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Neuzelle - Das Barock-Wunder

Neuzelle - Das Barock-Wunder

Jährlich pilgern etwa 200 000 Touristen nach Neuzelle in der Nähe von Eisenhüttenstadt. Der Ort besitzt einige der bedeutesten Kulturdenkmäler Brandenburgs - viel mehr - Europas. Das Kloster Neuzelle wurde 2014 nahezu komplett fertig saniert. 2015 eröffnete das Museum "Himmlisches Theater" mit einem aufwendig restaurierten Barock-Theater. Auch der Klostergarten sucht seinesgleichen in Deutschland.

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Die Region erhofft sich damit einen nachhaltigen touristischen Aufschwung

Jubiläum
Neuzelle strahlt wie nie zuvor

Angestrahlt von der Frühlingssonne: Die Klosterkirche in Neuzelle am vergangenen Wochenende. Neuzelle steht in diesem Jahr ein ganz besonderes Jubiläum bevor.
Angestrahlt von der Frühlingssonne: Die Klosterkirche in Neuzelle am vergangenen Wochenende. Neuzelle steht in diesem Jahr ein ganz besonderes Jubiläum bevor. © Foto: MOZ/Dietrich Schröder
Ulrich Thiessen / 13.03.2018, 06:45 Uhr
Neuzelle (MOZ) Die Höhepunkte werden sich in diesem Jahr an der Oder überschlagen.

Das Barockwunder Neuzelle wird in einer Art gefeiert, wie es in Brandenburg bislang nicht üblich war. Die Region erhofft sich damit einen nachhaltigen touristischen Aufschwung.

Es war ein langer Weg, bis die ehemalige Klosteranlage zu dem Anziehungspunkt wurde, die sie heute ist. Als die Landestiftung 1996 gegründet wurde, herrschte allenthalben Skepsis. Bis 2014 dauerte es bis alle ehemaligen Liegenschaften (allein 9000 Hektar Wald plus Äcker und Wohngebäude) wieder auf die Stiftung übertragen waren. Es gab Rückschläge bei der Suche nach Nutzern für die vielfältigen Gebäude, es gab Widerstände in der Region und nicht immer die nötige Sensibilität in Potsdam für das weit entfernte Erbe. Ganz abgesehen von langwierigen Arbeiten an den Denkmälern.

Vergessen! Heute findet der Besucher zwei sanierte Kirchen in feinstem süddeutsch-böhmischen Barock, zwei Museen (eines davon mit dem in Europa einzigartigen Kulissentheater zur Passionsgeschichte) und einen barocken Terrassengarten, der in diesem Jahr noch weiter wachsen soll. 120 000 Besucher kommen jährlich nach Neuzelle. Laut Norbert Kannowsky, Geschäftsführer der Stiftung Stift Neuzelle, lassen Tagesbesucher mindestens 25 Euro in der Region, bei Übernachtungen durchschnittlich 125 Euro. Kannowski hofft, dass es in diesem Jahr 200 000 bis 240 000 Besucher werden und sich diese Zahl dann verstetigen wird.

Das Programm gibt eine solche Steigerung der Besucherzahlen allemal her. Der große Auftakt findet am 18. Mai statt. Dann wird in Neuzelle die diesjährige Veranstaltungsreihe Kulturland Brandenburg eröffnet. Zu den Höhepunkten 2018 gehören Open-Air-Konzerte des Brandenburgischen Staatsorchester Frankfurt (Oder), des Filmorchesters Babelsberg und des Landesjugendjazzorchesters vor der Kulisse der Klosterkirche.

Im Rahmen der jährlich stattfindenden Oper-Oder-Spree wird diesmal der  „Jedermann“ nach Hugo von Hoffmansthal mit Musik von Wolfgang Böhme aufgeführt. Als moderne Ergänzung zur Passionsgeschichte wird im Museum ein Jüngstes Gericht zu sehen sein. Im Herbst wird dann eine neu restaurierte Kulisse ausgestellt werden.

Sieben Bildhauer werden im Sommer im Barockgarten ihre Versionen von Putten in sächsischen Sandstein hauen und ein Gartenfest mit Musik, Kunst und Feuerwerk macht der langen Nacht von Sanssouci dieses Jahr Konkurrenz. Bereits im April beginnt unter dem Titel „Gott und die Welt“ eine fünfteilige Diskussionsreihe mit Gregor Gysi und dessen Gästen. Nicht zu vergessen eine Fotoreportage von Schülern über Schlösser und Herrenhäuser beiderseits der Oder in der Orangerie.

Für Norbert Kannowski ist am 7. Oktober die Präsentation des reich illustrierten Stiftsatlas von 1758 ein Höhepunkt des Jubiläumsjahres. Der Prachtband entstand nach umfangreichen Vermessungen, um Liegenschaftsstreitigkeiten zwischen den Mönchen und Bauern der Region beizulegen und liegt normalerweise im Panzerschrank der Berliner Staatsbibliothek.

Natürlich kommt im Jubiläumsjahr auch das geistliche Leben nicht zu kurz. Das katholische Bistum Görlitz, zu dem Neuzelle gehört, wird zwei Wallfahrten zur Stiftskirche organisieren. Außerdem ist damit zu rechnen, dass nach der Rückkehr der ersten Zisterzienser im vergangenen Jahr es 2018 zur Neugründung eines Konvents kommen wird.

Bildungsministerin Martina Münch (SPD) betonte am Montag, dass Neuzelle mit seinem Miteinander von evangelischer und katholischer Kirche ein Ort spiritueller Ausstrahlung wird. Hier sei ein Ort der lebendigen konfessionellen Kooperation zu erleben.

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