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Wer den Nationalpark Unteres Odertal besucht, kann eine fast intakte Flussmündung bewundern. Hier leben mehr als 145 Vogelarten. Besucher finden sich inmitten von Flussauen, Laubmischwäldern und Blumenfeldern wieder. Sie können den Park mit dem Kanu durch die Flusslandschaft oder mit dem Fahrrad über den Oder-Neiße-Radweg erkunden.

© Foto: MOZ/Oliver Voigt

Tafeln
Tiere stehen Illustrator Reiner Zieger Modell

dpa / 21.05.2019, 15:05 Uhr
Werneuchen (dpa) Dass Reiner Zieger eine Vorliebe für Elefanten hat, ist nicht zu übersehen. Überall in seinem Atelier in Willmersdorf bei Werneuchen (Barnim) finden sich Zeichnungen und Skizzen der majestätischen Dickhäuter.

Zieger hat Elefanten über Jahrzehnte beobachtet, ihre Bewegungen regelrecht studiert – ob im Tierpark oder auch in freier Wildbahn in Afrika. Schon die erste Bleistift-Skizze, die er als kleiner Junge anfertigte, war ein Elefant.

"Jeder kann zeichnen, man muss sich nur konzentrieren", ist Zieger überzeugt. Aktuell arbeitet der 79-Jährige wieder an Illustrationen der großen Säugetiere. Neben Elefanten gehören auch viele andere Tiere Afrikas wie Giraffen, Löwen, Büffel und Antilopen zu einer gezeichneten Sammlung, die sein Lebenswerk zusammenfassen soll, als eine Art gezeichnetes Tagebuch. Anlässlich seines 80. Geburtstages widmet ihm seine Geburtsstadt Wurzen (Sachsen) aktuell eine Ausstellung im städtischen Museum, die bis zum 21. Juli gezeigt wird.

Zieger ist einer der letzten Zeichner in Deutschland, die Tiere möglichst authentisch und biologisch exakt darstellen. "Die sogenannte biologische Malerei begann in den 1920-er Jahren. Heutzutage ist sie angesichts moderner, preiswerter Technik wie der Fotografie nicht mehr gefragt", sagt Hans-Jörg Wilke. Der Mitarbeiter der Nationalparkverwaltung Unteres Odertal (Uckermark) hat im vergangenen Jahr ein Buch über die Geschichte der Tierillustration herausgebracht.

Er kennt Zieger gut, schätzt ihn aufgrund seiner realistischen Darstellungen. "Er hält die Verhaltensbiologie, die Bewegungsabläufe exakt fest. So etwas macht heute kaum noch jemand. Junge Tiermaler setzen eher künstlerische Aspekte um, verfremden, um originell zu sein", erklärt Wilke.

Sein Können hat Zieger von der Pike auf gelernt. Schon als Junge verbrachte der gebürtige Sachse die Sommerferien am liebsten im Leipziger Zoo oder auch im Zirkus, um Tiere zu zeichnen. "Ich bin sehr tierlieb, durfte aber nur Meerschweinchen als Haustiere halten. Ich zeichnete, um die großen Säuger gewissermaßen mit nach Hause zu nehmen", erinnert er sich schmunzelnd. Als er Anfang der 1960-er Jahre wissenschaftliche Grafik in Berlin studierte, führte ihn ein Praktikum in den Berliner Tierpark. Der legendäre Direktor Heinrich Dathe erkannte das Talent und stellte den jungen Zeichner ein, schulte ihn, was Proportionen und anatomische Exaktheit betraf.

Zunächst arbeitete Zieger für die zoologische Forschungsstelle des Tierparks, musste Amöben und winzig kleine Parasiten auf Papier festhalten, was dem damaligen Wahl-Berliner weniger gefielt. "Tiere fangen für mich erst bei den großen Säugern an. Erst da werden Verhalten und Bewegung interessant", bekennt er. Sie zu beobachten, ist für den Zeichner noch immer "reines Vergnügen". "Kämpfe um die Rangordnung in einer Herde zu erfassen oder das Wachsen eines jungen Bullen zu erleben, braucht es halt Geduld", erzählt der 79-Jährige lächelnd. Er erarbeitete Broschüren als Wegweiser durch den Tierpark, malte später große Plakate. Die klassischen Infotafeln an den Gehegen, kamen seinen Angaben nach erst nach der Wende hinzu.

Doch schon vor 1989 hinterließ der inzwischen freischaffende Illustrator seine künstlerischen Spuren im West-Berliner Zoo, arbeitete sowohl für den DDR-Kinderbuchverlag, illustrierte zahlreiche Angelbücher und arbeitete auch schon für westdeutsche Verlage. 1981 durfte er erstmals nach Afrika reisen, um die geliebten Elefanten in freier Wildbahn zu zeichnen. Inzwischen gibt es kaum ein Tier, das er noch nicht gezeichnet habe, behauptet Zieger. Aufträge gebe es allerdings kaum noch. Zoo und Tierpark in Berlin setzten unter neuer Leitung auf modernere Medien wie Apps und Facebook. Und auch die Zusammenarbeit mit dem Tessloff-Verlag Nürnberg liegt schon Jahre zurück.

Für ihn hatte Zieger, der seit 14 Jahren in der dörflichen Idylle Brandenburgs lebt, die Jugendbuchreihe "Was ist was?" illustriert, insgesamt fast 20 Titel. "Er ist ein kompetenter Illustrator, seine Arbeiten sprechen für sich. Allerdings haben sich die Lese- und Sehgewohnheiten der jungen Generation verändert, so das wir jetzt mit Fotos arbeiten", sagt Verlagssprecherin Nicole Hummel. Zieger ist sich bewusst, dass seine Kunst allmählich ausstirbt. Für ihn sei jedoch ausschlaggebend, dass er ein Leben lang Spaß an seiner Arbeit hatte.

"Diese Entwicklung ist bedauerlich", sagt hingegen Wilke. Gerade in Tierbestimmungsbüchern seien gezeichnete Illustrationen besser als Fotos, um bestimmte Merkmale herauszustellen, an denen das jeweilige Tier genau zu erkennen ist. "Solche Bücher gibt es und sie sind gefragt. Die Illustratoren stammen allerdings aus Großbritannien oder Skandinavien", hat er herausgefunden.

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