Die Optik: Rein äußerlich fallen die kegelförmigen Freebuds 3i etwas aus dem Testfeld. Denn Huawei setzt ähnlich wie Apple oder Motorola auf eine weniger platzsparende, dafür aber schlanke Variante. Im Ohr befinden sich lediglich die Schallwandler- und Bedieneinheit, alles für die Konnektivität wurde im Steg verbaut. Zur Auswahl steht die Farbe Weiß, da gibt’s nicht viel zu wählen. Ein kleiner Chromring als Abschluss am unteren Teil setzt ein paar glitzernde Akzente.
Mit denen können auch die GalaxyBuds+ dienen. Wie schon deren Vorgänger ohne Plus schimmert die Steuerungsoberfläche leicht glänzend, perlmuttartig. Ansonsten beschreitet Samsung einen anderen Weg. Kompakter in der Bauweise geht es kaum. Man nähert sich fast der Kugel, wären da nicht gezwungener Maßen die Ausgänge für den Ton, deren Silikonhauben beinahe den Gehäusekörper berühren. Im Angebot sind drei Farben: Schwarz, Weiß, Hellblau.
Die Live 300 TWS von JBL positionieren sich zwischen den beiden anderen Kandidaten, auch wenn das auf den ersten Blick kaum zu sehen ist. Denn die Amerikaner trennen die reine Höreinheit vom Rest durch einen kleinen Steg, favorisieren aber sonst auch die runde Bauweise. Mit vier Farben bietet die Harman-Tochter nicht nur die größte Auswahl, sondern hat zudem neben dem Klassiker Weiß auch Anthrazit, Altrosa und Dunkelblau in der Auslage - nicht eben Durchschnitt.

Für jedes Ohr eine Form

Die Passform: Passt, wackelt und hat Luft - nichts trifft besser auf die Freebuds 3i zu. Ohne jegliche Einschränkung. Die runden Schallwandler, konisch zulaufend, sitzen einfach in jedem Gehörgang. Auf Grund der Gesamtform sorgt das Gewicht - sofern man bei elf Gramm für beide Hörer überhaupt davon sprechen kann - für einen niedrigen Schwerpunkt. Mit den verschieden großen Silikonaufsätzen lässt sich schließlich feinjustieren. Für normale Sitzpositionen und Bewegungen völlig ausreichend. Geht’s jedoch in die Waagerechte sorgt der vergleichsweise geringe Anpressdruck für Lageveränderungen der InEars.
Das sollte bei den GalaxyBuds+ nicht der Fall sein. Eine breiter werdende Silikonlippe - ähnlich dem Gewinde einer Schraube - sorgt dafür, dass der User die Buds regelrecht ins Ohr reindrehen kann. Zusammen mit drei verschieden großen Silikonaufsätzen sollte man für alle Postionen die richtige Passform finden.
Das gilt auch für die Live 300 TWS. JBL gibt dem Besitzer noch mehr Individualisierungsmöglichkeiten an die Hand. Neben den üblichen Silikonaufsätzen fürs innere Ohr stehen gleich vier (!) sogenannte Ohrpasstücke zur Auswahl. Diese Bügel sollen für einen sicheren Halt un der Ohrmuschel sorgen, da bauartbedingt der Schwerpunkt der Hörer relativ weit außen liegt. Die Anpassung ist am Anfang zugegebener Maßen etwas fummlig. Wer Ausdauer zeigt wird jedoch mit einem fast drucklosen Sitz der "Stöpsel" belohnt.
Konnektivität: Alle drei Kandidaten unterstützen Bluetooth 5.0 und verhalten sich einfach und unauffällig bei der Kopplung. Ladecase öffnen und im BT-Menü auswählen. Lediglich bei den FreeBuds muss fürs Pairing noch ein Extra-Knopf gedrückt werden. Multipoint fähig, also gleichzeitig mit mehreren Geräten verbinden, ist dagegen keiner der drei InEars.

