Wer eine Smartwatch sucht schaut meist zuerst bei denen nach, die auch Smartphones im Angebot haben. Doch es lohnt durchaus, über den bekannten Herstellerkreis hinaus zu blicken. Unabhängig vom Handy-OS mischt da Amazfit ganz vorn mit. Die Marke gehört zu Huami Technology, die sich vor allem dem Gesundheitsmonitoring verschrieben haben und entsprechende smarte Geräte entwickeln. Dazu zählt ein relativ breites Portfolio an Smartwatches, bei denen die Chinesen mit der Amazfit GTR2e und der T-Rex-Pro gerade aktuelle Modelle aufgelegt haben.

Brüder im Geiste

Auf den ersten Blick haben beide Uhren wenig miteinander zu tun. Die eine schlank und durchaus elegant, die andere das fast komplette Gegenteil, groß, robust und der G-Shock von Casio nicht unähnlich. Die Äußerlichkeiten begründen sich allerdings im Einsatzzweck bzw. im Kreis derer, die zur Zielgruppe gehören. Schaut man dann nach innen, erweisen sich die Kandidaten als doch sehr ähnlich. Das AMOLED-Display ist zwar mit 1,39 Zoll bei der GTR2e etwas größer und mit 454x454 auch ein stückweit höher aufgelöst, in der Praxis allerdings sind beide Bildschirme gleich gut ablesbar und offenbaren keine wirklichen Schwächen bei Handhabung.
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Die T-Rex-Pro wirkt nicht nur größer, da deren Gorilla-Glas vom Polymer-Gehäuse komplett eingerahmt wird. Sie ist tatsächlich einen Millimeter breiter und fast drei höher. Das 2,5D-gewölbte rahmenloses Oberflächendesign der GTR2e dagegen sorgt für einen extrem schlanken Auftritt. Dazu ist das fast 47 Millimeter große Modell dank seines beschichteten Aluminium-Gehäuses mit 32 Gramm fast halb so schwer wie der Bruder im Geiste.

Rund um die Uhr unter Kontrolle

Bei beiden kommt der von Huami entwickelte biologischer Datensensor BioTracker 2 PPG zum Einsatz, der beispielsweise für die Messung von Herzfrequenz und Blut-Sauerstoffgehalt verantwortlich ist. Er ist das Herzstück der gesundheitlichen Überwachung des Trägers, die, wenn gewollt, 24/7 in Betrieb ist. Huami verweist auf die hauseigene Expertise, anhand einer riesigen Datenmenge, die zur Grundlage verschiedener Algorithmen wurde.
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Mit denen sei die Software in der Lage, die gesammelten Messergebnisse in konkrete Vorhersagen und Vorsichtsmaßnahmen umzumünzen. Dies fließt u.a. in PAI ein, ein System zur Bewertung des Gesundheitszustands, das Algorithmen verwendet, um komplexe Daten wie Herzfrequenz, Aktivitätsdauer und andere Gesundheitsparameter in einen einzigen, intuitiven Wert umzuwandeln, damit die Benutzer ihren körperlichen Zustand einfach verstehen können.

Smarte Gesundheitsvorsorge

Und so erhält der User über den Tag verteilt, und bei sportlichen Aktivitäten öfter, Informationen über die Erhöhung seines PAI-Wertes, der ab 100 prophylaktisch Herz-Kreislauferkrankungen vorbeugen soll. Im Detail ließ sich dies natürlich nicht exakt nachprüfen, aber die Werte für Puls, Sauerstoffgehalt und Stress beispielsweise waren logisch und nachvollziehbar. Nichts anzufangen wussten wir hingegen mit dem Blutdruck-Wert, der hier nur als Einzelzahl angegeben wird. Und auch die Körpertemperatur-Messung liefert keine brauchbaren Zahlen. Dafür war das Schlafmonitoring sehr aufschlussreich. Tief-, Leichtschlaf- und REM-Phase wurden zuverlässig erkannt, ebenso, wenn man das Bett verlässt. Und über den Tag erkennt die Uhr auch, wenn der Träger mal ein Nickerchen macht.

Den Doc immer dabei

Wichtiges Feature bei Smartwatches ist die Trainings- oder Aktivitäten-Aufzeichnung. Hier bieten beide Modelle üppig viel Auswahl. Rund 90 die schlanke und sogar über 100 die stärkere Uhr. Darunter solche Exoten wie Hula-Hoop, Tauziehen oder Bauchtanz. Bei beiden fehlt dagegen Golf. Dafür ist jede Menge Wassersport enthalten. Nicht von ungefähr, denn mit beiden Exemplaren kann man baden und auch schwimmen gehen. Die T-Rex Pro ist gar bis 10 ATM wasserdicht, womit sie sich gar fürs Tauchen eignen würde. Aber auch das findet sich nicht in der Auswahl. Wer in die andere Richtung unterwegs ist, dem hilft ganz sicher der Barometrische Höhenmesser. Pfiffig, wer innerhalb einer bestimmten Zeit ordentlich Höhenmeter macht, wird regelmäßig aufgefordert, seinen Sauerstoffgehalt im Blut zu checken. Der Träger hat halt den Doc immer bei sich.

