Mit Amazfit hat sich auf dem Markt der Wearables und der Gesundheitsüberwachung eine Marke etabliert, die über die bekannten Systemgrenzen hinaus operiert. Android oder iOS spielen bei der Wahl der Gadgets keine Rolle. Das gilt natürlich auch für die neue Generation der Smartwaches. Die mittlerweile dritte.

Klassische Uhr, nur smart

Freunde klassischen Uhrendesigns dürfen sich über Zuwachs im smarten Bereich freuen. Denn mit der GT3 und der GT3 Pro bringen die Chinesen erneut runde Modelle heraus. Dazu gibt’s eine auf Zwei Uhr platzierte dreh- und drückbare Krone mit gefräster Oberfläche, die sehr an das erinnert, was im Bereich der Chronographen üblich ist. Ergänzt wird dieses Aussehen durch einen Drücker bei der Vier. Und nicht zuletzt steckt die Technik der neuen Modelle in einem Body aus einer Flugzeugaluminium-Legierung, an den die Stege ohne sichtbaren Übergang anschließen. Das Ganze bringt dann gerade mal 32 Gramm auf die Waage.
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Zu sehen ist von Beschriebenem allerdings nicht allzu viel. Denn bei einem Screen-to-Body-Verhältnis von 70,6 bzw. 66 (GT3) dominiert das gehärtete Glas des AMOLED-Displays. Mit 331 ppi und einer Größe von 1,45 Zoll gehört es zu den Großen unter den Runden und bietet eine wirklich hervorragende Ablesbarkeit. Möglich sind so durchaus verspielte Watch-Faces, weil auch kleinste Details sehr gut zu erkennen sind. Dazu kann die Anzeige auf bis zu 1000 Nits hochgefahren werden. Gerade bei direkter Lichteinstrahlung Garant dafür, dass alles gut ablesbar bleibt.

Mit Zepp OS neues Betriebssystem

Das ist insofern wichtig, als dass bei aller Reminiszenz an die klassische Uhr die neuen Amazfit-Modelle wohl in erster Linie und am häufigsten per berührungsempfindlicher Oberfläche bedient werden. Und das funktioniert bestens. Die Animationen sind flüssig, die Reaktion auf die Eingabe erfolgt promt und ohne Verzögerung. Dies sollte allein schon deshalb erwähnt werden, weil bei den Neuen mit Zepp-OS erstmals ein eigenes Betriebssystem Anwendung findet. Und das korrespondiert gleichermaßen mit der dazugehörigen App auf Android- oder iOS-Basis.

Frankfurt (Oder)

Die Zepp-App ist dabei das Zentrum den Amazfit-Universums, das die Chinesen in den vergangenen Jahren aufgebaut haben. Als Global Player in Sachen Health-Monitoring setzt die Huami-Tochter nicht nur auf Wearables wie Uhren oder Fitnessbänder, sondern hat auch InEars wie die Power Buds Pro im Portfolio, die ebenfalls Körperdaten erfassen und beispielsweise bei zu hohem Puls Alarm schlagen. Abgerundet wird die Gesundheitsvorsorge mit der Smart Scale, bei der die Kilogrammermittlung fast schon zur Nebensache gerät. Denn die schlanke Waage analysiert so ziemlich alles, was man in Sachen Körpedaten zusammentragen kann.

PAI für die Gesundheit

Diesen Status Quo macht Zepp dann dafür zur Grundlage, um mittels der Smartwatch Ziele festzulegen, die der Gesunderhaltung oder dem Gesundwerden zuträglich sind. Um es für den User nicht zu kompliziert werden zu lassen, wird aus alldem ein Personal Activity Intelligence - PAI - erstellt. Dieser Algorithmus basiert auf der Messung der Herzfrequenz und passt sich dem Nutzer an. Es wird also mit der Zeit immer aufwendiger, einen PAI von 100 in der Woche zu erreichen, der den Maßstab für eine lebensverlängernde Aktivität darstellt. Herzstück aller Messungen dafür ist die GT-Uhr.

