Auch wenn der Markt in Sachen Smartwatches gut gefüllt ist, muss man die mit Googles Betriebssystem schon fast suchen. Neben Samsung gibt es nur noch wenige Anbieter, die auf WearOS setzen. Mobvoi gehört dazu. Deren aktuelle Uhr gehorcht zwar noch der älteren OS-Version, ist aber ansonsten so ziemlich runderneuert.

Die hält was aus

Wer sich draußen zuhause fühlt und gern mal an die Grenzen oder darüber hinaus geht, möchte sich sicher weniger Sorgen ums Material machen müssen. Schon gar nicht um eine womögliche smarte Uhr am Handgelenk. Jene Zeitgenossen vor allem hatte wohl Mobvoi im Blick, als man die neue TicWatch Pro 3 Ultra GPS kreierte. Denn die kommt als besonders robustes Gadget daher, ist nach dem US-Militärstandard MIL-STD-810G zertifiziert. Der listet so ziemlich alle Unannehmlichkeit auf, die man einem elektronischen Gerät antun kann. Beispielsweise hohe oder niedrige Temperaturen, Feuchtigkeit, Sonneneinstrahlung, niedriger oder hoher Druck etc. Dass das Innenleben der TicWatch Pro 3 Ultra GPS dies aushält, hat sie wohl vor allem dem Body aus Edelstahl, ummantelt mit einem Nylon-Glasfaser-Gemisch und dem Corning-Gorilla-Glas über dem Dual-Layer-Display zu verdanken.
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Damit ist zwar die Entscheidung Laufsteg oder Urwald für letzteren gefallen, aber insgesamt sieht die schwarze Smartwatch mit ihrem Armband aus ebenfalls schwarzem Kautschuk in einer besonderen Mischung immer noch gut aus. Mehr sportlich denn edel. Dazu zählt auch die durchaus respektable Größe von 48 Millimetern Durchmesser, nicht gemacht für kleine Hände oder schmale Unterarme. Das kommt natürlich dem 1,4-Zoll-Display zugute, das zudem noch von einer Lünette umgeben wird. Der allerdings fällt keine wirkliche Funktion zu, mal abgesehen von der 60-er Einteilung. Denn bedient wird die TicWatch über zwei seitliche Drücker an der Zwei und der Vier sowie natürlich über das berührungsempfindliche Display.

Ein Display ist immer an

Apropos: Hier arbeitet Mobvoi mit gleich zweien. Denn das normale AMOLED, das 454x454 Bildpunkte auflöst, was 326 ppi entspricht, wird von einem zweiten monochromen, sogenannten FSTN-Display überlagert. Hier zeigt die Uhr die Standardwerte wie Uhrzeit, Sekunden, Datum und Schritte an. Wer zudem beim Sport auf die hauseigenen Apps zugreift, kann dann auch die wichtigsten Vitalwerte ablesen, ohne die „richtige“ Anzeige in Anspruch nehmen zu müssen. Das geht schnell und einfach, spart dazu Akku. Und wenn dieser mal am Ende seiner Leistungsfähigkeit ist, ist man in Sachen Zeit beispielsweise noch länger in der Lage, die Uhr zu nutzen. Im Prinzip eine recht coole Lösung - mit einem kleinen Haken. Denn das FSTN-Display lässt sich nicht komplett ausschalten, eine Möglichkeit, es bis zu nahezu dunkel runter zu regulieren, haben wir auch nicht gefunden. Damit hat der User defacto eine Always-On-Anzeige, auch wenn er diese gar nicht möchte. In abgedunkelten Räumen - nachts - ist die Anzeige dann immer noch hell genug, dass es manchen durchaus stören könnte.

Komplette Überwachung, sofern man will

Das ist sicher kein Thema für alle jene, die ohnehin ihr Watch-Face die ganze Zeit sehen wollen. Auch das ist verständlich, schließlich bietet der hauseigene Shop Ziffernblätter bis zum abwinken, ein guter Teil davon allerdings entgeltlich. Auf allen findet man, was heutzutage Standard ist - Schritte, Kardiodaten, Wetter etc. Denn die Uhr sammelt alles, was man sie sammeln lässt. Schlafüberwachung, Blutsauerstoffsättigung, Herzfrequenz. Diese ist mit einem Alarmsystem gekoppelt, das bei Rhythmusstörungen oder Vorhofflimmern Alarm schlagen soll. Verschiedene Satellitensysteme sind empfangbar, um Strecken zu dokumentieren. Die können dann allerdings nur mit einer entsprechenden App auf dem Smartphone dargestellt werden. Geistige Ermüdung und Stress behält die Uhr im Blick, sogar die Lärmbelastung lässt sich ermitteln.

