Fiat startet bewusst seine Mildhybrid-Strategie zuerst im 500 und Panda. Der Markt sei reif für eine druckvolle Elektrifizierung auch im Kleinwagenbereich, heißt es bei den Offiziellen. Als Benziner dient ein neuer Dreizylinder-Benziner, der 70 PS aus einem Liter Hubraum bündelt und die Kraft über eine Sechsgang-Handschaltung an die Vorderräder schickt. Der Motor ist zudem verbandelt mit einem im 12-Volt-Bordnetz arbeitenden Riemen-Starter-Generator sowie einer Lithium-Ionen-Batterie. Das System rekuperiert beim Bremsen und im Schubbetrieb. Die so gewonnene elektrische Energie wird dann in der unter dem Fahrersitz platzierten Batterie mit einer Kapazität von elf Ampere-Stunden gespeichert.
Soweit die Theorie. Und die Praxis? Wir starten den pausbäckigen, nur 3,57 Meter kurzen Blechfloh und swingen uns durchs Stadtgewühl. Freilich darf man bei 92 Nm (bei 3.500 Touren) keinen Ferrari-Sprint erwarten. Auch wenn der RSG den Motor unterstützt und beim Anfahren all sein Können aufbietet. Mit 3,6 kW sind das dennoch nur 4,9 PS zusätzlich. Trotzdem kommt der stets etwas kehlig, aber nicht ruppig klingende Dreizylinder recht ordentlich aus den Startblöcken. Zumal das neue mit Leichtlauföl gefüllte Sechsgang-Getriebe vor allem in den kleinen Gängen prima eng gestuft ist und exakt die Gassen findet.
Lobenswert: Während andere Motörchen dieser Kategorie bei Tempo 60 im 6. Gang stottern und poltern, bleibt der Dreizylinder-Sauger selbst hier noch kultiviert und piano. Segeln kann er übrigens auch. Fährt das Auto nämlich unter 30 km/h, wird der Fahrer durch ein Symbol im Cockpit aufgefordert, den Leerlauf einzulegen und so in den Segelmodus zu wechseln. Gemacht, getan. Jetzt versorgt die Lithium-Ionen-Batterie alle elektrischen Verbraucher an Bord. So kann man entspannt bis zur nächsten roten Ampel rollen. Dann bei Grün kurz einkuppeln und der Motor springt wieder an.
Klingt gewöhnungsbedürftig, ist es auch. Doch Übung macht auch hier den Sparmeister. Ein Saubermeister ist der Kleine übrigens auch: Weil Saugrohreinspritzer rußärmere Rohemissionen produzieren erfüllt der Motor selbst ohne teuren Benzin-Partikelfilter die Abgasnorm Euro 6d. Ansonsten gefällt der kleine Herzensbrecher nach wie vor mit seiner auf Retro getrimmten Hülle, bei der ein Scintila (Funke) schon beim ersten Blick auf die Farbe überspringen dürfte. Die zum Modell-Start erhältliche "Launch Edition" kommt in "Tau Grün" daher, eine ansehnliche Lackierung mit einem Blauschimmer.
Innen ergänzen sich gekonnt das Dolce-Vita-Gefühl der 1950er Jahre und das Styling der Moderne. So bestehen die Sitzbezüge in dem Auto mit dieser Ausstattung – passend zur Nachhaltigkeitsphilosophie des gesamten Projektes – aus recyceltem Plastikfasern. Der aus der Natur eingesammelte Kunststoffabfall – meist PET – wird zur Verarbeitung als Garn erst zu Flocken zerkleinert. Im Webprozess werden die unterschiedlichen Komponenten gemischt, anschließend umweltfreundlich gefärbt und veredelt.
Fazit: Der Italo-Zwerg mit Persil-Schein und Mild-Hybrid-Technik wuselt flott und entspannt durch die Straßen. Sowohl der 500 als auch der Panda setzen mit der effizienten und gleichzeitig erschwinglichen MHEV-Technologie Maßstäbe. Der günstigste Fiat 500 Hybrid kostet in der Pop-Ausstattung ab 13.990 Euro. Das sind gerade mal 500 Euro mehr als die bisherige Variante mit 1,2-Liter-Vierzylinder. Da man neben Sprit auch noch mit günstigeren Steuern spart, könnte sich der Aufpreis bereits nach einem Jahr amortisieren, rechnet Fiat vor. Die von uns gefahrene Cabrio-Variante mit der zum Start erhältlichen Launch Edition ist ab 20.590 Euro zu haben.
Rainer Bekeschus

MäMa-Testfahrt: Fiat 500C Hybrid


Fiat 500C 1.0 GSE Hybrid Launch Edition

Motor: 1,0-Liter-Dreizylinder-Benziner, 70 PS

0 - 100 km/h: 13,8 Sek

Spitze: 167 km/h

Verbrauch: 4,1 Liter Super

CO²-Wert: 93 g/km

Kofferraum: 185 bis 550 l

Preis: ab 20.590 Euro