Alle Daten übersichtlich

Und in den neuen kommt nun auch ein neuer Biosensor zum Einsatz. Dieser mit der Kennzeichnung 3.0 kann innerhalb von 45 Sekunden auf Knopfdruck mit einer Messung vier wichtige Daten ermitteln: Herzfrequenz, Sauerstoffsättigung im Blut, Stresslevel und Atemfrequenz. Allerdings geht das nicht bei Bewegung. Die knappe Minute muss man sich also mal Zeit nehmen. Darüber hinaus erfasst der Tracker die Schlafzyklen und gibt, auf Wunsch, minutiös darüber Auskunft, wann und wie lange insgesamt man im REM-,Tief- oder Leichtschlaf war bzw. wach gelegen hat. Für diese Zeiten werden zudem die Atemfrequenz oder der Herzrhythmus aufgezeichnet. Auch dies wird des einfacheren Verständnisses wegen in Punkte umgerechnet, die allerdings nicht wirklich Auskunft darüber geben, ob der Schlaf dann auch erholsam war. Die Uhr erkennt allerdings ebenso ein Nickerchen und rechnet das zum Gesamtbefinden dazu. Neu bei Zepp-OS ist zudem, dass nach Aufzeichnung von Menstruationszyklen Zeitpunkt und Länge folgender sowie Fruchtbarkeitsfenster und Eisprünge vorhergesagt werden können.

Trainieren mit dem eigenen Ghost

Zu einem ganz großen Teil sind GT 3 und Pro natürlich auch Sportuhren. Denn körperliche Aktivitäten gehören zum Gesamtkomplex Gesunderhaltung einfach dazu. 150 verschiedene sportlichen Betätigungen kann die Uhr über Messung verschiedener Körperdaten erfassen. Es finden sich die Klassiker, aber auch einige Exoten wie Seilziehen oder Hula Hoop. Acht Sportarten erkennt die Uhr sogar automatisch. Ein besonderes Gimmick ist zudem der Virtual Pacer. Beim Outdoor Running oder Laufband erstellt der User seinen eigenen Ghost, gegen den er dann antritt, was für ordentliche Motivation sorgt. Dank integrierter Navigationssysteme wie GPS, Gallileo oder Glosnass werden die Aktivitäten im Freien als Geodaten erfasst und auf der Uhr eher rudimentär, in der Zepp-App dann aber sehr ordentlich in der Kartenansicht dargestellt. Details wie Geschwindigkeit, Höhengewinne- bzw. Verluste Pulsbereiche und nicht zuletzt eine Zusammenfassung des Trainingseffektes gibt es on top, sowohl in nackten Zahlen wie auch in verständlichen Grafiken. Da die Smartwaches bis zu 5 ATM wasserdicht sind, gilt alles vorherige natürlich ebenso für Aktivitäten auf und im Wasser.

Sag’s Alexa

Neben dem umfassenden Thema Gesundheit sind die Wearables aber mittlerweile fester Bestandteil der Kommunikationslandschaft und Bindeglied zum Smartphone. Wenn gewollt und einstellbar über die App, kommunizieren Handy und Uhr via Bluetooth. So gibt’s dann die Nachrichten aufs kleine Display, werden die Wetterdaten übermittelt. Wer Alexa nutzt, kann on- wie offline gleich alles mit der Stimme regeln. Das funktioniert so, wie es soll. Die GT3 Pro ist dazu in der Lage, via Bluetooth auch als Handy-Verlängerung einzuspringen. Anrufe können angenommen und geführt werden. Man darf aber auch direkt von der Uhr aus Telefonate initiieren. Aber wohl gemerkt, nur mit Smartphone. Als standalone funktioniert die Smartwatch nicht.
Zum reichhaltigen App-Umfang der Uhr selbst gehören weitere Standards wie Taschenrechner, Barometer und Höhenmesser. Gerade letzterem kommt dann eine Bedeutung zu, wenn sich der Träger im Hochgebirge aufhält. Dann nämlich spielt die Sauerstoff-Sättigung des Blutes eine entscheidende Rolle. Hier können GT 3 und Pro gar zum Lebensretter werden. Wie und wie viel der vorhandenen Informationen auf einen Blick dargestellt werden, ist schlussendlich auch eine Geschmacksfrage. Bis zu 150 Watch Faces sind im Store auswählbar, einige davon können mit eigenen Hintergründen gestaltet werden, andere sind editierbar. Wer gern der Laune und Tageszeit entsprechend wechselt, speichert sich einfach einige direkt auf die Uhr und tauscht per einfachen Druck aufs Display die Ansichten.

