Das aus dem Regal des VW-Konzerns stammende Vierzylinder-Aggregat mit einem halben Liter mehr Hubraum kombiniert gekonnt Leistung mit Sparen, weil die im Normalo-Zustand mit viel Temperament agierenden vier Pötte (250 Nm) bei geringer Last (u. a. bei sanftem Gleiten) die Zylinder Nummer zwei und drei eine Pause machen lassen, um etwas Kraftstoff und Emissionen zu sparen. In der Praxis funktioniert die nicht deaktivierbare Zylinderabschaltung nahezu unmerklich, zumal der Motor auch als Duett-Variante noch mit ordentlicher Laufkultur und Akustik glänzt.
Und taugt die Technik auch zum Sparen? Laut WLTP-Verbrauch durchaus, da gibt Skoda 5,0 Liter an. Bei ersten Tests waren es bei mir indes anfangs doch einige Tröpfchen mehr (6,1 Liter) als vermutet, was allerdings stark vom eigenen Fahrstil abhängt. Beispielsweise wenn man hier und da den 150 Pferdchen die Sporen gibt, dem Aggregat hohe Drehzahlen gönnt und ständig die 250 Nm des Kamiq abruft. Es geht aber auch anders: Mein Kollege, der das Gaspedal quasi nur streichelte, nicht zu faul war die sechs Gänge zu schalten und tatsächlich erstaunlich energiesparend fuhr, erreichte letztlich beim Durchschnittsverbrauch beinahe eine Vier vor dem Komma. Hilfreich für derlei Knauserfahrten mit gebremstem Schaum ist auch die Eco-Einstellung des vier verschiedene Varianten umfassende Fahrprofil-Pakets (150 Euro Extra).
Für Dynamiker gibt es die Stellung "Sport". Wählt der Fahrer "Individuell" so reagiert die Technik speziell auf die jeweiligen Bedürfnisse. Und bei "Normal" präsentiert sich der Kamiq auf der Straße etwas komfortbetonter. Doch auch bereits ohne dieses Paket werden, was den Fahrkomfort betrifft, Straßenquerelen nur sanft durchgereicht. Ist doch das Fahrwerk erstaunlich schluckwillig und steckt zumindest kleine Unebenheiten locker weg. Dazu tragen vorn wie hinten neben den längeren Federn auch neue, stärkere hydraulische Stoßdämpfer bei.
Und was gibt’s zum Design und dem Innenraum zu sagen? Zwar haben die Designer am Kamiq die Muskeln genau an den richtigen Stellen platziert, wodurch die Form durchaus energiegeladen wirkt. Insgesamt wirkt das Auto aber trotz seiner aparten Eleganz insgesamt nicht auffällig eigenständig, sondern ähnelt seinen beiden dem Zeitgeist angepassten größeren Brüdern Karoq und Kodiaq. Auffällig sind vorn die geteilten LED-Frontscheinwerfer mit obenliegendem Tagfahrlicht.
Beim Interieur wurden rundum edle Oberflächen verwendet, hier und da Alu- und Chrom-Look. Und Platz ist dank des großzügig bemessenen Radstands von 2,65 Metern auf den gut geformten Sitzen wie im Salon – besonders hinten. Auch Stauraum ist genug vorhanden. Allein für Ablagen sind es umgerechnet 26 Liter. Selbst links unterhalb des Lenkrads befindet sich ein ausziehbares Fach für Kleinkram. Und hinter den Rücksitzen lassen sich im Gepäckabteil ordentliche 400 bis 1.395 Liter bunkern. Selbst die Zuladung ist mit 568 Kilo top. Das Bedienkonzept folgt einem klassischen Touchscreen-Schema auf einem 16,5 Zentimeter großen Bildschirm, ergänzt durch Tasten in der Mittelkonsole und am handfesten Dreispeichen-Lenkrad. Und das Virtual Cockpit hinter dem Lenkrad bietet verschiedene Layouts nach Wahl. In höherwertigen Ausstattungen lässt sich der Kamiq optional vielfältig individuell konfigurieren, beispielsweise mit einer Ambientebeleuchtung in Weiß, Rot oder kupferfarben.
Pfiffig sind zudem die mehr als 20 Simply-Clever-Lösungen, die wir teilweise bereits aus anderen Skoda-Modellen kennen. So gibt es eine Taschenlampe im Kofferraum, den im Tankdeckel integrierten Eiskratzer, einen Trichter für das Wischwasser, eine Regenschirmablage inkl. Schirm in den vorderen Türen und als weiteres Aha-Erlebnis einen Türkantenschutz. Beim Öffnen der Türen fährt vorn wie hinten an den Außenkanten der Türen stets eine Gummileiste selbsttätig aus und verhindert so Schrammen beim Kontakt mit der Garagenwand oder einem danebenstehenden Auto. Beim Schließen der Tür klappt die Leiste von selbst wieder ein. Letzterer kostet 150 Euro Aufpreis.
Der von uns gefahrene Vierzylinder-Benziner, der laut Skoda in Deutschland rund die Hälfte der Kamiq-Verkäufe ausmachen soll, kommt bereits mit der umfangreich ausgestatteten Ausstattung Ambition und kostet ab 24.300 Euro. Gegen Aufpreis (1800 Euro) ist ein Sieben-Gang-DSG für die Kraftübertragung erhältlich. Demnächst wird die Antriebspalette noch mit einer Erdgas-Variante (90-PS-Dreizylinder, 1,0-l-G-Tec) ergänzt.
Rainer Bekeschus

MäMa-Testfahrt: Skoda Kamiq 1.5 TSI


Skoda Kamiq 1.5 TSI

Motor: 1,5-Liter-Vierzylinder-TSI, 150 PS, Sechsgang-Getriebe

0 - 100 km/h: 8,3 Sekunden

Spitze: 213 km/h

Verbrauch: 4,9 Liter Super

CO²-Wert: 110 g/km

Kofferraum: 400 bis 1395 l

Preis: ab 24.3000 Euro