Alle wollen gewinnen. Um so mehr, wenn es Mann gegen Mann oder besser Mensch gegen Mensch online geht. Da hohe Übertragungsraten und ausgefeilte Akustik immer mehr Standard bei Video-Games werden, kann das Gehör tatsächlich eine entscheidende Rolle spielen. Denn wer den anderen zuerst hört und ihn dann vielleicht auch noch präzise verorten kann, ist überall dort im Vorteil, wo das Überraschungsmoment entscheidend ist. Alle anderen freuen sich einfach nur über einen guten Klang beim Zocken.

Bessere Überlebenschance Dank 3-D

Den zumindest sollte man bei Headsets in der Preisklasse ab 150 Euro erwarten dürfen. Aber was können die Lauscher sonst noch bieten? Wir haben zwei neue Vertreter der Oberklasse zum Vergleichstest gebeten. Da ist zum einen das brandneue Syn Pro Air von Roccat. Das tritt an gegen die Neuauflage des JBL Quantum 800.
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Beide Hersteller setzen ganz klar auf den Vorteil guten Hörens beim Spielen. JBL fast das griffig in die Formel „Sound is survival“, frei übersetzt „wer gut hört lebt länger“. Turtle Beach, zu denen Roccat gehört, schiebt gar eine ganze US-Studie hinterher, die belegen soll, dass besseres Hören die virtuelle Überlebenschance um 20 Prozent steigert. Beide Headsets setzen deshalb auf 3-D-Sound.
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Das war’s dann aber auch schon fast mit den Gemeinsamkeiten. Denn schon der erste Auftritt rückt zwei äußerlich sehr unterschiedliche Kandidaten ins Licht. Das Quantum kommt rein optisch so edel daher, wie man das in der Preisklasse erwartet. Die Ohrmuscheln sind grau-metallisch glänzend eingefasst, die Treiber durch eine dicke Platte mit Firmenlogo geschützt. Der transparente Kopfbügel ist aus Kunststoff, wird aber, wie die Hörer selbst, von sehr weichem Kunstleder, gefüllt mit Memory-Schaum umhüllt. Ein relativ dickes und freiliegendes Kabel versorgt die Schallwandler mit den nötigen Informationen. Ganz anders beim Syn Pro Air. Hier erscheint alles einen ganzen Tick kleiner, bescheidener, kompakter. Statt Kunstleder schützt ein atmungsaktiver Textilbezug alle Teile, die mit dem Kopf in Verbindung kommen. Die Größe wird über Schieberegler direkt an den Ohrmuschel eingestellt. Auf großartig Design-Applikationen verzicht Roccat. Dennoch ist das Headset mit 390 Gramm nur 20 leichter als die - zumindest optisch - deutlich üppigere Konkurrenz.

Perfekter Sitz für lange Sessions

Und auch beim Sitz sind nicht wirklich bemerkenswerte Unterschiede festzustellen. Beide Teile lassen sich bequem und einfach auf die richtige Größe anpassen. Die Hörer sitzen ohne Druck und trotzdem fest. Das Textil ist anfänglich jedoch ein wenig gewöhnungsbedürftig im Vergleich zum butterweichen Leder. Allerdings erweist sich bei längeren Sessions gerade in schwüler Sommerhitze der Griff zum Stoff als die angenehmere Wahl. Und auch beim reinen Handling ist die vermeintlich bescheidenere Variante im Vorteil. Denn während Roccat auf jedem Hörer genau ein Einstellrad platziert, sind es bei JBL defacto vier auf der linken Seite, die zwangsläufig mit sich bringen, dass beim aufsetzen oder korrigieren ungewollt Veränderungen vorgenommen werden.

Zum Start plug&play

Womit wir beim Handling wären. Beide Headsets verwenden einen USB-A-Transmitter. Und wie schon bei den Geräten selbst, ist der von JBL ebenfalls größer als der von Roccat. In Sachen Erstverbindung ist der Betrieb denkbar einfach, plug&play, womöglich lädt sich der PC noch selbstständig Treibersoftware herunter. Über die Systemkonfiguration können die Basics für Hören und Sprechen eingestellt werden. Wer es genauer will, muss die entsprechende Software der Hersteller installieren.

Feintuning per Software

Roccat setzt auf eine neue, noch in der Beta-Phase befindliche, genannt Neon. Hier können alle Parameter eingestellt werden, inklusive Equalizer. Leider ist Neon nicht ganz so selbsterklärend wie Swarm, die bisher zum Einsatz kam und immer noch verwendet wird. Beide sind auch nicht kompatibel. Wer also andere Roccat-Produkte am Start hat, kann beispielsweise die Aimo-Beleuchtung nicht aufeinander abstimmen. Damit bewegt man sich dann auf gleichem Niveau wie JBL. Denn auch die Quantum leuchten vielfarbig an der Ohrmuscheln, aber eben allein vor sich hin. In Sachen Software hat es hier der User mit dem glatten Gegenteil zu tun. Die ist eher älteren Datums und entsprechend umständlich zu nutzen. Das Mikro-Monitoring wird da beispielsweise als „Nebenton“ bezeichnet. Da muss man erstmal drauf kommen. Auch fürs Quantum steht ein Equalizer zur Verfügung.

