Als Forza Horizon zwischen den regulären Titeln des Racers erschien, schüttelte so mancher den Kopf. Mit Supersportwagen durch die Botanik war echt etwas neues im Rennspiel-Genre. Mittlerweile hat sich die Serie als eigenständige etabliert und treibt alles bisherige auf den Höhepunkt. So viel Rennen war noch nie in einem Game.

Gigantische Spielewelt

Ach, wie schön ist Mexico. Hierhin haben die Entwickler die nunmehr fünfte Horizon-Ausgabe verortet und bringen damit - für uns Mitteleuropäer und andere - ein stückweit exotisches Flair ins Spiel. Von den Puderzuckerstränden am Golf bis in den tiefsten Dschungel, von den Maya-Stätten in Tulum bis in große Städte, die Karte, die es wie im Open World üblich, frei zu erkunden gilt, ist gigantisch, glatt um die Hälfte größer als beim Vorgänger. Berücksichtigt wurden dabei nicht nur die Größe des Landes, sondern auch die verschiedenen Klimazonen. Das wiederum wirkt sich auf Wetterereignisse aus wie Sturm oder Regen, dazu gibt es weiterhin die wechselnden Jahreszeiten.
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Die Entwickler von Playground Games stellen 500 Karossen in die virtuelle Garage, viele Exoten darunter, historische Vehikel, Supersportler, aber auch Familienkutschen und Concept Cars. Ausufernd wie der Fuhrpark sind auch die Renn- und Fahrerlebnisse. Wir finden Altbekanntes wieder, etwa Blitzer, zerstörbare Schilder oder Scheunenfunde. Es gibt die bekannten PR-Shots und natürlich alle Arten von Rennen auf jedem Untergrund. Dazu müssen die Horizion-Außenposten aufgebaut werden, was in etwa einer kleinen Karriere entspricht und eigentlich nur dazu dient, immer mehr Teile der Karte sichtbar zu machen. Auf der finden sich zudem nun auch Herausforderungen von Gamer für Gamer. Und nicht zuletzt schreitet das Geschehen in Form von Seasons voran. Wöchentlich neue Aufgaben, bei denen man Erfahrungspunkte sammeln und gegen Ausrüstung oder tolle Autos tauschen kann. Kurzum: Die spielbare Welt von Horizon 5 ist einfach gigantisch.

Assistentin hilft bei Auswahl

Das wird Segen und Fluch zugleich. Da die Spielinhalte teils in kurzen Abständen wechseln, gibt es immer etwas neues zu entdecken. Darüber hinaus bleiben die ohnehin vorhandenen Rennen, deren reine Anzahl allein schon üppig ist. Das alles zusammen führt allerdings mit der Zeit zu einer ansteigenden Unübersichtlichkeit. Dank einer Filterfunktion lässt sich da zwar Ordnung reinbringen, aber so ganz haben auch die Entwickler wohl nicht dran geglaubt. Die jedenfalls stellen mit Anna nun eine virtuelle Assistentin zur Verfügung, die, über das Digi-Kreuz gesteuert, Vorschläge für Events unterbreitet und zugleich die Route zu denselben plant. Zwar gibt es wieder Schnellreisemöglichkeiten, aber am ehesten wird man wohl mit einem Auto der Wahl sich von Veranstaltung zu Veranstaltung bewegen und für alle möglichen Fahrkünste Skill-Points einsammeln, die für einen steten Fahreraufstieg sorgen. Zudem können Extrapunkte in einem Fähigkeiten/Fertigkeiten-Baum angelegt werden, was wiederum für verschiedene Boni sorgt. Ob jeder wirklich alles versteht, findet und anwendet sei einmal dahingestellt. Die Möglichkeiten jedenfalls sind üppig.

Frankfurt (Oder)

Jede Schwierigkeit möglich

Selbst die einzelnen, fest geplanten Rennen, kann man gern wiederholen. Denn der Schwierigkeitsgrad lässt sich über verschiedene Schrauben feintunen. Ersteinmal generell, was Fahrhilfen und Gegner-KI betrifft. Dann allerdings auch über die Wahl der Autos. Für jedes Event werden entsprechende aus der eigenen Garage vorgeschlagen, die der Gamer nutzen kann, aber nicht muss. Und selbst bei ersteren sind reichlich Varianten möglich. Es ist eben ein Unterschied, ob das Rennen im Ford Focus oder im McLaren Senna absolviert wird. Denn der CPU setzt stets ähnliche Fahrzeuge ins Starterfeld. Letztlich aber gibt es für jedes Event das perfekte Auto. Nur welches muss der Spieler allein herausfinden. Das macht Spaß und sorgt für Kurzweil. Und damit nicht die restlichen 450 Karren ungenutzt herumstehen, gibt es eben auch Veranstaltungen, die bestimmte Fahrzeuge vorschreiben. So wird alles bewegt, was vier Räder und einen Motor hat.

