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Seit 20 Jahren gibt es zwischen Sachsendorf und Werder das sogenannte Indianerdorf. Die Bewohner machen auch Mittelalter-Musik.

Aussteiger
Mit Dudelsack im Indianerdorf

Cornelia Link-Adam / 24.05.2019, 10:00 Uhr - Aktualisiert 24.05.2019, 10:47
Sachsendorf (MOZ) Nein, Winnetou lebt nicht im Oderland. Wohl aber Sebastian Schulz und seine Freunde, die seit 20 Jahren der Philosophie der Indianer nacheifern. Ganz bewusst haben sie sich vor zwei Jahrzehnten hier ihren Traum der alternativen Lebensform aufgebaut. 1996, als alles mit der Aussteiger-Idee begann, befand sich auf dem Areal zwischen Sachsendorf und Werder nur Acker. Schulz kaufte sich mit zwei Freunden das zwei Hektar große Areal, lebte anfangs in Tipi-Zelten, pflanzte Bäume, legte Gärten an. Die drei Freunde aus Jugendtagen wollte andere Werte leben und vermitteln. "Wir wollten den Kindern zeigen wie man einfach leben kann", erinnert er sich. Das große Indianerhaus hat er gebaut. Über die Jahre kamen weitere Gebäude hinzu. Alle aus Holz, auf Stelzen, falls das Oderhochwasser mal wieder kommt. "Wir leben autark", fügt Claudia Harris an, Sebastians Frau. Sie kocht Kaffee. Wasser dafür filtern sie aus den Regenwassertonnen und dem nahen Fluss, der Seelake. Strom gibt es auch, der durch das Windrad und die Solarplatten auf dem Hof erzeugt wird. "Wir leben einfach aber haben alles was wir brauchen", betonen sie. Natürlich haben sie Computer, Mobiltelefone, einen Kühlschrank. Für wohlige Wärme in den Räumen sorgen Öfen. Beheizt werden diese mit Holz vom Grundstück. Wäsche flattert im Wind, gewaschen ganz traditionell mit ökologischer Lava-Seife, Waschbrett und Stampfer in der Wanne. Außerdem gibt es ein Badehaus zum Treffpunkt aller für die Körperhygiene. Und ein Plumpsklo. Dessen Reste landen auf dem Kompost.

Das Indianerdorf – mit eigener postalischer Anschrift und amerikanischem Briefkasten – hat sieben Bewohner. Es sind Familien mit Kindern. "Wir haben hier mit bis zu zwölf Tipis früher viele Ferienlager gemacht und den Kindern die Lebensform der Indianer näher gebracht", erinnert sich Schulz. Natürlich mit eigenen Pferden auf der Koppel. Mit den Oderländern habe man guten Kontakt, sich öfter präsentiert.

Mittelalter-Musik

Als vor Jahren das Interesse an Reitershows und Indianerfesten deutschlandweit nachließ, kehrten sie zu ihren Wurzeln zurück. Schließlich sind einige der Bewohner auch seit 20 Jahren selbstständige Musiker. Mit Songs des Mittelalters verdienen sie nun als Band "Cradem Adventure" (Krach & Abenteuer) mit Künstlernamen aber auch selbstgebauten Dudelsäcken und Trommeln ihr Geld. Das beiße sich nicht mit der Indianer-Philosophie sondern ergänze sie. Sie treten europaweit auf Festen und Märkten auf. Mit dabei ist Bewohnerin Jana Baumgart, die Köchin. "Ich habe die Soljanka nach Franken gebracht." Am 22. Juni werden sie beim Johannesfest in Forst spielen und freuen sich danach alle wieder auf die Ruhe am Indianerdorf.

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Beheizen Jana Baumgart Indianerdorf Sebastian Schulz Dudelsack

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