Eine Frage der Einstellung

Der Rest der Einstellung wird dann über die äußeren Knöpfe bzw. Räder vorgenommen. Wie erwähnt, beim Syn Pro Air gibt’s nur laut/leise auf der linken Seite und die Stärke fürs Mic-Monitoring auf der rechten. JBL hat alles nach links verlegt und geht zudem einen anderen Weg. Neben der Lautstärke darf der User die Balance zwischen Spielgeräuschen und Chat verändern, kann aber seine eigene Stimme nicht direkt anpassen. Wer allerdings auf den „Nebenton“ verzichtet, darf dann aber mit Active Noise Cancelling arbeiten, das laute Nebengeräusche herausfiltert. Der vierte Knopf schließlich ist ein wenig doppelt gemoppelt, denn er dient zum ausschalten des Mikrofons. Dies geschieht aber auch automatisch, wie ebenso bei Roccat, durch die Flip-to-Mute-Funktion. Also einfach hochklappen und fertig.

Hohe Erwartung beim Klang erfüllt

Beide Probanden setzen 50-Millimeter-Treiber ein und sind softwareseitig in der Lage, virtuellen 3-D-Sound zu erzeugen. Die Ortbarkeit ist dabei in jedem Fall sehr gut. Das Hörerlebnis ausgewogen über den menschlichen Anteil am verfügbaren Frequenzspektrum. Das Syn Pro Air glänzt zudem mit einer weiteren Ausbaustufe, genannt Superhuman Hearing. Hier werden bestimmte Spielgeräusche abgesenkt, um andere wie Schritte, Fahr- oder Ladegeräusche von Waffen besser wahrnehmen zu können. Das Quantum 800 steht da nicht wirklich hinterher, wobei es natürlich schwierig ist, solche Feinheiten direkt zu vergleichen. Im reinen Stereo-Betrieb machte es einen etwas kompakteren Eindruck, vor allem bei Videoclips, wo das Roccat versuchte, Raumklang zu erzeugen, der nicht da war. Insgesamt aber gibt es in Sachen Sound beim Videospiel nichts zu meckern. Hier erfüllen beide die doch hohen Ansprüche an die Preisklasse.

Auf für Meetings geeignet

Doch Headsets werden mittlerweile ja nicht ausschließlich fürs Gaming verwendet. Gerade in jüngerer Vergangenheit kamen sie im Home Office für Videokonferenzen zum Einsatz. Klare Sprache verstehen und übermitteln stehen dabei im Focus. Sowohl Syn Pro Air wie auch Quantum 800 sind hier bestens geeignet. Schnell die Wahrnehmung der eigenen Stimme verändern zu können bevorteilt allerdings die Roccat-Lauscher. Bei beiden lässt sich wie erwähnt das Mikrofon einklappen, aber auch dank hohe Flexibilität in die richtige Position zum Mund bringen. Beim Syn Pro Air ist es gar abnehmbar. Und das ist insofern interessant, als dass das bei JBL nicht geht.

Headset und Kopfhörer in einem

Kurios insofern, weil der Einsatzbereich des Quantum deutlich weiter gefasst ist. Denn neben der Dongle-Verbindung kann es gleichzeitig mit einem anderen Gerät per Bluetooth gekoppelt werden und ist auch als Kopfhörer für unterwegs gedacht. Das ist ziemlich cool. Und auch die Hi-Res-Audio-Zertifizierung empfiehlt das Headset als Kopfhörer für Music-Aficionados. Gerade da hätte man erwarten können, dass das Mirkrofon irgendwo sicher verstaut wird, wenn man in Bus/Bahn/Flugzeug einfach mal lauschen will. Und noch eine weitere Option besteht. Denn durch den 3,5-mm-Klinkenanschluss ist der JBL-Hörer mit allem kompatibel, das diesen Audioausgang nutzt. Also auch alle Konsolen über deren Controller. Roccat verzichtet darauf und so bleibt die Konnektivität auf den PC und die PS5 beschränkt.

Ausdauer und mehr

Last but not least die Akkufrage. 14 Stunde ohne RGB-Beleuchtung gibt JBL an. Bei Roccat sind es satte sechs Stunden mehr. Das ist mal eine Ansage. Zudem lässt sich das Syn Pro Air auch bei der Nutzung über den USB-C-Anschluss aufladen. Wenn dort ein Kabel eingesteckt ist, verweigert dagegen das Quantum 800 komplett den Dienst. Nicht, dass es lebenswichtig wäre, mehr als 14 Stunden durchzuzocken, aber wer nicht genau in die Bedienungsanleitung schaut, könnte etwas verwirrt sein, dass sich das Headset bei der Erstaufladung nicht einschalten lässt. Das dürfte so ziemlich einmalig in dieser Gerätekategorie sein.

Test-Fazit

Am Ende gibt es keine Verlierer. Beide Gaming-Headsets setzen auf 3-D-Sound und meistern die Aufgabe sehr gut. Das Syn Pro Air ist etwas einfacher ausgestattet und lässt sich unkomplizierter bedienen. Dafür bietet es weniger Features und Anschlussmöglichkeiten. Für knapp 30 Euro mehr bekommt der User daher beim Quantum 800 echten Mehrwert. Die Frage ist also, was braucht man, was will man.

Roccat Syn Pro Air / JBL Quantum 800

Typ: Headset mit einklappbaren Mikro
Gewicht (g): 390 / 410
Ausführung: Textil-Schaum / Kunstleder-Schaum
Treiber (mm): 50 / 50
Konnektivität: USB-Dongle / USB-Dongle, Bluetooth, 3,5-mm Klinke
Besonderheiten: Mikro abnehmbar / Active Noice Cancelling
Akku (h): 20 / 14
Preis (ca.): 150 / 180
Website: Roccat / JBL