Virtuelle Nachhaltigkeit

Der darf auch gern elektrisch sein, um mal kurz auf den Nachhaltigkeitsgedanken zu kommen. Wie zu erwarten, sind die Stromer hier vor allem von der schnellen Sorte. Und der Porsche Taycan Turbo S gehört da fast noch zu den langsameren. Allerdings ist das Renngefühl beim einem Auto, das man nicht hört dann doch ein anderes. Denn bei allem Bemühen der Programmierer, die virtuelle Realität kann hier nicht die Wirklichkeit ersetzen, sich in einem Wagen zu befinden. Und da fehlt dann irgendwie von den Sinnen her ein Rückkanal der sich Motorensound nennt. Den hat man nämlich für alle Fahrzeuge hervorragend umgesetzt, was eben nicht nur ein ästhetisch-akustisches Feature ist. Ansonsten hat es die Forza-Idee nicht so sehr mit CO2-Reduzierung und Umweltschutz. Denn neben den spritfressenden PS-Monstern bewegen sich auch allerhand Flugzeuge durch die Gegend, wird die Landschaft zerfahren, geht mancher Baum und Busch zu Bruch. Andererseits, solange sich das in der virtuellen Welt abspielt, wird nur Strom verbraucht und die Leute richten in der Realität keinen Schaden an. Das ist dann auch eine Form der Nachhaltigkeit.

Mix aus Realität und Arcade

Den Aufenthalt in der künstlichen Umgebung so realistisch wie möglich zu gestalten, haben sich die Entwickler wirklich allergrößte Mühe gegeben. Eine Einheit aus Grafik und Fahrzeugperformance macht die Illusion fast perfekt. Denn beim Handling der Boliden setzt Playground Games wieder auf einen gesunden Mix aus echter Physik und Spielspaß. Will sagen, der Arcade-Anteil macht viele der Autos erst fahrbar für Amateure, die wir ja alle irgendwo sind. Dennoch hat man stets das Gefühl, dass es auf der richtigen Straße genau so sein müsste. Dazu trägt bei, dass sich jedes Modell tatsächlich anders fährt und jeder Untergrund bei verschiedenen Geschwindigkeiten ebenso. Die Wahrnehmung letzterer ist zudem grandios. Da sind 200 auf engen Straßen schon schnell, obwohl es teils auch bis auf 400 kmh geht. Vor allem, wenn die Belege plötzlich wechseln, zeigt sich, dass hier nichts wie auf Schienen fährt.

Nahezu perfekte Illusion

Aus der Cockpit-Perspektive, einer von vielen, ist die Ansicht natürlich am realistischsten. Dann allerdings bekommt man deutlich weniger von der auch sehr sehenswerten Umgebung mit, die ebenso detailreich, wie authentisch und schön anzuschauen ist. Eingeschlossen alle möglichen Spezialeffekte, von denen die Wassertropfen auf der Scheibe nach wie vor ein Highlight sind. Der Lack glänzt in allen erdenklichen Schattierungen, verschmutzt aber ebenso realistisch, wenn’s staubig wird. Selbst das Schadensmodell kann sich sehen lassen, gleichwohl es ausschließlich optisch daherkommt. Wer die ganze Pracht genießen will, spielt Horizon 5 mit einem Beamer und einer Diagonale, die fast Originalgröße der Autos zulässt. Dann ist die Illusion nahezu perfekt.

Tuning erwünscht

Last but not least kommen Tuning-Freunde auf ihre Kosten, sowohl in Sachen Leistung wie auch Aussehen. Bei letzterem sind der Fantasy keine Grenzen gesetzt, die Möglichkeiten der Gestaltung mit Farbe und Vinyl nahezu unendlich. Wer’s einfach haben will, lädt einfach ein Design aus der Community herunter. Download ist auch die schnellste Art, seinen Boliden leistungsmäßig nach vorn zu bringen. Hier kann man die Anforderungen, beispielsweise Offroad oder Beschleunigung gar filtern und lädt sich das Setup direkt auf den Wagen. Die Unterschiede sind dann doch erstaunlich.

Alle Erwartungen erfüllt

Am Ende schafft es Forza Horizon tatsächlich, alle Erwartungen zu erfüllen. Ein guter Mix aus Altbewährtem und Neuem, ein stärkerer Community-Gedanke, tolle Grafik und eine riesige Spielewelt eignen sich sowohl für ein kurzes Race zwischendurch wie auch für einen längeren Aufenthalt. Dazu machen die vielen Einstellungsmöglichkeiten und ein gekonnter Mix aus Arcade und Realismus den Zugang für Spieler aller Fähigkeitslevel möglich. Allein Forza Horizon 5 wäre es wert, sich eine XBox Series X zuzulegen, wenn es denn eine geben würde.

Test-Fazit

Vielleicht ist Forza Horizon 5 das beste Rennspiel überhaupt, ganz sicher aber ist es das umfangreichste. Nur wer die reinrassige Simulation sucht, wird hier vielleicht nicht fündig. Alle anderen erwartet Racing, Spaß und Abwechslung in einer wirklich sehenswerten Spielewelt. Und 500 wählbarer Fahrzeuge!