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Glienicke kauft Pumpen: Mit Flutboxen gegen vollgelaufene Keller

Bürgermeister Hans Günther Oberlack und Gemeindebrandmeister Heiko Glyz mit einer Flutbox. Zum Set gehört neben einer Pumpe ein 15 Meter langer Schlauch.
Bürgermeister Hans Günther Oberlack und Gemeindebrandmeister Heiko Glyz mit einer Flutbox. Zum Set gehört neben einer Pumpe ein 15 Meter langer Schlauch. © Foto: Heike Weißapfel/OGA
Heike Weißapfel / 04.08.2017, 14:45 Uhr
Glienicke (OGA) Zehn sogenannte Flutboxen lagern jetzt im Glienicker Feuerwehrdepot. Künftig können die Pumpen kostenlos an von Starkregen Betroffene ausgeliehen werden.

Ein 15 Meter langer Schlauch von 51 Millimetern Durchmesser gehört zu dem Set, das Bürgermeister Dr. Hans Günther Oberlack (FDP) und Gemeindebrandmeister Heiko Glyz am Freitagvormittag zur Ansicht ausgepackt haben.

"Wir hoffen, dass sich Betroffene damit dann in ihren vollgelaufenen Kellern unabhängig von der Freiwilligen Feuerwehr selbst helfen können", sagt Oberlack. Das leistungsstarke Gerät schafft es, gute neun Kubikmeter Wasser pro Stunde zu pumpen. Zum einen würden die Feuerwehrkräfte damit weniger gebunden und könnten wieder woanders im Einsatz sein, und zum anderen ginge es schneller, wenn mehrere Häuser betroffen sind. Die Flutboxen sollen von der Feuerwehr an Einwohner verliehen werden, deren Haus sich an neuralgischen und damit besonders gefährdeten Punkten in der Gemeinde befindet. Die Ausleihe ist auch kostenlos, während ein Feuerwehreinsatz unter Umständen bezahlt werden muss. Knapp 4 000 Euro haben die Pumpen gekostet.

Evelyn und Jan Klein in ihrer "Boutique am Teich" in unmittelbarer Nähe des Dorfteichs nützt das leider gar nichts. Seit Wochen steht ihr Keller unter Wasser - und sie sind umso schlimmer betroffen, als dieser auch als Verkaufsraum dient. Nun hängt die Kleidung so zusammengedrängt im oberen Raum, dass Kunden sie nur schwer ansehen können. Mehr als ein Notverkauf ist es nicht.

Noch immer steht das Wasser unten stellenweise einen Zentimeter hoch, weil es immer neues nachkommt. Der Altbau an der Ecke steht der tiefsten Stelle im Ort. Zwar ist das Wasser im Dorfteich inzwischen gesunken, doch immer wieder drückt das Schichtenwasser nach.

Auf dem Teppich der Treppe zum unteren Raum zeichnen sich seine nassen Sohlen ab. Jan Klein steht im Blaumann im Keller, er sieht müde aus. Er ist aber nicht nur frustriert, sondern auch verärgert. "Seit fünf Wochen stehen wir im Dreck. Die Gemeinde hilft mir nicht", sagt er. "Sie hätten sich früher kümmern müssen. Aber wenn man sie braucht, sind sie nicht da." Für 170 000 Euro ordern die Boutique-Besitzer Ware im Jahr. Nun wissen sie nicht, wohin damit, und wer sie kaufen soll.

"Aber was sollen wir tun? Das ist nun mal höhere Gewalt", sagt Oberlack. Er verstehe vollkommen, dass Familie Klein ärgerlich sei. "Aber wir können das Wasser nicht beliebig ableiten, und es würde auch nichts nützen. Im Augenblick geht im Grunde nicht viel mehr, als zu warten, bis das Schichtenwasser wieder sinkt." Er habe sich beim Landkreis dafür eingesetzt, dass Familie Klein Mittel aus dem Nothilfe-Fonds erhalte. Ob es dazu komme und wie viel das sein werde, soll aber erst am Montag feststehen.

"Alte Glienicker sagen mir, so voll wie vor einigen Wochen sei der Teich noch nie gewesen", so Oberlack. Sobald der Dorfteich ausgebaggert und damit um 1,30 Meter tiefer sei, würde er auch mehr Oberflächenwasser aufnehmen können, wenn das auch fürs andrängende Grundwasser nicht viel helfe. "Wir werden in der Gemeindevertretung besprechen müssen, welche Konsequenzen wir aus dem Starkregen ziehen wollen."

"Wir fragen uns, ob wir renovieren oder überhaupt zumachen", sagt Jan Klein bitter. Nach einem Fototermin mit einer Pumpe, die er nicht mal nutzen könnte, weil das Wasser sowieso wieder nachläuft, steht ihm und seiner Frau jedenfalls nicht der Sinn. Zu allem Überfluss habe er ausgerechnet am Donnerstag eine Nachricht von der Gemeinde bekommen, dass in der Gartenstraße ein neuer Regenwasserkanal gebaut werden soll. Dafür werden natürlich Anliegerbeiträge fällig. Als Eckhaus bezahlt er nach der Hattwichstraße dann das zweite Mal. Es ist zwar noch kein Bescheid, sondern eine Ankündigung, und der Kanal wird erst nächstes Jahr gebaut - aber gerade liest es sich wie Hohn.

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