Bedienung mit Gesten und Worten

Steuerung: Moderne Gesten- oder Touch-Steuerung hat längst die Knopfdrückerei abgelöst. Eine leichte Berührung oder ein Wischen reicht mittlerweile aus. Da nehmen sich die verschiedenen Modelle nichts - sowohl im positiven wie auch negativen. Denn zum einen ist die Belegung, welcher Befehl durch welche Handlung ausgelöst wird, nicht immer intuitiv. Und dann kann ein versehentliches Berühren, sei’s beim Sitz überprüfen oder Haare zürückstreichen, ebenfalls vom System fehlinterpretiert werden. Hier ist Übung gefragt, schnell und sicher und ohne Blickkontakt agieren zu können.
JBL hat zudem Google Assistant und Amazons Alexa mit an Bord, denen man einiges an Arbeit aufbürden kann - unabhängig vom Betriebssystem des Smartphones. Auch Siri oder Bixby sind nutzbar. Samsung ermöglicht zumindest über eine frei zu belegende Schnittstelle, per Sprachbefehl das Handy zu steuern.
Laufzeit und Reichweite: Auch wenn sich die drei Kontrahenten mit dem ersten Blick aufs Datenblatt nicht wesentlich unterscheiden mögen, im Detail sieht das ganz anders aus. Gewicht und zarte Bauweise der Freebuds 3i fordern ihren Tribut. Schon nach 3,5 Stunden geht ihnen der Saft aus. Zwar lädt das Case noch viermal nach, am Ende steht mit knapp 18 Stunden jedoch die geringste Gesamtlaufzeit im Protokoll. Die Live 300TWS kommen zwar nur auf zwei Stunden mehr, dafür jedoch auf drei Zyklen verteilt, was eine Einzelsitzung auf über fünf Stunden verlängert. Die GalaxyBuds verdoppeln das sage und schreibe nochmal, halten bis zu elf Stunden durch. Eine weitere Ladung per Case ist möglich, so dass am Ende 22 Stunden zur Verfügung stehen. Das ist ein absoluter Spitzenwert.
Einigkeit herrscht dagegen in Sachen Reichweite. Im Freien kann mitunter bis zu 30 Meter die Verbindung aufrecht erhalten werden, in geschlossenen Räumen sind es dann eher die üblichen acht bis zehn.

Klang sehr gut in allen Preislagen 

Der Klang: Die Königsdisziplin schlechthin entscheidet über Wohl und Wehe bei Kopfhörern. Doch die Qualität des Sounds hängt von vielen Faktoren ab. Sitzen die InEars nicht richtig oder verrutschen bei Lageänderung, bricht meist das Bassfundament zusammen. Wer darauf Wert legt, sollte also zuerst die Passform checken. Zweiter Punkt ist die Bauweise - offen oder geschlossen oder halboffen.
Huawei geht letzteren Weg und setzt deshalb als einziger der Kandidaten - und selten generell bei InEars - auf Active Noise Cancelling. Nach außen gerichtete Mikrofone analysieren Umgebungsgeräusche und reduzieren diese um bis zu 32 Dezibel. Das ist sehr viel, geht allerdings mit einer Anhebung tiefer und mittlerer Frequenzen einher, was den Sound insgesamt etwas dumpfer macht. Fans von sauberen Höhen könnten damit fremdeln. Ansonsten gibt’s in Sachen Klang wenig zu meckern. Die respektabel großen Zehn-Millimeter-Treiber schaufeln in allen Frequenzlagen Signale an die Polymer-Kompositmembrane, die daraus dynamischen und transparenten Sound machen. Die Bühne bleibt kompakt.
Samsung setzt bei der Schallwandlung von digital zu analog auf die Erfahrung der Kopfhörerspezialisten von AKG und verbaute ein Zwei-Wege-Lautsprechersystem. Tweeter und Woofer teilen sich je nach Frequenzgang die Arbeit - am Ende entsteht ein noch direkterer und fein aufgelösterer Sound im Kopf. Hier wird die Bühne schon breiter, bleiben einzelne Instrumente klanglich deutlich identifizierbar. Dazu kann per App auf verschiedene Klangprofile zurückgegriffen werden, um das Hörerlebnis weiter zu personalisieren.
Damit punktet aber auch JBL. Mit über 60 Jahren Erfahrung im Lautsprecherbau wissen die Amis, worauf es ankommt. Nicht von ungefähr sind die Live300TWS die größten im Feld. Mit einem Frequenzgang von 20 bis 20 000 Hz deckt man weit über die Schwelle des Hörbaren ab. Und die Equalizer der App sorgt dafür, dass der User das Maximum für sich rausholt. Von 32Hz bis 16kHz können die Frequenzen frei um sechs Dezibel angehoben oder abgesenkt werden. Dazu gibt es noch vier vorinstallierte Soundprofile. Unterm Strich bietet JBL den direktesten Klang und den individuellsten dazu. Der Hörer wird mitten in die Musiker gesetzt, kann das Einzelne ebenso genießen wie das Gesamte.

