Lange Zeit war es ruhig um den Mann aus Fernost, nun ist er wieder da. Und es zeigt sich, Geschichte wiederholt sich doch. Denn mit "Death Stranding" kommt ein Spiel daher, das einerseits die Einfachheit in Person darstellt, aber mit dem Drumherum wieder ganz schön kompliziert wird. Die Ausgangslage ist dabei eine eher gametypische. In einem postapocalyptischen Amerika gibt es nur noch einige Städte. Es regnet meist ohne Unterlass und zwischen den menschlichen Ansiedlungen besteht so gut wie keine Interaktion. Da kommt Sam ins Spiel. Er ist der Bote, nein, nicht der kryptischer Nachrichten, sondern tatsächlich einer, der Pakete ausliefert. Oder besser Warensendungen. Er durchstreift die Landschaft, sammelt verlorenes Sendungsgut ein und gibt es an entsprechenden Stationen ab. Das ist es eigentlich schon. Doch während bei so manchem Rollenspiel die Protagonisten problemlos Unmengen an Inventar mit sich herumschleppen, ist das bei Sam sowohl in Sachen Gewicht wie auch Verteilung begrenzt. Den Kerl zu bepacken ist die eine Aufgabe, ihn im Gleichgewicht zu halten, eine andere. Ob durch Flussläufe, über schmale Leitern hinweg oder steile Hänge hinab, der Trick ist, Sam auf den Füßen zu halten.
Doch natürlich nicht allein. Denn zur Katastrophe auf Erden hat geführt, dass das Reich der Toten mit dem der Lebenden kollidierte. Und die Geisterwesen sind immer noch eine Gefahr für die Menschen. Zwar nicht direkt für Sam, der ein Wiedergänger ist, also von den Toten zu den Lebenden zurückgekehrt. Aber dennoch muss er, um wohlbehalten seine Pakete auszuliefern, jeglicher Gefahr aus dem Jenseits ebenso ausweichen wie Feinden im diesseits. Und um die Sache noch etwas komplizierter zu machen, trägt unser Held ab einem bestimmten Zeitpunkt noch ein bridge baby mit sich herum. Das hilft ihm einerseits, Gefahren rechtzeitig zu erkennen, andererseits hat das Kleine, das sich in einem Tank wie in einer Art Fruchtblase befindet, auch Angst und muss beruhigt werden.
Kurzum, Death Stranding hat wenig mit den Mechanismen eines herkömmlichen Videogames zu tun. Das Sam anstatt Geld oder ähnlichem mit Likes belohnt wird, unterstreicht das Ganze noch. Andererseits zielt Kojima hier wohl auf die Währung ab, die bei der Social-Media-Generation am höchsten im Kurs steht.
Auf der technischen Seite ist das Ganze ohne Frage überragend geworden. Alles andere wäre auch eine Überraschung gewesen. Walking-Dead-Star Sam Porter Bridges verkörpert die Hauptperson und auch Mads Mikkelsen taucht während der Handlung auf. Grafisch ist das Geschehen näher an einem animierten Spielfilm als an einem Videospiel. Vielleicht glänzt die eine oder andere Oberfläche etwas zu sehr, aber generell sind die Ansichten top, zumal die PS4 das Bild als HDR-Content ausgibt. Wer also über einen 4-K-TV verfügt darf sich schonmal auf phänomenale Bilder einstellen. Wenn sich der Hype um Kojima gelegt hat, wird "Death Stranding" allerdings beweisen müssen, ob das Gameplay massentauglich ist. Eine Entwicklung wie seinerzeit bei "Metal Gear" scheint nach jetziger Sicht eher nicht zu erwarten.
Death Stranding; Sony Computer Entertainment
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