Für echte Eishockey-Fans ist das ganze Jahr über Saison. Auch dann, wenn die NHL-Profis in der Sommerpause sind. Denn EA Sports sorgt mit einem jährlichen Update seines Games dafür, dass der Puck niemals kalt wird und das Eis niemals verwaist.

Lohnt das Update auf 22?

Allerdings krankte die Serie so wie andere auch vor allem daran, dass sich das Ausmaß der jährlichen Neuerungen in Grenzen hielt. Das ist, zugegeben, schwierig bei einem Spiel, das ja nach festen Regeln lebt und das schon seit Jahrzehnten. Insofern standen Fans des kalten Vergnügens stets vor der gleichen Frage: Lohnt sich das Update zum Vollpreis. Während man in der Vergangenheit darauf gern mit „es kommt darauf an“ antwortete, heißt es für NHL 22 ganz klar: Ja. Aber...

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Denn die kanadischen Entwickler haben sich für den neuesten Ableger vor allem sowohl Grafik wie auch Gameplay angenommen und sich dabei an FIFA 22 orientiert, das teils ja ebenfalls von EA Vancouver entwickelt wurde. Seine Premiere auf dem virtuellen Eis feiert nun ebenso wie bei den Rasenartisten die Frostbite-Engine, die im Hause Electronic Arts auf eine lange Geschichte zurückblicken kann. Die neueste Version ermöglicht deutlich realistischere Darstellungen in Sachen Bewegung und Licht, was am Ende das gesamte Game noch runder, noch besser aussehen lässt. Und auch, wenn der Vergleich immer wieder gern bemüht wird, die Unterschiede zum realen Sport am TV sind mittlerweile marginal. Aus der Fernsehkamera-Perspektive im Prinzip kaum noch auszumachen. Dazu tragen die physikalisch korrekten Animationen bei, die richtige Umsetzung von Schwerkraft, Aktion und Reaktion sowie die vielen kleinen Reflexionen bis hin auf den Visieren der Profis zu erkennen. Das Eis, bei Drittelbeginn noch unbeschadet und glänzend, braucht dann nach dem Abpfiff tatsächlich eine Aufbereitung.

Next-Gen klar im Vorteil

Von diesem deutlichen Schritt nach vorn und der damit uneingeschränkten Kaufempfehlung, selbst für Besitzer von NHL 21, profitieren allerdings vor allem die Besitzer der Next-Gen-Konsolen XBox Series S/X sowie PS 5 und natürlich jene, die Videogames noch am PC zocken und dort über eine leistungsstarke CPU/Grafik-Unit verfügen. Wer noch auf den betagten älteren Spielmaschinen unterwegs ist, kann bei gutem Willen den grafischen Fortschritt zwar erahnen - die Spielermodelle sehen zumindest dreidimensionaler aus und wirken auch in der Tiefe - aber als Sprung in Sachen Darstellung kann der Fortschritt nicht wirklich bezeichnet werden.

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Mehr Taktik, mehr Spiel

Das sieht beim Gamepaly schon anders auch. Wie schon bei FIFA wurden hier Veränderungen in Sachen Spielgeschwindigkeit und Spielerfähigkeiten vorgenommen. Erstere hat man reduziert, um so den taktischen Anteil am Geschehen zu erhöhen. Dabei ist NHL allerdings meilenweit davon entfernt, ein langsames Spiel zu sein. Kurze Blackouts des Gamers in hektischen Situationen, wo denn nun das Spielgerät sei, wird es weiterhin geben. Das Geschehen wirkt aber insgesamt nun noch realistischer im Vergleich zur echten Eisarena, in der die Profis ja auch nicht drei Drittel lang Spurts hinlegen. Einher geht die Anpassung mit höheren Anforderungen bei Passspiel und Verteidigung. Zwar gibt es bei ersterem immer noch Hilfestellung, aber dennoch müssen Timing und Richtung stimmen, damit der Puck auch ankommt. Mehr Kontrolle über die Akteure geht ebenso damit einher, dass sich vor allem in der Verteidigung gezielter agieren lässt. Checks werden nicht einfach ausgeführt, sondern können mit mehr Bedacht eingesetzt werden, was schlussendlich zu weniger Strafen führt. Und nicht zuletzt hat man die Goalkeeper aufgewertet, die nun deutlich sicherer halten. Darüber hinaus wurden den Top-Leuten verschiedener Teams Spezialfähigkeiten implementiert, die sich in den verschiedenen Spielmodi nicht nur anwenden, sondern auch kombinieren lassen. Ob die Manschaft wechselnde Spieler oder Gelegenheitszocker das zu würdigen wissen, sei allerdings einmal dahingestellt.

Alternative zum Winter

Auch wenn bei den Spielmodi im Prinzip alles beim alten bleibt, macht NHL 22 einen durch und durch frischeren Eindruck. Ob on- oder offline, unterhaltsamen Sessions auf dem virtuellen Eis sind fast keine Grenzen gesetzt. Da Schwierigkeitsgrad und Anforderungen ziemlich fein justiert werden können, sollte auch jeder Spieler würdige Gegner finden, so dass es nie eintönig wird. Richtig Laune machen Coop-Matches mit Freunden, bei denen das Zusammenspiel dank der verbesserten Steuerung ein echtes Spielgefühl aufkommen lässt. Zusammen mit der bei den Next-Gen-Konsolen deutlich verbesserten Grafik ist NHL 22 tatsächlich die beste Eiszeit, die man augenblicklich haben kann. Und in Anbetracht unserer hiesigen Winter auch ziemlich alternativlos...

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