Was haben Amazon, Apple und Google gemeinsam? Thread. Das soll die Zukunft des IP-basierten Smarthomes sein. Ein Verbindungsstandard, der Endgeräte verschiedener Hersteller miteinander kommunizieren lässt, ebenso einfach wie auch schnell.

Jede Lebens-Situation im richtigen Licht

Trotz der vielen großen Namen - auch Samsung, LG, Belkin oder Siemens gehören dazu, das komplette Spektrum eines vernetzen Haushalts decken Thread fähige Geräte noch nicht ab. Nanoleaf steuert die ersten Leuchtmittel bei und nennt diese daher auch selbstbewusst „Essentials“. Das Notwendige oder Wichtige, das sind in den Augen des Technologie- und IoT-Unternehmens die A19 Bulb sowie der Lightstrip. Diese sollen die eigenen Räume lichtseitig der jeweiligen Nutzungssituation anpassen. Fast so, als hätten die Entwickler eine Situation vorausgesehen, in der die Wohnung Büro, Schule und Freizeiteinrichtung in einem wird.
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Die A19 ist, was früher eine Glühbirne genannt wurde. Passt auf ein E27-Gewinde und ist in den Ausmaßen Durchschnitt der Leuchtmittel, die bei den meisten für Helligkeit in der guten Stube sorgen. Lediglich die Formgebung der Oberfläche - vergleichbar mit der Dimple-Architektur eines Golfballes - erregt dann doch Aufsehen. Ob das Wabendesign nur ein Gag ist oder funktionell, lässt sich nicht wirklich klären. Mit durchschnittlich 806 und in der Spitze 1100 Lumen gilt die smarte Leuchte das Äquivalent einer 60-Watt-Birne. Auf satte 2000 Lumen bringen es die 42 LEDs beim Zwei-Meter-Starter-Kit des Lightstrips. Der zieht dann allerdings auch 23 Watt aus der Steckdose, bei der Bulp sind es gerade mal neun. Beide bedienen das Spektrum von 2700 bis 6500 K bei der Farbtemperatur und stellen über 16 Millionen Weiß- und Farbtöne dar. Eingerichtet wird wahlweise über die Nanoleaf eigene App oder über Apples HomeKit. Während für notwendige Firmware-Updates noch die originäre Applikation benötigt wird, ist für die weitere Steuerung nicht einmal mehr ein iPhone oder ähnliches vonnöten. Thread macht’s möglich.

Jedes Gerät wird zum Router

Anders als bei der Konkurrenz von Philips Hue beispielsweise, basiert der neue Standard nicht auf einer Bridge, also Basistation, von der aus alle Geräte angesteuert werden. Im Thread-Netzwerk fungiert jedes einzelne Gerät als Router, kommuniziert also direkt mit dem jeweils anderen ohne Umweg über eine Zentrale. Und erweitert so ganz nebenbei auch noch die Reichweite des Gesamtnetzwerkes. Daraus resultieren zwei große Vorteile. Zum einen ist die direkte Kommunikation die deutlich schnellere als im Vergleich zu Bluetooth. Zudem ist man nicht auf einen Hersteller festgelegt.

Licht gehorcht aufs Wort

Freilich, es gibt einen Punkt, an dem das smarte Netzwerk mit der Außenwelt und dem Internet verbunden werden muss. Dem Homepod-Mini von Apple kommt derzeit als einzigem die Funktion des sogenannten Borderrouters zu. Und der gehorcht aufs Wort. Für die Essentials bedeutet das, das man denen bei der Einrichtung nur einen Namen zuordnet, wenn gewollt auch Farbszenen hinterlegt und dann alles per Sprachbefehl auslöst. Das geht weit über „Licht an“ oder „Licht aus“ hinaus. Da Bulp wie auch Strip stufenlos dimmbar sind, kann man dem kleinen Apfel auch Prozentzahlen und Farbschemata zuraunen, gern kombiniert, also Schreibtisch 50 Prozent und Bett Sonnenuntergang. Die Ausführung erfolgt mit kaum merkbarer Verzögerung, ganz anders als bei den Konkurrenz-Systemen. Leuchtmittel und Homepod-Mini müssen sich dabei nicht in Sichtweite befinden. Allerdings quittiert Siri die Ausführung in anderen Räumen stets mit einem „Ok, Licht aus“ oder ähnlichem. Das nervt manchen, eine Möglichkeit, dies zu deaktivieren gibt es aber derzeit (noch) nicht.

Fast unendliche Möglichkeiten

Wie gewohnt können sowohl über die eigene App wie auch über Apple Home Automatisierungen eingeplant werden: Wann und wo das Licht an oder aus gehen, welche Farbe es haben oder ob Kombinationen - Szenen - wiedergegeben werden sollen. Die Möglichkeiten sind nahezu grenzenlos. Das trifft fast auch auf die Anzahl der Geräte zu, die man via Thread koppeln kann. Und das Beste ist, sie müssen nicht von einem Hersteller sein, man braucht keine Bridge und ist somit maximal flexibel.

Maximal flexible Anwendung

Bulp und Lightstrip passen da hervorragend hinein. Der Vollständigkeit sei erwähnt, dass die Sprachsteuerung auch über Google Assistant funktioniert, allerdings noch ohne die Thread-Vorteile. Zudem überzeugen sie nicht nur durch die einfache Bedienung. Abseits der Zahlen ist die Lichtausbeute sehr gut, die Abstufung beim Dimmen sehr präzise, die Reaktionszeit kurz. Die Leuchtleiste lässt sich dazu in Meterabständen erweitern, erst ab zehn geht das zu Lasten der Leuchtleistung. Damit eröffnen sich völlig neue Möglichkeiten in Sachen Innenraum-Design über das Licht. Noch dazu, ohne Wände oder Decken anbohren oder umbauen zu müssen. Und last but not least, im Vergleich zur holländischen Konkurrenz sind die Kanadier deutlich günstiger.

Nanoleaf Essentail

Farbtemperatur: 2700 bis 6500 K

Farben: mehr als 16 Millionen

Helligkeit: 806 Lumen (Bulp), 2000 (Strip)

Stromverbrauch: 9 W (Bulp), 23 W (Strip)

Lebensdauer: 25000 Stunden

App-Steuerung: Nanoleaf für iOS/Android

Sprachkontrolle: Apple HomeKit; Google Assistant

Kommunikation: Thread (Apple); Bluetooth

Preis: ca. 20 Euro (Bulp); ca. 50 Euro (Strip)

Nanoleaf Website