Partner des Smartphones

Beide Modelle brauchen für die Inbetriebnahme und volle Nutzung zwingend ein Smartphone. Ob Android oder iOS ist dabei vollkommen egal. Die notwendige Zepp-App läuft auf beiden Systemen gleichermaßen gut. Pairing und Ersteinrichtung erfolgen über einen QR-Code, den die Uhr anzeigt. Fortan ergänzen sich Smartwatch - und Phone. Die Schlafanalyse wie auch die vollumfängliche Aktivitäten-Auswertung gibt es nur über die App. Mit der kann man die Uhr suchen bzw. umgekehrt das Handy. Anrufe wie Nachrichten werden auf dem Display dargestellt, Bilder nicht, Emojis dagegen ja. Telefonieren funktioniert nicht, Anrufe können nur abgelehnt werden. Und auch der Stream von Musik auf die Uhr ist nicht möglich. Allerdings darf mit ihr der Player des Telefons gesteuert werden. Alle anderen grundlegenden Apps von Smartwatches finden sich auf beiden Exemplaren, ob nun Wetter, Timer, Kompass oder Stoppuhr.

Draußen zu Hause

An Bord sind ebenso GPS und Glosnass. Die T-Rex Pro bietet darüber hinaus noch Beidou und Gallileo - eben für Outdoor-Fans gemacht, worauf schon das robustere Aussehen hindeutet. Anders als die GTR2e, die mit einem Mix aus Zwei-Knöpfen und Wischgesten bedient wird, ermöglichen hier vier Drücker, komplett auf den Touchscreen zu verzichten. Das dürfte mit Handschuhen beispielsweise auch schwierig werden. Denn mit bestandenen 15 Tests nach militärischem Standards begleitet die Uhr von heißen Wüsten bis in Dauerfrost-Gegenden anstandslos. Minus 40 bis plus 70 Grad ist das Temperaturspektrum, vier Tage widerstandsfähig gegen Salzwasser und gar zehn Tage gegen Feuchtigkeit allgemein, machen die T-Rex Pro zum zuverlässigen Begleiter. Dafür ist natürlich die Akku-Leistung entscheidend. 18 Tage soll der bei normaler Nutzung durchhalten, immerhin noch die Hälfte bei starker Beanspruchung. In dieser Beziehung sieht die GTR2e noch besser aus. Hier sind es gar 24 bzw. zwölf Tage. Und tatsächlich muss man erstaunlich selten an die magnetische Ladeschale.

Alles super?

Nicht ganz so üppig geht es in Sachen Personalisierung zu. Watch Faces gibt es im eigenen Shop, die Auswahl ist aber vor allem für die T-Rex Pro schon sehr übersichtlich. Nur einige von den Zifferblättern lassen sich wirklich personalisieren. Gleiches gilt für die auf der Uhr hinterlegten Apps. Wer partout nicht den Musicplayer braucht, kann ihn trotzdem nicht los werden. Auch die Synchronisierung von Kalendereinträgen funktioniert nicht. Möchte man Erinnerungen auf der Uhr haben, müssen diese extra über die Zepp-App angelegt werden. Bezahlfunktionen bietet keiner der Kandidaten und wie gesagt, Music-Streaming ist nicht möglich. Sicherlich fehlen hier einige Features im Vergleich zum Klassenprimus von Apple und Samsung. Aber: Ist dem User dies den dreifachen Preis wert, lautet die Gretchenfrage? Denn mit 120 Euro für die GTR 2e und knapp 170 Euro für die T-Rex Pro sind beide schon sehr günstig. Und das sieht man den smarten Uhren weder an, noch wirkt sich das irgendwie auf die Handhabung aus. Wer also verzichten kann, der kann hier wirklich sparen.

Amazfit GTR 2e / T-Rex Pro

Größe:

46,5 x 46,5 x 10,8 mm / 47.7 x 47.7 x 13.5mm

Gewicht: 32g / 59,4 g

Gehäuse: Alu / Polymer

Armband: Silikon

Display: AMOLED

Größe: 1,39’’ / 1,3’’

Auflösung: 454 x 454 / 360 x 360

Akku: 471 mAh / 390 mAh

Sportmodi: 90 / +100

Wasserdicht: 5 ATM/10 ATM

App: Zepp

OS: Android 5.0; iOS 10.0

Amazfit-Website