Deutschland macht sich locker. Und demnächst dürfte auch das Wetter wieder mitspielen. Mehr Zeit für draußen. Damit die eigene Lieblingsmusik nicht zu Hause bleiben muss, startet JBL einen neuen Anlauf, sich mit InEar-Kopfhörern beliebt zu machen.

Alles für den perfekten Sitz

Verzichteten die Amis bisher auf die immer weiter um sich greifende und einst von Apple eingeführte Bauform mit möglichst kleinem und kompakten Körper und den nach unten verlaufenden Stegen, unterwerfen sich die neuen Live Pro+ nun auch diesem Design. Allerdings kommen sie damit den AirPods nicht nur in Sachen Aussehen gefährlich nahe, sondern vor allem auch beim Klang.
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Voraussetzung für einen guten ist vor allem der richtige Sitz der Stöpsel. Denn viele Praxistests haben bewiesen, dass der beste Schallwandler nichts taugt, wenn er zu lose im Ohr verweilt und die Töne somit nicht wie gewollt in den Gehörgang kommen. JBL geht da gleich doppelt auf Nummer sicher. Denn auch, wenn bei zehn Gramm einem das Wort Schwerpunkt nicht so wirklich über die Lippen kommen will, die Konzentration der Masse im kompakten Gehäuse sorgt schon von Hause aus für sicheren Sitz. Verbessert wird der durch verschiedene Silikonpolster bzw. Ohraufsätze. Und zu guter Letzt gibt es über die „Headphones App“ noch ein Testprogramm, ob die Stöpsel richtig im Ohr sitzen und entsprechend klingen.

App-gefahren

Apropos App. Manchem mag die Konfiguration über eine Applikation zu umständlich erscheinen. Hier aber gibt’s echten Mehrwert. So können einerseits die Gesten für die Steuerung komplett angepasst und der Sound justiert werden. JBL stellt dafür einen Zehn-Band-Equalizer zur Verfügung, mit dessen Hilfe die Frequenzen zwischen 32 Hz und 16 KHz frei konfiguriert werden können. So muss man nicht den Vorgaben Jazz, Gespräch oder Stimme folgen und stellt den Sound so ein, wie es den eigenen Hörgewohnheiten am besten entspricht. Alle, die das zum ersten Mal machen, bekommen entsprechende Hilfestellung.

Kaum Geräusche, wenn gewollt

Die gibt es auch für die verschiedenen Betriebsmodi der InEars, die mit adaptivem Noise-Cancelling ausgestattet sind. Eines der drei verbauten Mikrofone sorgt dafür, dass Umgebungsgeräusch mit einem entsprechenden Gegenschall eleminiert werden können. Hier erlaubt die App wiederum das Feintuning. Und Gleiches wiederholt sich dann bei der Umgebungsgeräuschkontrolle, also, dass gewisse Geräusche teilweise oder ganz hereingelassen werden, um beispielsweise Gespräche zu führen, ohne die Hörer aus dem Ohr zu nehmen. Generell funktioniert dies alles sehr gut in der Praxis, wobei man wissen muss, dass das ANC für einen leichten Verlust an Höhen sorgt. Wer gerade auf diese Wert legt, muss ausprobieren, ob sich via Equalizer etwas kompensieren lässt.

Super Klang, individuell anpassbar

Denn es wäre zu schade, beim Sound Kompromisse eingehen zu müssen. Nicht nur, weil die JBL-Ingenieure ziemlich viel investiert haben, um hier ein möglichst hohes Niveau zu erreichen. Für die Schallwandlung setzen sie einen Elf-Millimeter-Treiber ein und dürften damit fast am oberen Limit des Machbaren sein. Der Frequenzgang deckt mit 20 Hz bis 20 KHz den üblichen Bereich ab, wobei die Werte am Anfang und am Ende der Skala eher theoretischer Natur sind und teils außerhalb des menschlichen Hörbereiches liegen. Gleichwohl klingen die Live Pro+ sehr detailliert und ausgewogen, entwickeln eine breite Bühne und lassen genügend Platz für Feinheiten - sofern die Umgebungsgeräusche das zulassen. Klanglich legen die Amerikaner hier die Messlatte nach ganz weit oben. Und ehrlich, man merkt, dass JBL über eine lange Tradition im Lautsprecherbau verfügt. Zusammen mit der - nach einigen Versuchen - perfekten Passform spielen die InEars hörtechnisch ganz vorn mit, sind in ihrer Klasse je nach Gusto vielleicht gar der Primus. Und da reden wir von den AirPodsPro oder den Galaxy Buds Pro als Konkurrenten.

Tolle Features on top

Wer die Spitze aufmischen will braucht aber mehr als tollen Klang. Und auch da lässt sich JBL nicht lumpen. Alexa und Google Assistant sind mit an Bord, ebenso eine IPX4-Zertifizierung und damit der Spritzwasser- und Schweiß-Schutz. Geladen wird per USB-C oder induktiv und der Saft reicht inklusive Ladebox für über 30 Stunden. Die Lauscher sind gar mit einer Schnellladefunktion ausgestattet. Fünf Minuten in der Box verlängern das Leben um eine Stunde. Alle aktuellen Bluetooth-Standards sind vorhanden. Und, einmal gepairt, verbinden sich die Live Pro+ im Expresstempo, auch einzeln mit der Quelle, wenn gewollt. Nicht zuletzt verhindert die etwas angeraute Oberfläche von Schale und Hörer, dass die kleinen Dinger durch die Finger rutschen. Und sollten sie einmal unauffindbar sein, gibt’s eine Suche-Funktion über die App on top.

Bedienung Geschmackssache

Nichts zu meckern also? Naja, fast. Denn wie auch bei der Konkurrenz ist die Gesten- oder Wischsteuerung Segen und Fluch zugleich. Fast universell programmierbar ergibt sich eine intuitive Bedienung der InEars. Auf Grund der ultrakompakten Bauweise allerdings ist es fast unvermeidbar, dass man beim einsetzen oder zurechtrücken der Hörer die Schaltflächen berührt, was dann mitunter zu ungewollten Bedienreaktionen führt. Die Oldschool-Drückmethode wäre da, vor allem in Zeiten, in denen ständig an irgendwelchen Masken rumgezerrt wird, die fehlertolerantere gewesen.

Nicht billig, aber das Geld wert

Alles in allem aber ein überaus gelungener Auftritt. Technische Ausstattung, Soundqualität und App sind hervorragend. Die Akkulaufzeit mehr als ausreichend und das Bedienkonzept sehr durchdacht, mal abgesehen von versehentlichen Fehleingaben. Mit deutlich unter 200 Euro sind die Live Pro+ zwar weit weg von billig, aber um einiges günstiger zu haben als die vergleichbare Konkurrenz von Apple oder Samsung. Wer hier, auch mit Hinblick auf sein Smartphone, nicht markentreu bleiben will oder muss, hat mit den JBL InEars eine sehr lohnenswerte Alternative zur Auswahl.

JBL Live Pro+

Bauart: InEar

Frequenzgang: 20Hz bis 20 kHz

Treiber: 11 Millimeter

Impedanz: 16 Ohm

Mikrofone: 3

Bluetooth: 5.0

Schutzklasse: IPX4

Preis: 179 Euro

JBL-Website