Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Die Niederlande sind eine parlamentarische Monarchie. Zusammen mit Belgien und Luxemburg bilden sie die Benelux-Staaten. Staatsoberhaupt ist König Willem-Alexander, Regierungschef ist der Ministerpräsident Mark Rutter. Die Hauptstadt heißt Amsterdam, Regierungssitz ist Den Haag.

© Foto: dpa

Fußball
Mikroplastik: "Wir retten damit nicht die Welt"

Steffen Kretschmer / 22.07.2019, 22:37 Uhr
Oberhavel (moz) Eine geplante EU-Richtlinie zur Vermeidung von Mikroplastik könnte für die Glienicker Sportler das komplette Chaos bedeuten. "Geht das durch, würde uns das schwer treffen", sagt Roland Kerst. "Wir hätten von heute auf morgen keinen Trainings- und Spielbetrieb mehr." Noch kann sich der stellvertretende Vorsitzende der Glienicker Fortuna allerdings nicht vorstellen, dass es zu einem allgemeinen Verbot von Granulat auf Kunstrasenplätzen kommt. "Wir retten nicht die Welt, wenn wir plötzlich nicht mehr auf solchen Anlagen spielen."

Hohe Nutzungsfrequenz

Das sieht das Fraunhofer-Institut für Umwelt allerdings anders. Einer Studie zufolge gelange durch Granulat auf Sportplätzen mehr Mikroplastik in die Umwelt als durch Verpackungen und durch Textilwäsche. "Es ist zwar schön, dass alles reguliert werden soll, aber gerade in Ballungsräumen ist ein Kunstrasen alternativlos", kontert Kerst. "Hier in Oberhavel gibt es ja nicht einmal so viele solcher Anlagen. Den Berliner Fußball würde man damit aber gänzlich töten. Bei uns ist der Platz, gemeinsam mit dem SV Glienicke, montags bis freitags zwischen 15 und 22 Uhr komplett belegt. Einen Naturrasen könnte man bei dieser Belastung nicht derart pflegen, dass er wettbewerbsfähig bleibt."

Eine ähnlich hohe Frequenz der Platznutzung wie in Glienicke gibt es auf der Anlage des Oranienburger FC Eintracht an der André-Pican-Straße. Deshalb wären auch die Konsequenzen dort mit denen an der Bieselheide zu vergleichen. Auch Ralf Leiskau, Technischer Leiter des OFC, spricht von einem "gravierenden Einschnitt", sollte es durchgesetzt werden, dass der Kunstrasen nicht mehr genutzt werden kann. "Wir wären aufgeschmissen und müssten dann noch andere Gremien mit ins Boot holen. Nun warten wir aber erst einmal ab", so Leiskau.

Kommunen bleiben entspannt

Diesem Credo schließen sich auch die jeweiligen Kommunen an, welche die Plätze ihrer Vereine oftmals zu großen Teilen mitfinanziert haben. Die Verwaltungen bleiben ruhig und wollen abwarten, was kommt. Er gehe sowieso davon aus, dass eine solche EU-Richtlinie "plattgemacht" werde, sagt Glienickes Bürgermeister Hans Günther Oberlack.

Auch der nagelneue Kunstrasenplatz des SC Oberhavel Velten ist durch Gelder der Stadt und Fördermittel des Landes Brandenburg entstanden. Und doch hat die derzeit von vielen Seiten hochkochende Debatte dem Nutzer keine Ruhe gelassen. Der Verein ist nach den aufkommenden Meldungen vom Verbot von Mikroplastik selbst aktiv geworden und hat versucht, sich zu informieren. Noch am Sonntag sei eine Anfrage zu diesem Thema an den Hersteller gegangen, sagt SCO-Vizepräsident Thorsten Leue. Die Antwort werde nun zeitnah erwartet und dann schnellstmöglich auf den Tisch kommen. Wie die ganze Problematik an sich. "Wir werden auf einer Sitzung am Mittwoch alles besprechen", so Leue. Denn: Sollte es Schwierigkeiten geben, die auch die Nutzung des Veltener Platzes betreffen, wäre das "eine Katastrophe für uns".

Nächstes Problem: Es klebt wieder in Glienicke

Eigentlich dachten die Glienicker Vereine SV und Fortuna, dass sie sich mit diesem Problem nicht mehr beschäftigen müssen. Doch das Bespielen des Kunstrasenplatzes an der Bieselheide ist derzeit nicht ganz einfach. Wie bereits vor einem Jahr gibt es Verklumpungen.

"Das sollte nicht mehr passieren", sagt Roland Kerst, stellvertretender Vorsitzender bei Fortuna Glienicke. Das alte Gummigranulat sei abgesaugt und ein moderner Belag aufgebracht worden.

2018 hatte die Gemeinde den Kunstrasenplatz sogar kurz vor dem Saisonstart gesperrt, weil es zu gefährlich war, darauf zu spielen. Das Granulat klebte fest an den Schuhen (kleines Bild oben). "Wenn man jetzt zehn Minuten auf dem Platz läuft, ist das leider wieder so", sagt Kerst. "Die Gemeinde haben wir darüber in Kenntnis gesetzt." Die Glienicker Vereine hoffen nun allerdings, dass es eine zwischenzeitliche Platzsperre diesmal nicht geben wird. Denn auch jetzt startet schon bald der Spielbetrieb.Die Gemeinde wolle der Sache nachgehen, heißt es. Tatsächlich dürfte es zu keinen Verklebungen kommen, da 2018 Sand auf den Platz gebracht worden sei. Spekuliert wird nun darüber, ob vielleicht Spuren vom alten Belag zu den neuen Problemen führen.⇥skr

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2019 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG