Da war es nur noch einer. Nachdem sich Konami mehr oder weniger aus dem steten Rennen um die Krone der Fußball-Sims zurückgezogen hat, bietet EA Sports mit FIFA 22 allein eine neue Version des virtuellen Kicks an. Allerdings herrscht nun eine mindestens Zwei-Klassen-Gesellschaft.

Next-Gen oder nicht - Hardware entscheidend

Wer oben oder sprich wirklich neu mitspielen darf und wer mehr oder weniger mit der Budget-Version auskommen muss, hängt ganz klar von der Hardware ab. Denn für die Next-Gen-Konsolen PS5 und XBox-Series X/S, die nach wie vor Mangelware sind, hat EA Canada das Spiel von Grund auf neu entwickelt. Mehr Spielzüge, authentischere Animationen und neue Tricks, dazu eine viel realistischere Grafik dank HyperMotion. Hier haben echte Profis im Stadion Fußball gespielt, deren Bewegungen dann digitalisiert worden sind. Ein Upgrade hat auch die Ballphysik erhalten. Ebenso die Skills der Torleute.
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Letzteres wirkt sich in allen Versionen des Games aus, also auch bei den Old-Gen-Konsolen. Neuer & Co sind nicht mehr so einfach zu übertölpeln, wie das Spiel generell langsamer und damit taktischer geworden ist. Das erinnert schon ein wenig an Pro-Evolution-Soccer-Tugenden. Kick’n’Rush gehört also nun auch bei FIFA der Vergangenheit an. Bei einem schnellen Spiel gegen den CPU und mit niedrig eingestellter Gegner-Stärke lebt zwar das geradlinige Anrennen noch einmal auf, wer aber tiefer einsteigen will, muss sich umstellen. Dazu gehört im Taktik-Menü, den Spielern spezielle Räume und Verhaltensweisen zuzuweisen. Immer mehr ist also auch der Trainer gefragt, denn der reine Spieler.

Story-Modus ade, eigener Verein olé

Apropos: Den Story-Modus hat EA gestrichen, dafür aber einen alten Bekannten mit an Bord geholt. Im Karriere-Modus kann nun wieder ein eigenes Team erstellt, inklusive Wappen und Namen und damit die jeweils nationale Liga aufgemischt werden. Sogar das Heimstadion darf man anpassen. Erweitert wurden zudem die Entwicklungsmöglichkeiten sowohl als Spieler wie auch als Trainer. Hier gibt es also reichlich Betätigung für alle, die immer weiter vorwärts wollen.

Weniger Lizenzen

Gut möglich allerdings, dass dies auch ein Zugeständnis der Entwickler an die geringere Lizenzdichte der 22-er Ausgabe ist. Anders als von EA gewohnt, sind nunmehr mitnichten alle und überall vertreten. In Europa mag das besonders bei Juve ins Auge stechen. Doch FIFA ist ein weltweites Franchise. Da wird Afrikanern und Asiaten schon auffallen, dass nur noch sehr wenige bzw. kaum Mannschaften dieser Länder direkt auswählbar sind. Zuwachs hingegen gab es bei Volta, dem munteren Straßenkick. Hier verkürzen vor allem Mini-Games die Zeit wie auch neue Features beim direkten Spiel für mehr Spaß und Anreiz sorgen. Und dann wäre da noch FUT. Karten sammeln, Teams zusammenstellen und gegen andere gewinnen, um Boni einzustreichen. Hier sind es vor allem immer wieder die Micro-Transaktionen, die die Gemüter erhitzen. Doch niemand wird gezwungen, reales Geld in der virtuellen Welt auszugeben. Wer fleißig spielt kommt auch voran, wer lieber zahlt, ebenso.

Das Ende von FIFA?

So bleibt am Ende die spannende Frage: Lohnt es sich? Die ist ebenso schwer wie auch vielschichtig zu beantworten. Wer auf den Titel FIFA im Zusammenhang mit EA Sports Wert legt, also ein Freund des Franchise ist, sollte zuschlagen. Denn dem Vernehmen nach sind sich der Publisher und die Fußball-Dachorganisation nicht geschäftseinig. So könnten die Rewooder nächstes Jahr mit einem Titel kommen, dem die zugkräftige FIFA-Lizenz fehlt. Wer eine Playstation oder XBox der neuen Generation besitzt, wird, allein schon der realistischen Grafik wegen und weil es ohnehin keine Alternative gibt, an FIFA 22 nicht vorbeikommen.

Lohnt auch für alte Konsolen

Schwierig wird’s bei allen anderen. Mehr Taktik, bessere Ballphysik, neue Angriffs- und Verteidigungsmodi bringen das Spiel ganz klar nach vorn, machen es realistischer und unterhaltsamer. Auch der Mannschaftseditor hat durchaus seinen Reiz, mit dem Dorfverein gegen die Elite-Clubs aufzulaufen. Dazu sind die Trainer/Manager-Möglichkeiten mehr als ausufernd und sorgen für Spannung. Zudem feilt EA Sports per Update weiter am Gameplay. So soll nun die KI endlich wieder selbst mehr faulen, was in der Vergangenheit fast schon Seltenheitswert hatte. Ob das alles mehr als derzeit 50 Euro für eine aufgebohrte Variante des Vorjahres Wert ist, muss indes jeder PS4/XBoxOne/PC-Spieler für sich entscheiden, sofern er die 21-er Version schon auf der Festplatte hat. Wer über diese nicht verfügt und ebenso wenig in absehbarer Zeit auf die Nex-Gen-Konsolen umsteigen will, sollte den Erwerb jedoch ernsthaft prüfen. Besser wird das Fußballspiel auf den alten Konsolen nämlich sicher nicht.

FIFA 22

Electronic Arts für
PS4, XBoxOne, PC
PS5, XBox Series X/S