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Unter dem Titel "Treibhaus Oderbruch" ist am Sonntag im Oderbruch-Museum Altranft die Hauptausstellung zum Jahresthema eröffnet worden.

Ausstellung
Folientunnel im Gewölbekeller

Steffen Göttmann / 24.06.2019, 07:00 Uhr
Altranft (MOZ) Wer den Gewölbekeller des Schlosses Altranft betritt, findet sich in einem Folientunnel oder Gewächshaus wieder. Der Künstler Jakob Rüdrich  aus Wilhelmsaue hat in den alten Gewölbekeller Metallstreben eingezogen und sie mit Folie verkleidet. Auf den Pflanztischen gedeiht die ganze Vielfalt von Siedlungsformen, wasserbaulichen Anlagen und auch die derzeit die Landschaft stark verändernden Elemente wie Windräder, Photovoltaikanlagen sowie die Eugal-Leitung, deren Rohre sich aktuell durch die Region ziehen, die aber bald unter der Erde verschwunden sein werden.

Typische Bauten

Jakob Rüdrich ist in Wilhelmsaue aufgewachsen und lebt dort. Das Oderbruch ist ihm von Kindesbeinen an vertraut. Er stellte unterschiedliche Siedlungsformen, Rundlinge wie Altwriezen oder Angerdörfer wie Neulietzgöricke dar. Der Besucher wird zudem mit Baumaterialien des Oderbruchs vertraut gemacht. Loose-Gehöfte sind mit Steinen dargestellt, Plattenbauten mit Bauschaum, eine Zuckerfabrik aus Beton und das Schiffshebewerk aus Metall.

Beschäftigt hat er sich auch mit Brettbinderscheunen ganz aus Holz, die in der DDR aus der Ressourcenknappheit heraus aus gleich großen Brettern zusammengenagelt worden seien. Von ihnen gebe es viele im Oderbruch. Rüdrich zeigt ein Schnittmodell in der Ausstellung. "Ich zeige die Anfänge und Grundlagen bis zur Fertigstellung", sagte Jakob Rüdrich bei der Eröffnung am Sonntagvormittag. Grundlagen sind Schöpfwerke, die Kulturlandschaft erst ermöglichen. Rüdrich versteht die einzelnen Bausteine im Oderbruch als "herangezogene Gewächse". Für die Klanginstallationen in Hintergrund hat der Künstler, von Hause aus Musiker, Geräusche im Oderbruch aufgenommen und miteinander kombiniert.

Zur Baukultur gib es auch wieder ein Theaterstück. Katharina Sell und Frank Hirrich vom mobilen Theater Ernstheiter spielen selbst sowie mit Puppen und nur wenig Requisiten Geschichten, die in markanten Altranfter Gebäuden spielen. Zur Eröffnung gab es eine Geschichte aus dem Leben der Familie des Fischers, die sich mit zwei Landarbeiterfamilien das Fischerhaus teilten. Ein weitere Episode spielte in der schwarzen Küche des Kössäten- oder Mittelflurhauses, das zu den ältesten Gebäuden Altranft gehört. Der Landkreis hat das baufällige Haus für einen symbolischen Preis an die Häuserretter aus der Uckermark verkauft, die es für museale Zwecke herrichten wollen.

Haus verbunden mit Landschaft

"Uns ging es ums Selbstbauen, um Erfahrungen mit Handwerkern, Verwaltungen und  die Verbindung  vom Haus zur Landschaft", sagte Kenneth Anders, Leiter des Programmbüros des Oderbruch-Museums bei der Eröffnung. "Landschaft im Oderbruch und Haus sind stark miteinander verknüpft." Die Gefahr durch Hochwasser spiele dabei auch eine Rolle. Mit dem Denkmalschutz haben sich die Museumsleute weniger beschäftigt. "Das maßen wir uns nicht an, denn dazu fehlt uns das Fachwissen", fügte er hinzu. Interessant sei die Geschichte der Häuser, die auch etwas von der Landschaftsgeschichte erzählt.

Ausstellung und Darbietung kam beispielsweise bei Horst Wilke, ehemaliger Bürgermeister von Neulewin gut an. Margot Prust vom Chamisso-Museum in Kunersdorf lobte die "enorme Kreativität", die sich im Museum offenbare. "Ich finde das Gesamtkonzept einfach toll", betonte Margot Prust.

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