Amazfit GTR 3 / GTR 3 Pro

Größe/Gewicht: 45,8 x 45,8 x 10,8 / 46 x 46 x 11; 32g
Display: AMOLED 1,39’’ / 1,45’’
Sensoren: Biotracker 3.0, PS, Gallileo, Glasnoss, Barometer
Sportmodi: +150
Batterie: 450 mAh
App: Zepp für iOS/Android
Weitere Features GTR3 Pro: interner Speicher 2,3 GB, BT-Telefonie, Alexa kompatibel
Preis: ca. 150 / 200 Euro
Apropos speichern: Die Pro verfügt über 2,3 GB internen Platz, der mit Musik gefüllt werden kann. Zwar ist mittlerweile das Streaming die erste Wahl, wenn es um Unterhaltung bei Aktivitäten gibt, aber wer sein Handy nicht mitnehmen kann oder will, muss nicht zwangsläufig auf den Beat verzichten. Die Wiedergabequalität ist dabei ganz ordentlich, Wunder sollten allerdings nicht erwartet werden. Das gilt uneingeschränkt für ein nicht unwichtiges Kapitel: Den Akku. Der Vorgänger GTR2 war ja ein richtiges Ausdauertalent. Allerdings mit im Vergleich deutlich reduziertem Nutzungsumfang. Die fast drei Wochen Laufzeit ohne eine Ladestation gesehen zu haben, können die neuen Modelle nicht bieten. Zwar kommt die GT3 da nahe dran, dann aber nur mit minimaler Nutzung und ohnehin bei Verzicht auf ein Always-On-Display. Die Pro-Variante verbraucht bei normaler Nutzung ca. zehn Prozent Akku am Tag. Da sind zwei längere Workouts in der Woche und einige Nachrichten am Tag mit drin. Die Leistung der Batterie nimmt natürlich dramatisch ab, wenn GPS mit ins Spiel kommt. 35 Stunden gibt Amazfit an, ein realistischer Wert, wie es scheint. Allerdings hätten sich gerade verwöhnte Umsteiger der 2er Serie vielleicht gewünscht, dass es, wie beim Handy etwa, eine Warnung bei zehn Prozent geben würde. So wacht man früh mal auf und hat keine Schlafüberwachung, weil die Uhr selbst ein Nickerchen macht.

Edler oder sportlicher Auftritt

GT3 und Pro gibt es im mattschwarzen und im metallicgrauen Gehäuse mit einem schwarzen bzw. grauen Silikonarmband für die normale Variante. Bei der Pro kombiniert Amazfit ein braunes Lederband zum grauen Body. Sieht edel aus. Und da alle Bänder Schnellverschlüsse haben, lohnt die Anschaffung eines zweiten, um bei der Garderobe zu variieren oder im Falle des Lederstraps, um die Uhr auch sporttauglich zu machen. Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass es für Fans der Apple-Watch mit der GTS 3 eine Variante gibt, die der Urform der Smartwatch folgt, innerlich aber mit der normalen GT 3 identisch ist. Für beide rufen die Chinesen derzeit rund 150 Euro auf, angesichts des Leistungsumfanges inklusive App und des hervorragenden Displays geradezu ein Schnäppchen. Einen Fünfziger mehr muss für die Pro-Variante hingeblättert werden. Immer noch günstig in Anbetracht der weiteren Möglichkeiten u.a. Telefonie und interner Speicher. Den Größenunterschied von GTR3 und Pro indes sieht man in der Praxis nur, wenn beide Uhren direkt nebeneinander gelegt werden.

Mehr Wearable braucht kein Mensch

Wer einen günstigen Ein- oder Umstieg in die Welt der Smartwatches sucht, sollte unbedingt bei den neuen Modellen von Amazfit einmal Halt machen. Mehr Weareable braucht kein Mensch, gleichwohl es natürlich mehr gibt. Denn auch, wenn die Modelle mit gängigen Fitness-Apps von Apple und Android kompatibel sind, Drittanbieter-Apps etwa Runtastic oder Komoot können nicht verwendet werden. Eine Bezahlfunktion findet man nicht und auch Navigation mit der Uhr ist nicht möglich. Wer das alles wirklich braucht, bekommt es woanders - zum dreifachen Preis.

Test-Fazit

GTR 3 und der GTR 3 Pro bieten alles, was von einer Smartwatch erwartet wird, die auf Aktivitäten aller Art ausgelegt ist. Mit dem neuen Zepp-OS verfügen sie über ein intuitiv zu bedienendes und zuverlässiges Betriebssystem. Display und grafische Darstellung gehören zum besten, was der Markt zu bieten hat. Und das alles zu einem günstigen Preis.