Weil die bisherige coupéhafte Karosserie, mit der weit vorgezogenen Windschutzscheibe und der kraftvollen Schulterlinie auch nach vier Jahren durchaus flott und ansehnlich wie ein Glencheck-Anzug wirkt, entschieden sich die Kreativen nur für marginale Änderungen am Blechkleid wie einer etwas bulliger wirkenden Frontschürze und Details am Kühlergrill wie der schmalen Chromspange, die vom Insignia übernommen wurde. Es bleibt bei den scharfen Bügelfalten rundum. Leicht modifiziert zeigen sich die spitz zulaufenden Scheinwerfer, welche nahtlos an den Grill anschließen. Hinzu kommen Änderungen am Wagenboden, die die Aerodynamik auf den erwähnenswerten cW-Wert von 0,26 bringen.
Etwas mehr umgekrempelt wurde hingegen der Innenraum, wo es wie bisher ein manierliches Platzangebot gibt. Die Sitze sind im Astra eigentlich so schon ausgesprochen passgerecht. Noch einen drauf setzen indes die aufpreispflichtigen AGR-Sitze. Das gut geformte Gestühl lässt manches Wohnzimmer-Fauteuil wie ungepolsterte Sitzschalen erscheinen und bietet neuerdings auch Lüftungs- und Massagefunktionen. Auffällig beim Cockpit sind die nun teilweise digitalisierten und so besser ablesbaren Instrumente. Einzig Drehzahl, Tankstand und Wassertemperatur bleiben analog. Aus dem Insignia stammt auch das neue Top-Infotainment "Multimedia Navi Pro" das auf dem schon bekannten 8 Zoll großen Touchscreen, welcher rechts neben den großen Rundinstrumenten unter der tribünendachartigen Blende ruht, genutzt werden kann. Neu zu haben ist auch eine beheizbare Frontscheibe und das kabellose Laden von Smartphones (beides zum Aufpreis).
Minus: Obwohl es eine elektronische Feststellbremse gibt, die eigentlich für Platz sorgt, hat der Astra vorn nur einen Cupholder. Und wenn wir schon mal nörgeln: Auch die schlechte Übersichtlichkeit und die nicht gerade bequeme Rückbank sind geblieben und missfallen nach wie vor. Ansonsten fühlt sich alles durch die feinere Gestaltung noch hochwertiger an und hebt das Interieur auf eine neue Ebene.
Letztere zog auch bei der Motorenpalette ein, die deutlich gestrafft wurde und sämtlichst Eigenentwicklungen von Opel sind, also nicht von PSA stammen. Auf Vierzylinder wird komplett verzichtet. Im Portfolio sind nur noch Dreizylinder. Als Benziner fungieren ein 1,2-Liter-Turbo mit 110, 130 oder 145 PS, und ein 1.4erTurbo mit 145 PS und stufenloser Automatik. Für die Diesel-Fraktion hält Opel statt der bisherigen Motoren mit 1,6 Liter Hubraum nun einen 1.5er Ölbrenner mit 105 oder 122 PS bereit. Letzterer ist auf Wunsch auch mit einer neunstufigen Automatik (2.400 Euro Aufpreis) zu haben. Klingt alles nicht gerade nach Fahrspaß und Sportlichkeit, gab es doch bislang Motoren bis 200 PS.
Ein Bummler ist der Astra mit den Dreizylindern dennoch nicht, hört doch bei allen Modellen die Tachonadel erst jenseits der 200 km/h auf zu wandern. Wir haben den Diesel mit Neun-Gang-Automatik ausprobiert. Der 1.5er-Ölbrenner schiebt den Opel ausreichend kraftvoll an, geht stets druckvoll zur Sache. Dreizylinder-Vibrationen und harte Diesel-Takte krabbeln nur beim Kaltstart durch das Auto. Die andächtige Ausfahrt über Land macht sofort Spaß. Die knapp 1,4 Tonnen Gewicht lassen den Antrieb nie träge werden, 285 Newtonmeter sprechen für sich. Die Power reicht, um den Astra in 10,9 Sekunden auf Tempo 100 zu schieben, 205 km/h Spitze sind drin. Uns gefiel zudem, dass der Tankwart uns nur selten zu sehen bekam. Reicht doch der 48-Liter-Tank für mehr als 1.000 Kilometer.
Auch Fahrwerk wie Handling sorgen für positive Aha-Effekte. Unartigkeiten wie Durchschlagen, Wippen oder Wanken sind dem Astra dank neuer Stoßdämpfer fast gänzlich fremd. Wellige Straßenbeläge glättet er sogar weit besser als mancher Konkurrent. Einzig fiese Wellen werden nicht ganz so klaglos verdaut. Der Fronttriebler verliert quasi nie die Bodenhaftung. Geradezu gierig zieht sich der Kompakte durch die Kurven, pflegt auch in engen Kehren noch den aufrechten Gang. Nur auf Landstraßen mit absolut schlechtem Pflaster schüttelt sich der Astra kurzzeitig wie ein nasser Pudel. Das sei ihm verziehen, macht der Kompakte doch insgesamt allerlei Späße locker mit. Auch sonst schien uns alles perfekt: So soll sich eine Lenkung anfühlen, so soll ein Automatik-Getriebe schalten.
Für die Sicherheit hält der Astra reichlich elektronische Helferlein und Assistenzsysteme bereit. Dazu gehört u. a. vorn eine leistungsfähigere Kamera. Sie erfasst jetzt neben Fahrzeugen auch Radfahrer und Fußgänger. Schärfer sind auch die Bilder der Rückfahrkamera.
Fazit: Das neue "Opel-Blitzlicht" ist nun auf den meisten Gebieten mit der Konkurrenz auf Augenhöhe, auf manchen sogar drüber.
Rainer Bekeschus

MäMa-Testfahrt: Facegelifteter Opel Astra


Opel Astra 1.5 Diesel

Motor: 1,5-Liter-Dreizylinder-TD, 122 PS, Neungang-Automatik, Frontantrieb

0 - 100 km/h: 10,9 Sek.

Spitze: 205 km/h

Verbrauch: 4,2 Liter Diesel

CO²-Wert: 130 g/km

Kofferraum: 370 bis 1.210 l

Preis: ab 29.145 Euro