45 Millimeter im Durchmesser, drehbare Lünette und Edelstahl-Rahmen - Samsungs neue Galaxy Watch 3 vereint viel vom Design einer analogen Uhr mit den Innereien eines modernen Tech-Gadgets.

Wie eine Uhr, nur besser

Keine Frage, die Smartwatches haben Handy-Aficionados zurück zur Uhr am Handgelenk gebracht. Wer dort schon immer auf einen Zeitmesser vertraute, dem wird Schritt für Schritt der Wechsel vom mechanischen oder Quarz-Model hin zum smarten erleichtert. Mal abgesehen von den Apfel-Produkten, deren Form immer noch mehr an ein technisches Gerät denn an an eine Uhr erinnert. Mit der Galaxy Watch 3, die übrigens der Nachfolger der Watch 1 ist, könnte Samsung durchaus weitere Sympathien einsammeln. Denn nicht nur außen, auch innen überzeugt das neue Modell.
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Lederarmband in Gehäusefarbe, Drehlünette, zwei Drücker, 1,4 Zoll große AMOLED-Display, Gorilla Glass DX und wasserdicht bis 50 Meter - das Teil sieht schickt aus, ist nur knapp 50 Gramm leicht und wirkt trotz seiner Größe mitnichten klobig. Der 360 x 360 Pixel große Touchscreen lässt sich problemlos bedienen und reagiert dank des 1,15 Ghz-Taktgebers im Innern sofort und sehr flüssig. Die Farben erscheinen sehr satt und Konturen mit hohem Kontrast, die Ablesbarkeit ist bei fast allen Umgebungssituationen erhaben über jede Kritik.

Per Lünette durch die Apps

Außen hui, und innen? Auch hier lassen sich die Koreaner nicht am Zeug flicken. Der auf acht GB verdoppelte interne Speicher zusammen mit 1GB RAM haben nicht nur Platz für jede Menge Apps, Musik und Fotos. Sie gewährleisten auch einen direkten und verzögerungsfreien Zugriff. Mit der Lünette scrollt sich der User durch die App-Menüs, die er ganz individuell anordnen kann. Ein Drücker dient dann als Schritt zurück, der andere als Direktwahl für favorisierte Anwendungen. Insgesamt ist die Bedienung sehr intuitiv, gleichwohl sich Smartwatch-Neulinge sicher eine lesbare und sofort verfügbare Bedienungsanleitung gewünscht hätten.

Mit iOS und Android kompatibel

Prinzipiell funktioniert die Watch 3 auch als Standalone-Version. Via W-LAN wird eingerichtet, mit einem Konto verbunden und Apps installiert. Anwendungsfreundlicher aber wird es natürlich mit Hilfe eines Smartphones. Wohl das eingeschränkte Angebot im iOS-Bereich im Blick, koppelt sich die Uhr auch mit dem iPhone, die entsprechende Samsung-App gibt’s im Store. Mit der klappt die Zusammenarbeit über weite Strecken recht gut, vor allem, weil man auch viel über die Uhr selbst bewerkstelligen kann. Was wirklich geht merkt der User aber erst dann, wenn ein Android-Phone mit der Watch gekoppelt wird. Denn sowohl die Wearable-App wie auch Samsung-Health kommunizieren mit der Watch und nehmen viele Dinge ab. Denn, so schön die durchdachte Bedienbarkeit über Bildschirm, Lünette und Drücker auch ist, via dem mehrfach größeren Handy-Display geht es dann doch einfacher. Manche Aktionen werden gar ganz ans Smartphone ausgelagert. Während man das Ergebnis der Schlafüberwachung bei iOS-Kopplung direkt von der Uhr ablesen kann, verweist diese bei Android-Verbindung gleich ans Telefon.

Energiehungrig, nicht nur nachts

Apropos Schlafüberwachung: Während die Watch 3 beispielsweise ein Workout anhand einiger Parameter selbst erkennt und den schnellen Weg zur Arbeit als Workout aufzeichnet, muss man das Zubettgehen extra ankündigen. Ruhelage und Ruhepuls reichen offensichtlich nicht aus. Wer das verschläft, wird nicht nur durch ein leuchtendes Ziffernblatt, sondern auch durch ständige Statusmeldungen geweckt. Die fehlende Erkennung, dass der Träger schläft ist auch insofern interessant, als dass die Uhr fürs nächtliche Monitoring extrem viel Energie aufwendet. Bei unserem Test war am nächsten Morgen regelmäßig mehr als die Hälfte der Akkuladung weg. Wer dann noch einen Morgenspaziergang macht und möchte, dass ihn die Uhr am Schreibtisch ans regelmäßige Bewegen erinnert, der muss zwischendurch dringend ans Netz, um den Tag durchhalten zu können. Insgesamt ein höchstens durchschnittlicher Wert. Auch im Vergleich zu mancher Konkurrenz, bei der Vertreter länger als eine Woche aushalten.

