Logitech nennt sie Creator, jene Mitmenschen, die sich über Videos auf verschiedenen Plattformen im Netz definieren. Gemeint sind aber nicht jene, die einfach mit dem Smartphone draufhalten, sondern die, denen auch Qualität und Flexibilität wichtig ist. Für die haben die Schweizer nun die StreamCam im Portfolio. Die fällt zuerst einmal auf, weil sie optisch deutlich erwachsener daherkommt als die Masse der Webcams. Nicht nur im Aussehen dem Objektiv einer TV-Kamera angelehnt, sondern auch mit 150 Gramm kein Leichtgewicht. Fest montiert ist ein 1,5 Meter langes Kabel, das in einem USB-C-Stecker mündet und damit iPhone-Besitzer sowie solche älterer Laptops oder PCs vor eine Herausforderung stellt. Letzteren zumindest ist mit einem preisgünstigen Adapter geholfen, der allerdings nicht dem Package beiliegt. Dazu gibt es eine Stativ-Aufnahmegabel sowie die Möglichkeit, die StreamCam hoch- oder querformatig einzusetzen. Denn diese Entscheidung wird nicht via Software gelöst, sondern über die Optik.

Mit Capture zu perfekten Aufnahmen

Apropos: Logitech hat ein Full-HD Glasobjektiv mit Blende f/2.0 und einer Brennweite von 3,7 mm verarbeitet. Den restlichen Platz hinter der textilen Frontblende belegen zwei Mikrofone, die auf Wunsch im Stereo- oder Dual-Mono-Modus arbeiten. Auch wenn die Kamera von den gängigen Applikationen als solche erkannt wird, richtig nutzen kann man sie erst über die eigene Bedienoberfläche "Capture". Schnell installiert lassen sich hier alle notwendigen und gewollten Parameter einstellen. Da wären die wichtigen wie Format und Auflösung sowie Bildwiederholrate. Von 360p bis Full HD kann die Cam aufnehmen und das in den üblichen Schritten von 24 bis 60 fps. Formatseitig stehen Landscape, Porträt oder Square zur Verfügung, je nachdem, wo das Video ausgespielt werden soll. Dazu lassen sich eigene Untertitel erstellen, deren Ausrichtung, Darstellungszeit, Farbe und Schriftart in verschiedenen Variationen wählbar sind. Wer’s etwas mehr crazy möchte, kann dazu aus einem halben Dutzend Filtern wählen - naja, eher Spielerei.

Zwei Quellen, ein Video

Mehr Sinn machen da unter Umständen die frei konfigurierbaren Rahmen. Denn Capture bietet die Möglichkeit, zwei Quellen zugleich in einem Video darzustellen. Entweder als PiP oder PoP. Da könnte eine deutlichere Abgrenzung von Nutzen sein. Zur Wahl steht dabei neben der StreamCam eine zweite, die das Geschehen aus einem anderen Blickwinkel zeigt oder ein auf dem Desktop geöffnetes Programm. Das eröffnet in Sachen Video-Inhalt schier unendliche Möglichkeiten. Ob Lehrfilme zu bestimmten Programm-Anwendungen oder das Game auf dem Screen und die Tastatur-Belegung im Focus, hier können sich Creators wirklich austoben. Im PiP-Modus darf die Größe des kleineren Rahmens individuell angepasst und dieser selbst frei auf der Fläche platziert werden. Das alles ist sehr intuitiv umgesetzt und funktioniert hervorragend. Gleiches gilt für die Tastatur-Steuerung der Aufnahmen. Die entsprechenden Shortcuts listet das Programm auf und sie funktionieren auch, wenn andere Programme - z.B. zweite Quelle - Capture überlagern. Lediglich wer auf den Bildschirm-Countdown vor dem Rotlicht, das hier eher Weiß ist, nicht verzichten will, muss das Fenster dann wegklicken um klare Sicht zu haben.

Bild individuell anpassbar

Darüber hinaus bietet die Software noch reichlich vor allem bildliche Einstellmöglichkeiten. Autofokus, Gegenlichtkorrektur, Weißabgleich bis hin zu detaillierten Parametern wie Kontrast, Farbsättigung usw. Zudem arbeitet die Cam mit Autofokus und Autoframing. Letzteres sorgt dafür, dass man selbst immer möglichst im Zentrum der Aufnahme erscheint, kleine Wackler also die Software korrigiert. Fortgeschrittene dürfen dann auch auf Cromo-Key-Features zurückgreifen, die weitere Möglichkeiten in der Hintergrundgestaltung ermöglichen.
Capture und StreamingCam können also allerhand. Aber nicht alles. Eine Möglichkeit des direkten Streams findet sich, trotz des Begriffs im Namen, nicht. Es lassen sich zwar Screen-Shots und Video direkt aus dem Programm heraus vom Speicherort aufrufen. Für den Export des Ganzen dann muss allerdings ein andere Software bemüht werden. Und auch für den Videoschnitt oder die nachträgliche Bildbearbeitung fühlt sich Logitech in diesem Falle nicht verantwortlich.
Die StreamCam bietet glasklare und farbig satte Bilder und arbeitet auch bei höchster Auflösung und 60 fps ohne Probleme. Die Einstellmöglichkeiten sind enorm, die Anwendungsbreite nicht weniger. Dazu ist die Kamera echtes plug&play, braucht aber Windows 10 oder Mac OS 10.14, um erkennt zu werden. Die mehrfach faltbare Befestigungsklemme sorgt für schnellen und sicheren Halt an allen Monitoren, on top gibt eine Stativhalterung dazu. Das alles lassen sich die Schweizer gut bezahlen, denn mit rund 150 Euro ist die StreamCam kein Schnäppchen, bietet aber für den Preis auch ordentlich Leistung.
https://www.logitech.com/de-de/product/streamcam