Eine Serie von Bombenanschlägen erschüttert London. Verantwortlich gemacht wird von den Regierenden das Untergrundkollektiv DedSec. Und die Militärorganisation Albion beauftragt man, für Sicherheit in der Stadt zu sorgen. In der Praxis bedeutet das totale Überwachung, Repressionen und Gewalt.
Dagegen stemmt sich DedSec. Doch um den Widerstand zu organisieren braucht es Unterstützer. Jeder Londoner könnte ein potentieller Mitstreiter sein. Diese zu rekrutieren und Albion das Handwerk zu legen, ist Aufgabe des Gamers in der frei spielbaren Welt von London.

Neun Millionen Mitstreiter

Damit stehen theoretisch neun Millionen Einwohner der Themsestadt bereit, ins Team geholt zu werden. Denn auch, wenn der Gamer sich zu Beginn aus einer überschaubaren Anzahl von Charakteren den aussucht, den er gern steuern möchte, im Laufe der Handlung kommt nur wirklich vorwärts, wer die unterschiedlichen Fähigkeiten vieler Typen nutzen kann. Die stets erweiterbaren Möglichkeiten der Gruppe ersetzten, wenn man so will, den Skill- und Entwicklungsbaum, wie er vor allem aus RPGs bekannt ist. Zum „Einer wie alle“ passt zudem, dass die Waffen und Gadgets, die mit der Zeit angeschafft und ausgebaut werden, immer allen Team-Mitgliedern zur Verfügung stehen.

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Dieser tatsächlich neue Aspekt der Handlung nimmt einen wirklich großen Teil des Plots ein. Denn die Anwerbung ist nicht selten an Bedingungen geknüpft, die wiederum in Sidequests münden. Im sich immer weiter verzweigenden Baum der To-Do-Liste lässt das Game aber den Spieler nicht allein. Denn jede Zwischenaufgabe wird auch als solche im Logbuch vermerkt und in der Karte angezeigt. Natürlich ist die Auswahl der Typen nicht so riesig, wie es den Anschein macht. Vielmehr gibt es eine bestimmt Zahl von Grund-Charakteren, die sich dann eher in kleinen Details unterscheiden. Der Wechsel zwischen den einzelnen Kameraden ist - außer in Sperrbezirken - per Knopfdruck über das Menü möglich.

Paradies für Hacker

Zweites Standbein der Handlung ist das Hacken. Ob Eingangstüren, Überwachungskameras, fremde Drohnen oder gar andere Autos - je nach Fähigkeiten kann man Einfluss nehmen. Bei Kameras gar fortlaufend zur nächsten und dann wieder zur nächsten und dann, wenn gewollt, auf eine Drohne. Damit sind Handlungen möglich, die weit weg von der eigentlich Spielfigur stattfinden. Um es aber nicht zu einfach zu machen, ist bei Key-Aufgaben dann doch wieder die Anwesenheit am Objekt notwendig. Dieses Prozedere kennen wir schon aus dem Vorgänger, was bereits dort für reichlich Spannung und Unterhaltung gesorgt hat. Leider lassen sich in London nicht die Ampeln fernbedienen. Dafür können Stahlpoller und Sperrgitter hoch- oder runtergefahren werden.

Fahren, ballern, kämpfen

Neben den Watch-Dogs typischen Features gibt es dazu eine ganze Reihe, die mittlerweile bekannt sind. Die Entwickler haben sich hier reichlich am Fundus dessen bedient, was andere Games bieten. Die Art und Weise, an Fahrzeuge zu kommen, wurde vom originären „GTA“ übernommen. Das Aufrüsten von Waffen und Gadgets an den Werkbänken kennen wir aus „The Devision“. Und auch beim Kampfsystem per Faust oder Feuerwaffe greift Ubisoft auf Bewährtes zurück. Die Schleichmodi schließlich haben sich vor Jahren schon bei „Splinter Cell“ bewährt. Nicht zuletzt das Grundprinzip, Stadtteil für Stadtteil unter seine Kontrolle zu bringen, um schlussendlich London von Albion zu befreien, basiert auf Capture the Flag und damit vielen Games.

Vor allem viel Fassade

Grundsätzlich ist am Sammelsurium bekannter Vorgehensweisen nichts auszusetzen. Mitunter hätte man sich aber dann doch eine passendere Umsetzung gewünscht. So ist es problemlos in einer komplett überwachten Stadt möglich, Autos zu kapern. Und auch die rudimentären Faustkämpfe überzeugen nicht wirklich. Gegner erweisen sich, wie allzu oft, als nicht ebenbürtig. Zum Problem werden sie nur dank zahlenmäßiger Überlegenheit. Selbst das Haken wird auf Dauer etwas eintönig, da ein Knopfdruck reicht, eine Kamera zu übernehmen oder eine Datenbank zu knacken.
Ein wenig ambivalent zeigt sich auch London selbst. Zum einen ist das Areal wirklich riesig, schön gestaltet und lässt sich abwechslungsreich erkunden. Allerdings kommt der Gamer nur bis zur Fassade. In Gebäude hinein geht’s nur da, wo die Handlung das will. Selbst die Klamottenläden machen auf Straßenverkauf. Hier wird insgesamt der Neugierigkeitsdrang des Spielenden ausgebremst.

Fazit

Unterm Strich haben die Entwickler ungemein viel Energie in das Recruiting der Mitstreiter gesteckt. Wer’s darauf absieht, kann wirklich über eine lange Zeit hinweg interessante Leute kennenlernen und an seinem Team feilen. Für die Spielpraxis dann ist das aber nur noch bedingt von Nutzen. Hier hätte man sich mehr Feinarbeit bei logischen Details gewünscht, die insgesamt das Spielerlebnis realistischer gemacht hätten. So überzeugt „Watch-Dogs: Legion“ vor allem in den originären Bestandteilen, den Rest hat man schon und teils auch besser gesehen.

Watch Dogs: Legion


Erscheint für PC, PS4, Xbox One, Uplay, Google Stadia, Xbox Series X, PlayStation 5

USK 18 Jahre

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