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Frankfurter Museum junge Kunst zeigt Zeichnungen

Mit Filzstift gezeichnet: Horst Zickelbeins Bild „Der Feigenbaum“ (Ausschnitt) von 1975
Mit Filzstift gezeichnet: Horst Zickelbeins Bild „Der Feigenbaum“ (Ausschnitt) von 1975 © Foto: Michael Benk
Stephanie Lubasch / 03.07.2013, 18:54 Uhr
(MOZ) Ein Bild, auf dem man spazieren gehen kann: Fast wie hingekritzelt wirken die Menschen, festgehalten in kleinen, nebeneinander gesetzte Flächen, manchmal nur als Schatten erkennbar oder von hinten. Daneben Tiere, Vögel, Muster, die mitunter wie Traumsequenzen wirken. "Ein Tänzchen in Ehren" hat Dieter Zimmermann diese in den 80er-Jahren entstandene Arbeit genannt. Seine Methode vom "Bild im Bild des Bildes" lässt sich auch auf weiteren seiner Werke entdecken, die den Besucher in der Ausstellung "Die Kunst der Zeichnung" in der Frankfurter Rathaushalle empfangen.

Nach den Neuerwerbungen der vergangenen Jahre präsentiert das Museum Junge Kunst dort nun Handzeichnungen aus seiner umfangreichen Sammlung. Etwa 1400Blätter seien im Bestand, sagt Kurator Armin Hauer; 120 davon hat er für die Schau ausgewählt, datiert von 1944 bis zur Gegenwart. Die 33 ausgestellten Künstler stehen somit für vier Generationen - haben einige von ihnen ihre Prägung noch in der Zeit der Weimarer Republik erhalten, sind die Jüngsten erst nach der Wende zum eigenen künstlerischen Ausdruck gekommen.

Da chronologisch aufgebaut, kann man in der Ausstellung so mit der Linie auf eine Zeitreise gehen - und auf eine Reise durch ganz verschiedene Stile. Sachliches findet sich da, Expressives, Realistisches, aber auch Abstraktes und Informelles. Erschütternd kommen die Federzeichnungen des Thüringers Karl Ortelt daher, entstanden in den 40er-Jahren im Nachkriegsdeutschland - ein "Totes Kind" etwa und unter dem Titel "Tod in Ruinen" eine Frau, die auf einer Mauer kauert, das Gesicht schon zum Skelett zerfallen.

Mit Aquarell und Kohle hat Wilhelm Lachnit in den 50er-Jahren einen "Knaben mit verbundenem Kopf" festgehalten: Den Blick nach unten gesenkt, zieht er sofort die Aufmerksamkeit des Betrachters auf sich. Ein geradezu für die Zeichnung prädestiniertes Sujet wiederum ist mit Curt Querner in die Schau eingezogen - der Akt. Seine Grafitarbeiten aus den 60er-Jahren zeigen üppige Weiblichkeit, mit strenger, dynamischer Linie aufs Papier gebracht.

Spaß, sie wieder zu entdecken, machen die Arbeiten von Hans Ticha. In der DDR vor allem als Illustrator bekannt, zeichnete er seine wie aufgeblasen wirkenden Figuren auch gern als Kommentar zu Politik und Gesellschaft. "Beifall (FDJlerin)"(1982) zum Beispiel, neun Bleistiftskizzen, bei denen das Individuum völlig hinter den übergroßen Händen verschwindet und für einen Applaus steht, der längst zur inhaltslosen Geste verkommen ist.

Für die Zeichnung der vergangenen zwei Jahrzehnte stehen neben anderen der Cottbuser Hans Scheuerecker und die im Ruppiner Land beheimatete Cornelia Schleime. Aber auch die Eichwalderin Kathrin Harder. In ihren Ölarbeiten "sine loco et anno 1/4" ist die Linie wieder ganz bei sich selbst angekommen, indem uns die Malerin, wie Hauer es im Katalog formuliert, "an einem Weg des intuitiv-kontrollierten Entdeckens vom Wesenhaften in der Natur" teilhaben lässt. Auch das ein schönes Beispiel dafür, wie gerade die Zeichnung "die Unmittelbarkeit des schöpferischen Aktes" ausstrahlt. In der Frankfurter Rathaushalle kann man dem jetzt auf vielfache Weise nachspüren.

Eröffnung am 7.7., 11 Uhr, dann bis 6.10., Di-So 11-17 Uhr, Museum Junge Kunst, Marktplatz 1, Frankfurt (Oder)

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