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Neuzelle - Das Barock-Wunder

Neuzelle - Das Barock-Wunder

Jährlich pilgern etwa 200 000 Touristen nach Neuzelle in der Nähe von Eisenhüttenstadt. Der Ort besitzt einige der bedeutesten Kulturdenkmäler Brandenburgs - viel mehr - Europas. Das Kloster Neuzelle wurde 2014 nahezu komplett fertig saniert. 2015 eröffnete das Museum "Himmlisches Theater" mit einem aufwendig restaurierten Barock-Theater. Auch der Klostergarten sucht seinesgleichen in Deutschland.

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Historisches Gebäude sowie Neubau stehen vor der Fertigstellung / Museumseröffnung am 20. März 2015

Feinschliff im Neuzeller Kutschstall

Gut gesichert und auf Rädern unterwegs: Die hölzernen Figuren der noch nicht restaurierten Szenen aus der Passionsgeschichte lagern in einem extra geschaffenen, klimatisierten Depot im ehemaligen Kutschstall. Jan Battmer von der Stiftung Stift Neuzelle ha
Gut gesichert und auf Rädern unterwegs: Die hölzernen Figuren der noch nicht restaurierten Szenen aus der Passionsgeschichte lagern in einem extra geschaffenen, klimatisierten Depot im ehemaligen Kutschstall. Jan Battmer von der Stiftung Stift Neuzelle ha © Foto: Heike Hahn
Heike Hahn / 10.07.2014, 05:15 Uhr
Neuzelle (MOZ) Die Sanierung des ehemaligen Kutschstalls des Klosters Neuzelle ist abgeschlossen. Nun fehlt noch der Inhalt: das Museum. Im Anbau wird derzeit der Boden abgeschliffen, die Aufhängung für das Kulissentheater aus dem 18. Jahrhundert steht aber bereits.

Dort, wo einst Pferde mit ihren Hufen scharrten und vermutlich Stroh und Mist lagen, erstrahlt das Gewölbe nun ganz in weiß. Der rote Ziegelboden ist noch durch grobe Bau-Teppiche geschützt, Säulen am Zugang zur Baustelle sind mit Spanplatten ummantelt. Dort sollen künftig Mitarbeiter Gäste an einem Info-Tresen empfangen und sie auf die Ausstellung vorbereiten.

Am Wochenende hat Jan Battmer von der Stiftung Stift Neuzelle etwa 150 Besucher durch den ehemaligen Kutschstall geführt. "Das Interesse war riesig, nicht mal an der Historie, sondern allgemein an der Baustelle", erklärt Jan Battmer - selbst etwas überrascht. Das, was die Leute aus allen Himmelsrichtungen anlockt, ist aber nicht nur die aufwendige Sanierung des Kutschstalls. Es ist die spannende Konstruktion, die sich ihm anschließt.

Laute Schleifgeräusche dringen aus den "neuen Katakomben" des Kutschstalls. Der Anbau wurde aus 165 Tonnen Stahl und "jeder Menge Beton" gefertigt. Damit der das Bau-Ensemble auf der Klosteranlage optisch nicht dominiert oder gar den Blick verstellt, liegt der Betonbrocken unterhalb des Weinbergs. "Das löst viele Probleme", erklärt Walter Ederer, Kulturdirektor der Stiftung.

Zuerst einmal herrschen durch die unterirdische Verlagerung im Gebäude günstige, klimatische Bedingungen. Es ist keine aufwendige Fassadengestaltung notwendig, zudem gibt es auch keinen für Farben schädlichen Sonnenlicht-Einfall durch Fenster.

Im Inneren stehen die riesigen Metallgestelle bereits. In die Rahmen werden die einzelnen, bis zu sechs Meter großen Teile der Darstellung der Passionsgeschichte eingefügt und wie ein Puzzle kombiniert. Durch LED-Lichtbänke werden sie angestrahlt, das gibt einen 3D-Effekt für den Betrachter. Insgesamt 30 Teile wurden restauriert, 40 lagern noch in der Werkstatt in Wünsdorf. Der Rest der insgesamt 220 verbliebenen Platten wurden sorgfältig im eigens gebauten Depot im Kutschstall untergebracht.

Dort hängen die bärtigen, altertümlich gewandeten Männer, abgebildet auf den Holzplatten, in schmalen Regalen, die vertikal und dicht an dicht in dem Raum gedrängt wurden. Das Depot ist nicht zu vergleichen mit den staubigen Archiven von einst, es ist ein High-Tech-Raum. "Hier gibt es eine gesonderte Lüftungsanlage, die Temperatur wird konstant bei 18 Grad Celsius gehalten, die relative Luftfeuchtigkeit liegt bei 50 Prozent", erklärt Jan Battmer. Sollte dort drinnen mal ein Feuer ausbrechen, wird dieses von einer Stickstofflöschanlage gelöscht. "Eine Sprinkleranlage wäre wohl kontraproduktiv."

Die Substanz sei gesichert und die restaurierte Passionsdarstellung bald für die Öffentlichkeit zugänglich. Am 20. März 2015 ist Eröffnung. Wann die nächsten Szenen restauriert und ausgestellt werden können, ist ungewiss. "Ich schätze, in jedem Jahrzehnt eine Szene", so Ederer.

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