Ausgerechnet im Corona-Jahr, in dem Fußballfans nicht in die Stadien dürfen, verzichten FIFA und Pro Evolution Soccer auf eine wirklich neue Ausgabe des virtuellen Kicks. Stattdessen gibt’s ein Season-Update.

Update oder Vollversion

Der große Unterschied zwischen den ewigen Konkurrenten dabei: Während Konami die 21-er PES-Version tatsächlich nur als Update tituliert und zum Budget-Preis abgibt, behält EA Sports die gewohnte Nomenklatur bei und verlangt den Vollpreis. Richtig ist allerdings auch, dass die Japaner tatsächlich „nur“ in Sachen Kader und Lizenzen den Vorjahrestitel auf neuesten Stand bringen, während die Kanadier gerade bei den Spielmodi und in technischen Belangen Neuerungen bzw. Änderungen zu 2019 vorgenommen haben.

EM-2020 oder Champions-League

Wer zu PES 21 greift, weiß also genau, was er bekommt. Da wäre an erster Stelle die Lizenz für die nun ja auf 2021 verschobene Fußball EM. Damit können alle, die gern mit Nationalmannschaften kicken, auf die ursprünglich geplanten Kader zurückgreifen. Das ist insofern erwähnenswert, als dass Konami schon immer mit der Lizenz-Übermacht von FIFA zu kämpfen hatte. Neben den vielen Fantasie-Ligen und Teams gibt es also die europäische Länderelite im Auswahlbildschirm.
Dem stellt FIFA schon im Startbildschirm die Champions-League gegenüber, die man vor einiger Zeit der Konkurrenz lizenzseitig abgeluchst hatte. Darüber hinaus fehlt eigentlich nichts, was Rang und Namen im Fußball hat. Erste bis dritte Bundesliga inklusive, sogar die Bayern, die zu den wenigen PES-Clubs gehören, aber wegen deren Teilnahme am europäischen Oberhaus auch bei EA Sports mit von der Partie sind. Wie gehabt finden sich viele originale Stadien bis hin zu den Fangesängen. Auch dies ist den Konkurrenten gleich: Zuschauer befüllen, im Gegensatz zur 2020-er Wirklichkeit, die Stadien. Ein mittlerweile vollkommen ungewohntes Gefühl, Fans und Jubel anstatt der Traineranweisungen zu hören. Schon allein wegen dieser Atmosphäre dürften die Fußball-Games dieses Jahr mehr Aufmerksamkeit genießen.

Gameplay vs Lizenzen

Wie gewohnt stellt Konami das eigentliche Spiel über alles. Nicht nur, dass Knopfakrobaten ihr Talent hier voll ausleben können, auch Taktikern ist es möglich, ihr Team bis ins kleinste Detail auf eine Partie in Sachen Aufstellung und Spielerverhalten einzustellen. Der CPU unterstützt dabei insofern, als dass sich die Fähigkeitswerte der Kicker je nach gewählter Position verändern, während sie bei FIFA immer gleich bleiben. Dort hat man allerdings auch an der Realismusschraube gedreht. So darf man nunmehr dem Passempfänger eine Laufrichtung vorgeben und ist nicht auf Wohl und Wehe der Intelligenz der NPCs ausgeliefert. Gleiches gilt in der Verteidigung, wo nun deutlich mehr Gamer-Aktivität gefordert ist.

Fit für Next-Gen-Konsolen

Insgesamt aber läuft es bei PES runder, scheinen die Animationen flüssiger wie die Ballphysik echter. Die Unterschiede sind nicht riesig, wer aber, um mal bei den Bayern zu bleiben, hier und dort kickt, merkt genau diesen Unterschied. Das gilt allerdings auch für die Schiedrichter. Konamis Referees sind wahre Kartenmonster. Jede verunglückte Abwehraktion, mitunter gar Zweikämpfe in Ballbesitz und im Angriff, werden auf wundersame Weise mit einem Karton bestraft. Das ist nicht immer logisch, dafür oft ärgerlich. Im Gegenzug ist die FIFA-Grafik etwas gefälliger, nicht nur, weil schon von der Playstation 4 auch ein HDR-Signal gesendet wird. Zudem ist das Game bereits auch für die PS5 nutzbar. PES-Fans müssen da tatsächlich aufs nächste Jahr warten.

Bekannte Spielmodi

Meisterliga, Koop-Modus, Trainer-Manager-Funktion - die Spielmodi sind bei PES die bekannten und bewährten. Das gilt im Prizip auch für FIFA. Mit Volta gibt es den lockeren Straßenkick dazu, ebenso eine wirklich kurze Spielerkarriere und natürlich FIFA Ultimate Team, wo man sich anhand von Spielerkarten und Mikrotransaktionen das besten Team weltweit zusammenstellen kann. Nicht zuletzt lockt ein ausuferndes Online-Wettkampfsystem. Hier ist EA Sports stark aufgestellt und lässt auch sonst die Lizenz-Muckis spielen.

Fußball-Spiel ja nach Gusto

Am Ende ist es, wenig überraschend, so wie in den Vorjahren auch. Abhängig davon, was für den jeweiligen Gamer wichtig ist, schlägt das Pendel zugunsten des einen oder anderen Kandidaten aus. Dass das Konami Update für knapp die Hälfte des Preises von FIFA zu haben ist, könnte ein Entscheidungsargument sein. Andererseits, PES-Fans sind ohnehin eher auf die technische Seite denn auf die Lizenzen erpicht, und da ändert sich so gut wie nichts. Gleiches Bild bei der Konkurrenz. Für Vorjahres-Versions-Besitzer scheinen die Veränderungen nicht wirklich gewaltig, es sei denn, man gehört bereits zu den Glücklichen, die eine nunmehr Next-Gen-Konsole ihr Eigen nennen. Für all jene, die weder die eine noch die andere Vorjahres-Ausgabe bisher besaßen, sind beide eine gute Entscheidung, je nachdem, worauf der Spieler größeren Wert legt.