IPX-Zertifikat: Stärken und Schwächen

Extras: Alle drei InEars haben eine App im Gepäck. Huawei allerdings behält diese den Android-Nutzern vor. Aber auch für die sind Möglichkeiten der Nutzung eher mager. Samsung und JBL ermöglichen den Zugriff auf die Soundprofile, auf weitere Einstellungen, Softwareupdates und Hilfestellungen. Da beide Hörer geschlossene Systeme sind und fest im Ohr stecken, gibt es umgekehrt zum ANC die Möglichkeit, die Umgebung "reinzulassen". Bei den GalaxyBuds+ ist dies in drei Intensitätstufen möglich. Dabei werden die Außengeräusche per Mic eingefangen und eingespielt. Bei den Live300TWS nennt man diesen Modus Ambient-Aware. Dazu gibt es noch die TalkThru-Funktion, die es ermöglicht, dank der zusätzlichen Absenkung der Lautstärke mit anderen zu reden, ohne die Hörer aus dem Ohr nehmen zu müssen. Apropos: Sowohl Huawei wie auch JBL geben ihren Geräten mit, dass diese dann die Wiedergabe unterbrechen. Nur bei den Amis wird allerdingsfortgesetzt, sobald der Stöpsel wieder drin ist.
GalaxyBuds+-User sollten bei Sport- und Outdoor-Aktivitäten vorsichtig sein. Denn Kontakt mit Flüssigkeiten, auch Schweiß, mögen die technisch so hochwertigen Stöpsel nicht. Sie haben mit IPX2 die geringste Klassifizierung im Teilnehmerfeld. Die FreeBuds3i sind mit IPX4 wenigsten gegen Spritzer, also auch einen kurzen Regenschauer resistent, während die Live300TWS dank IPX5 fast schon mit unter die Dusche können.
Fazit: Persönlicher Geschmack ans Design, die Anforderungen an den Sound, an Extras und schließlich das Budget entscheiden beim Kauf. Mit keinem der InEars macht man wirklich etwas falsch. Die Soundwiedergabe ist durchweg schon sehr gut. Auf Grund von Sitz oder Schutz-Klassifizierung eignet sich aber nicht jeder Hörer überall. Mit unter 100 Euro sind Huaweis Freebuds3i die günstigsten und leichtesten im Feld, haben allerdings die kürzeste Wiedergabezeit am Stück und verweigern iOS-Usern die Nutzung via App. Auch Samsung knausert da ein wenig, sofern man nicht über markengleiche Smartphones verfügt, stellt aber ansonsten alles allen zur Verfügung. Für unter 120 Euro gibt’s die längste Akkulaufzeit, zahlreiche Soundprofile und einen nahezu perfekten Sitz. Dafür sind die Buds empfindlich, was den Einsatz betrifft. JBL schließlich verlangt mit knapp unter 140 Euro zwar am meisten, bietet aber in Sachen Individualisierung auch das rundeste Paket. Wäre der Weg zum richtig Sitz im Ohr nur halbwegs so fummelig... . Relativ hohe Schutzklassifizierung, persönliches Soundprofil, die Nutzung der Sprachdienste - neben dem exzellenten Sound gibt es weiter sinnvolle Features, die den Preis dann durchaus rechtfertigen.