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Neuzelle - Das Barock-Wunder

Neuzelle - Das Barock-Wunder

Jährlich pilgern etwa 200 000 Touristen nach Neuzelle in der Nähe von Eisenhüttenstadt. Der Ort besitzt einige der bedeutesten Kulturdenkmäler Brandenburgs - viel mehr - Europas. Das Kloster Neuzelle wurde 2014 nahezu komplett fertig saniert. 2015 eröffnete das Museum "Himmlisches Theater" mit einem aufwendig restaurierten Barock-Theater. Auch der Klostergarten sucht seinesgleichen in Deutschland.

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Barockpracht noch im Weihnachtsglanz

Sehen und staunen: Kirchenführerin Barbara Kruschwitz (r.) gibt Silke und Thorsten Kaiber aus Weißwasser Erklärungen.
Sehen und staunen: Kirchenführerin Barbara Kruschwitz (r.) gibt Silke und Thorsten Kaiber aus Weißwasser Erklärungen. © Foto: Jörg Kotterba
Jörg Kotterba / 06.02.2017, 19:52 Uhr
Neuzelle (MOZ) Zum Barockwunder Brandenburgs wollten sie schon immer mal fahren - meinten am Sonnabend Silke und Thorsten Kaiber aus Weißwasser. Sie kamen mit Freunde nach Neuzelle und freuten sich auf die eineinhalbstündige Führung durch die noch weihnachtlich geschmückte Katholische Stiftskirche St. Marien. "Sie ist wirklich wunderschön", resümierte zur Vesperzeit Silke Kaiber. "Aber das Gotteshaus kann nicht beheizt werden. Das wusste ich nicht. Jetzt brauche ich erst mal einen heißen Tee..."

Auch Kaiber-Freund Jan Käppler war durchgefroren. Und trotzdem happy. "Ich habe hier eine Menge gelernt. Die Kirchenaufsicht erzählte lebhaft über die Geschichte und Bedeutung des Klosters, über die Architektur und Kunst. Und über manche Details. So vom Bild mit einer Neun im Herzen."

Sein Lob galt Fremdenführerin Barbara Kruschwitz, Angestellte im Katholischen Pfarramt. Die Expertin betonte stolz, dass hier vorrangig italienische und böhmische Künstler ihre Handschrift hinterlassen und ein künstlerisches Gesamtkunstwerk geschaffen haben, das mit allen Komponenten des süddeutschen Barocks ausgestattet wurde.

Mit der "Neun im Herzen" bezog sich Käppler auf eine Wandfreske an der Südwand der Stiftskirche. Titel: "Jesus ist zu Gast bei Zachäus". Barbara Kruschwitz klärte auf: Der böhmische Maler Georg Wilhelm Neunhertz (1689-1749) hatte sich mit seinem Nachnamen an der rechten Bildecke auf einem Krug verewigt, darauf ein Herz mit einer Neun.

"Unser Kloster hat etwas, was kein anderes hat", informierte Barbara Kruschwitz und führte die Teilnehmer der Samstag-Führung zum Kulissentheater mit den Passionsdarstellungen vom Heiligen Grab. Maler Joseph Felix Seyfried schuf anno 1750 die einst 240 großformatigen Tafeln mit Bildern, die den Leidensweg, die Grablegung und die Auferstehung Jesu darstellen. Vor zwanzig Jahren erst seien sie wiederentdeckt worden. Einige von ihnen sind schon aufwändig saniert.

Barbara Kruschwitz war Sonnabend nicht zu beneiden. Am späteren Nachmittag war eine weitere Führung geplant. Fünf Tage nach Lichtmeß wurde die Kirche abgeputzt. Mariä Lichtmeß ist bei den Katholiken das letzte Fest in der Weihnachtszeit.

Annähernd 140 000 Touristen zählt die Kirche pro Jahr. Viele von ihnen kehren anschließend auch in die seit dem 16. Jahrhundert bestehende angrenzende Klosterbrauerei ein.

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Verewigen Georg Wilhelm Neunhertz Weihnachtsglanz Barbara Kruschwitz Barockpracht

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