Sport zusammen mit WearOS

Hausintern bietet die Uhr 20 Sportprogramme. Das ist ok. Dank WearOS können aber eben auch Sport-Apps anderer Anbieter genutzt werden, was den Umfang dann deutlich erweitert. Allerdings macht das die Bedienung etwas umständlicher. Zwar verfügt Mobvoi für die Grundeinstellungen über eine eigene Applikation auf dem Smartphone, für bestimmte Dinge aber dann muss man eben auf WearOS zurückgreifen. Somit springt der User zwischen den verschiedenen Programmen, was die Übersichtlichkeit des Gesamtpaketes nicht wirklich steigert.

Mit Handy, aber auch ohne

Das ist sicherlich meckern auf hohem Niveau. Denn der Start der Anwendungen und die Darstellungen kommen verzögerungsfrei in wirklich guter Ansicht. Der Qualcomm Snapdragon Wear 4100 kann auf ein GB RAM zurückgreifen. Dazu gibt es acht GB internen Speicher. Der lässt sich beispielsweise mit Musik belegen, denn ein Player ist natürlich auch mit an Bord. Zudem gibt es eine Direktverknüpfung zu Spotify und damit die Möglichkeit, die Lieblingsplaylist offline zu hören. In den eigenen vier Wänden greift die TicWatch wenn gewollt selbstständig auf das WLAN zu, ansonsten ist das Smartphone via Bluetooth die Quelle in die weite Welt. Die Uhr allerdings funktioniert auch als dessen Verlängerung. Denn dank eingebauten Lautsprecher und Mikrophon können Gespräche direkt mit dem Wearable angenommen und geführt werden. Antworten auf Sprachnachrichten sind ebenso möglich. Da das OS von Google kommt, steht natürlich der Sprachassi bereit und nicht zuletzt darf mit Google-Pay bezahlt werden. Das Angebot an Features ist somit ziemlich breit und deckt im Prinzip alles ab, was von einer Smartwatch erwartet wird. Mittlerweile gibt es auch eine 4G-Version der Ultra, die dann vollkommen autark nutzbar ist.

TicWatch Pro 3 Ultra GPS

Größe/Gewicht: 48mm, 41g
Display: 1,4 Zoll, 326ppi
Konnektivität: WLAN, Bluetooth, NFC
Betriebssystem: WearOS
Akku: 577 mAh, 72 Stunden Normalbetrieb
Sportmodi: 20 intern + Drittanbieter
Besonderheiten: monochromatisches Display zusätzlich

Recht ausdauernd

Last but not least hat es Mobvoi geschafft, die Akkulaufzeit im Normalbetrieb auf 72 Stunden zu verlängern. Das ist für eine WearOS-Uhr schon ziemlich lange. Wer auf die vielen Features verzichten kann, darf sich im sogenannten Essential Mode sogar bis zu eineinhalb Monate mit den Basis-Infos versorgen lassen. Für das Gesamtpaket rufen die Chinesen nicht ganz 300 Euro auf. Das ist viel Geld, angesichts des Funktionsumfangs, der Leistungsfähigkeit auch in Sachen Nehmerqualitäten und im Vergleich zur vielleicht etwas eleganteren Konkurrenz aber durchaus als günstig anzusehen.

Test-Fazit

Mobvoi präsentiert mit der TicWatch Pro 3 Ultra GPS eine alltagstaugliche und zugleich robuste Smartwatch. Die hat alles an Bord, was man von solch einem Wearable heutzutage erwartet und bietet mit dem dualen Display zudem noch ein Alleinstellungsmerkmal. Dank WearOS wird der Funktionsumfang noch erweitert, gleichwohl der Wechsel zwischen den Apps etwas umständlich anmutet.