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© Foto: MOZ/Oliver Voigt

Beim Spaziergang durch den Buchenwald zeigt sich Grünen-Politiker Anton Hofreiter bestürzt über die Auswirkungen der Dürre.

Klimawandel
Mit Anton Hofreiter durchs vertrocknende Weltnaturerbe

Jörn Kerckhoff / 22.08.2019, 19:19 Uhr - Aktualisiert 23.08.2019, 07:56
Grumsin (MOZ) Die Dürresommer 2018 und 2019 bedrohen den Buchenwald Grumsin, der seit 2011 zum Unesco-Weltnaturerbe gehört. Am Mittwoch machte sich Anton Hofreiter, Bundestagsfraktionschef von Bündnis 90/Die Grünen ein Bild vom Zustand  des Waldes. Erläuterungen gab es dazu von Michael Luthardt, Leiter des Landeskompetenzzentrums Forst LFE und Kandidat der Grünen für die Landtagswahl.

"Mein Freund, der Baum, ist tot...", sang einst Alexandra. Längst sind nicht mehr einzelne Bäume bedroht, sondern ganze Wälder. Schuld daran ist, laut vieler Experten und der Bündnis-Grünen, der Klimawandel. Die beiden heißen und vor allem trockenen Sommer im vergangenen und in diesem Jahr hätten den Wäldern in Brandenburg extrem zugesetzt, erklärt Diplom-Forstwirt Luthardt dem Diplom-Biologen Hofreiter. Beim Blick in die Baumkronen sei bereits deutlich die Braunfärbung an einigen Bäumen zu erkennen.

Dabei gelten Buchen und andere Laubbäume noch als relativ resistent gegen Trockenheit und damit gegen den Klimawandel. Auf dem Spaziergang durch das Weltnaturerbe sahen die Teilnehmer – darunter auch Jeanette Blumröder und Markus Waldherr von der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde – auch Fichten, die bereits völlig abgestorben waren. Für dieses Jahr rechnet Luthardt nicht mehr mit wesentlichen Niederschlägen, durch die die Buchen nochmal Kraft gewinnen könnten. "Es kann sein, dass die Bäume im nächsten Jahr gar nicht erst ausschlagen", fürchtet der Forstwirt und prognostiziert dem Buchenwald Grumsin noch weitere schwere Jahre.

Da stellt sich die Frage, ob die Forderung der Grünen, reine Nadelholzwälder zu reduzieren und durch Misch- und Laubwälder zu ersetzen, überhaupt noch Sinn macht. "Monokulturen sind immer empfindlicher und anfälliger als Mischkulturen", so Anton Hofreiter dazu. Es gebe 30 heimische Baumarten – dazu gehören auch Eiche, Linde, Birke –, mit denen sich die Auswirkungen der Klimakrise zumindest abfedern ließen. Klar sei aber auch, dass beim aktuellen Fortschritt der Erderwärmung, alle Maßnahmen nur ein Tropfen auf den heißen Stein wären. "Jedes Zehntel Grad, das wir bei der Klimaerwärmung vermeiden können, bringt viel mehr", ist Hofreiter überzeugt.

Trotz der Zunahme der Abholzung des brasilianischen Regenwaldes und einer Studie, die besagt, dass Waldflächen in der Größe der USA geschaffen werden müssten, um die Auswirkungen des Klimawandels abzumildern, sehen sich Hofreiter, Luthardt und ihre Mitstreiter beim Kampf um den Buchenwald Grumsin nicht als Don Quijote beim Kampf gegen Windmühlen. "So traurig es ist, dass es soweit kommen musste, aber inzwischen sieht jeder die Auswirkungen der Klimakrise auch hierzulande und das führt dazu, dass immer mehr Menschen etwas für Natur- und Klimaschutz tun", so Hofreiter. Als eines dieser unübersehbaren Symptome nennt er dabei die Windschutzscheibe am Auto, auf der selbst nach längerer Fahrt nicht mehr Hunderte tote Insekten kleben.

Einsatz der Jugend macht Mut

Auch die Tatsache, dass aktuell viele Jugendliche auf die Straße gehen, um Klimaschutz einzufordern, mache Mut. "Die jungen Leute wissen, dass es nicht mehr um die übernächste oder nächste Generation geht, die von den Folgen des Klimawandels betroffen sei, sondern dass es sie selbst treffen wird."

Mit Blick auf die künftige Regierung in Brandenburg zeigt sich Michael Luthardt optimistisch, dass neben den anderen wichtigen Themen auch der Klima- und Naturschutz berücksichtigt wird. "An grünen Standpunkten wird man da nicht vorbeikommen", ist der Kandidat für den Potsdamer Landtag überzeugt.

Auch die Moore leiden massiv

Anton Hofreiter besuchte am Mittwoch den Buchenwald Grumsin. Dabei machte er sich ein Bild vom Zustand des UNESCO-Weltnaturerbes, das unter der Trockenheit der vergangenen zwei Jahre leidet. Neben braunen Baumkronen sei auch das Austrocknen zahlreicher Moore in dem 590 Hektar großen Gebiet ein Zeichen für den Wassermangel, wie Diplom-Forstwirt Michael Luthhardt erläuterte. "Es gab zuletzt höchstens Gewitterniederschläge, die oberflächlich abfließen und nicht in der Tiefe ankommen", so Luthardt, der für die Grünen für den Landtag kandi-diert.⇥Jörn Kerckhoff

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