Nützliche Features an Bord

Das ist aber so ziemlich der einzige Kritikpunkt, den sich Samsung gefallen lassen muss. Und vielleicht, dass dem zwar schicken, aber wenig praktischen Echtlederarband bei jenen Usern, die die Watch vor allem auch für die Aktivitätsüberwachung und Aufzeichnung einsetzten, kein langes Leben beschieden sein wird.
Über den sportlichen Aspekt hinaus bietet die Uhr aber noch weitere Highlights. Gerade in der Pandemiezeit sind Features wie Pulsmesser und vor allem die Ermittlung des Blutsauerstoff-Gehaltes nicht ohne. Die angekündigte EKG-Funktion fehlt hingegen noch. Der Lage- und Bewegungssensor kann sogar Leben retten. Wenn der nämlich einen Sturz erkennt und die Uhr mit dem Handy gekoppelt ist, wird eine hinterlegte Notrufnummer angewählt.

Galaxy S20 FE - perfekter Partner

Apropos Smartphone. Ebenso jung wie die Watch 3 ist Samsungs Fan Edition des Galaxy S 20. Dabei handelt es sich ausdrücklich nicht um eine abgespeckte Light-Version. Unterschiede zum Flagschiff S 20 muss man nämlich mit der Lupe suchen und wird sie im alltäglichen Gebrauch kaum bemerken. Das AMOLED-Display löst in Full HD+ auf und wiederholt die Bilder 120 Mal in der Sekunde. Damit hat man zwar nominal eine geringere Auflösung verbaut, doch bei gleicher Bildwiederholrate wird die Pixelanzahl des normalen S 20 dann aufs gleiche Niveau heruntergeschraubt. Das Display des FE kommt mit 6,5 Zoll daher und liegt somit genau zwischen S20 und der größeren Plus-Version. Den offensichtlichsten Unterschied macht noch das Gehäuse. Denn die Rückseite des Neulings ist komplett aus Kunststoff, dafür in fünf verschiedenen poppigen Farben zu haben. Haptisch gibt’s da sicher einen Unterschied zu den teureren Modellen, bei der Anwendung dürfte es kaum etwas ausmachen. Gleiches gilt wohl für die nun fehlenden seitlichen Rundungen am Display. Nice to have, aber kein Muss.

Kaum Abstriche

Wichtig hingegen die Funkstandards, und da ist das FE voll auf der Höhe. Auch Samsungs eigene Oberfläche verhilft dem „kleinen Bruder“ zu problemloser und zügiger Anwendung. Auch, wenn mit dem eigene Exynos 990 der etwas energiehungrigere Prozessor verbaut wurde, dem zudem nur sechs statt acht GB RAM zur Verfügung stehen. Im Alltag für den Normalo ohne Belang.
Das ließe sich für fast alle Features fortsetzen, bis hin zur Kamera. Hier verbauen die Koreaner die gleiche 12 Megapixel Haupt- und Ultraweitwinkel-Kamera wie beim normalen S20. Die Tele-Kamera ist zwar eine andere mit lediglich acht Megapixeln. Dennoch sind 3-fach optisch und 30-fach digitaler Zoom möglich. Die Selfie-Kamera setzt auf fette 32 Megapixel. In der Summe sind die Fotos durchweg gut, haben eine ordentliche Tiefenschärfe und erlauben auch individuelle Einstellungen.

Nutzwert und Spaßfaktor hoch

Unterm Strich macht sich Samsung mit dem Galaxy S 20 FE fast selbst die größte Konkurrenz. Wer bestimmte Top-Leistungen und Features nicht braucht, ist mit der Fan Edition mindestens genauso gut unterwegs. Bei der Kooperation mit der Watch 3 gibt es gar keinen Unterschied. Insofern ist die klar bessere Variante, beim Smartphone zu sparen und den Betrag in die Smartwatch zu investieren. Nutzwert und auch Spaßfaktor dieses Duos überwiegen ganz sicher den etwas eleganteren Auftritt der großen Geschwister.