt.

Phone-Stufe für MM und MC

Ins analoge Gesamtbild passt auch, dass es einen Eingang sowohl für MM- wie auch MC-Tonabnehmer gibt. Die Musical Phone EQ Stufe vereinfacht ebenfalls den Signalweg, was geringere Verzerrungen und höhere Reinheit garantieren soll. Diesem Zweck ist auch der Umbau der Lautstärkeregelung unterworfen, die allerdings rein elektrisch daherkommt. Stufenlos steht sie für hohe Liniearität und beste Kanaltrennung. Zweimal 100 Watt bei 8 Ohm und je 200 Watt bei 4 Ohm schaufelt der Verstärker an die Boxen und sollte damit ausreichend Leistung auch für anspruchsvolle Schallwandler zur Verfügung stellen.

Getrennte Stromversorgung, neuer Transportmechanismus

Was und vor allem wie es aus denen erklingt, hängt aber nicht unwesentlich vom Zuspieler ab. Denn zaubern kann auch der PM-12SE nicht. Hier erhält der SA-12SE als kongenialen Partner seinen Auftritt. Der CD- und SACD-Player ist dem Verstärker dabei in allen Belangen ebenbürtig, nicht nur beim Auftritt. Er bringt mit seinen stolzen 16,4 Kilogramm sogar 1,1 Kilo mehr auf die Waage. Dazu trägt natürlich die robuste, nichtmagnetische Aluminiumfront bei. Aber auch der gewaltige Ringkerntransformator, der eine getrennte Stromversorgung für die digitalen und analogen Schaltkreise sicherstellt. Nicht zu vergessen der neue Transportmechanismus "SACDM-3". Die solide und satt schließende Lade nimmt SACD, CD und DVD-ROM auf, um Musikdaten ins Innere zur Weiterverarbeitung zu geleiten.

Signale als DSD übertragen

Auch hier findet sich kein klassischer Digital-Analog-Wandler. Für Marantz ist Direct-Stream-Digital (DSD) das zentrale Element der Verarbeitung digitaler Audiodaten. Diese werden von einem proprietären Marantz-Musical-Mastering-Stream-Konverter in DSD mit 11,2 MHz konvertiert. Danach wird das generierte hochfrequente Signal mit der einzigartigen MMM-Konvertierungsstufe verarbeitet, die den Platz eines konventionellen D/A-Wandlers einnimmt, um das analoge Ausgangssignal zu erzeugen. Diesen Prozess durchläuft jedes Signal, egal von welchem Datenträger. Schließlich leitet der DSD-zu-Analog-Filter sein Ausgangssignal in der Ausgangsstufe an das bekannte Marantz HDAM weiter.

Über den PC ins Netzwerk

Die universelle Verarbeitung dürfte für all jene zusätzlich von Interesse sein, die nicht nur über eine reichhaltige CD oder SACD-Sammlung verfügen, sondern ihr Liedgut beispielsweise auf einem NAS lagern. Mittels asynchronem USB-Eingang kann der Player über einen PC auch ins Netzwerk eingebunden werden. Klingt auf den ersten Blick etwas umständlich, erweist sich aber in der Praxis als schnell eingerichtet. Es müssen lediglich die entsprechenden Treiber installiert und schon können wichtige Parameter über die Systemeinstellungen reguliert werden. So ist für alle Tracks die Wiedergabe mit bis zu 32 Bit und 192 kHz, also in bester Studioqualität, möglich. Spätestens hier lässt der SA-12SE gewaltig die Muskeln spielen. Nicht wenige werden alte und/oder liebgewonnene Stücke in einem ganz neuen Soundgewand hören. Die High-End-Technik holt buchstäblich das letzte Quäntchen aus den Daten heraus.

Black Sabbath als FLAC dem Vinyl ebenbürtig

Da müssen sich selbst gestandene LP-Fans geschlagen geben, wenn eine schon etwas angestaubte „Iron Man“-Version im FLAC-Format in Sachen Dynamik-Umfang und Kraft der nagelneuen 50th-Anniversary Edition von Black Sabbath’ „Paranoid“ beim gleichen Track mindestens ebenbürtig ist. Und auch beim Timbre kann sie dem 180-Gramm-Vinyl das Wasser reichen.
Dieser Höreindruck wiederholt sich ein ums andere Mal. Die Breite der abgebildeten Bühne sucht ebenso ihresgleichen wie die Ortbarkeit von Stimmen und Instrumenten. Die Schwingung von Saiten kann man defacto spüren. Mit der richtigen Kette bis hin zum Lautsprecher stellt der Player die Musiker fast in den Raum. So lässt sich das von den Boxen-Genies Bower&Wilkens geprägte: „Listen and you will see“ ohne Abstriche auch auf diese Traumkombi angewenden. Denn der fehlt gleichzeitig die kühle digitale Analyse. Tatsächlich also gelingt es, das analoge Tonsignal ungemein nah am Original abzubilden.

CD-Player mit DAC

Damit auch die letzten Störgeräusche bzw. Rauschen außen vor bleiben, lassen sich zusätzlich die digitalen Ausgänge abschalten. Sehr gute Chinch-Kabel sind also Voraussetzung für höchsten Hörgenuss. Zwar verfügt der Player natürlich über einen optischen und einen digitalen Ausgang, über die wird allerdings - dem Kopierschutz geschuldet - ohnehin kein Ton bei der Wiedergabe von SACDs geleitet.
Jeweils etwas mehr als ein durchschnittliches Monatsbrutto sind auch preislich eine Ansage. Vor allem für einen Digital-Player. Allerdings relativiert sich die Forderung mit der Möglichkeit, den SA-12SE ebenso als hochwertigen DAC einzusetzen. Und auch, wenn die Einbindung ins Heimnetzwerk nicht gerade plug&play ist, so kann man seine Schätze auf einem NAS beispielsweise relativ unkompliziert veredeln lassen. Abstriche hingegen müssen SACD-Fans in Sachen Multichannel machen. Das unterstützt der Player nicht. Das Mehrkanal-Signal wird auf Stereo heruntergerechnet. Zusammen mit dem PA-12SE spielt die Kombi im Referenz-Bereich von High-End. Und dafür wiederum sind die beiden jeden Euro Wert. Because music matters - dem ist nichts hinzuzufügen.

Marantz Verstärker PA-12 SE / SACD-Player SA-12 SE


PA-12SE: Zweikanal Vollverstärker; Leistung je Kanal: 100W/8Ohm, 200W/4Ohm; Frequenzbereich 5Hz bis 50 kHz; Gewicht: 15,3 Kg; Preis: 3299 Euro;

SA-12SE: SACD/CD-Player mit DAC; Frequenzgang: 2Hz bis 50 kHz; Dynamikumfang: 109 db; Gewicht: 16,4 Kg; Preis: 3299 Euro

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