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Die Diagnose Krebs ist meist ein Schock und wirft dann viele Fragen auf. Da tut es gut, wenn sich Betroffene austauschen können.

Onko-Café
Hilfe auch für Angehörige

Zwei der drei onkologischen Fachschwestern im Krankenhaus Märkisch-Oderland: Silke Bonow-Jahncke und Mandy Kobitz (r.) betreuen mit weiteren Kollegen das Onko-Café in Wriezen und Strausberg. Meist steht ein konkretes Thema im Mittelpunkt.
Zwei der drei onkologischen Fachschwestern im Krankenhaus Märkisch-Oderland: Silke Bonow-Jahncke und Mandy Kobitz (r.) betreuen mit weiteren Kollegen das Onko-Café in Wriezen und Strausberg. Meist steht ein konkretes Thema im Mittelpunkt. © Foto: Anett Zimmermann
Anett Zimmermann / 16.07.2019, 06:00 Uhr
Wriezen/Strausberg (MOZ) Fatigue und Depression bei Tumorpatienten" lautet an diesem Nachmittag das Thema im Onko-Café im Mehrzweckraum des Darmzentrums in Wriezen. Mandy Kobitz, onkologische Fachschwester im Krankenhaus Märkisch-Oderland, hat seit einer Stunde Feierabend. Doch für das Onko-Café, dass seit Frühjahr 2018 angeboten wird, verschiebt sie den schon mal nach hinten. Die Idee, so erzählt die 44-Jährige, gehe allerdings auf ihre Kollegin Annett Schilling zurück. "Sie hat 2013 ihre Facharbeit dazu geschrieben und in dem Zuge auch mit uns über die Umsetzung gesprochen." In Carola Koppitz, Pflegedienstleiterin im Krankenhaus Märkisch-Oderland, habe man sofort eine Unterstützerin gefunden. "Weil es so etwas bei uns noch nicht gab", sagt Mandy Kobitz und verweist auf mehrere Treffen, ehe dann zum ersten Mal zum Onko-Café eingeladen worden sei.

Kollegen ziehen mit

Es findet seit Jahresbeginn im Wechsel zwischen Wriezen und Strausberg statt. Zudem helfe je nach Bedarf ein halbes Dutzend Schwestern. "Es ist toll, wenn man weiß, dass man Kollegen um Hilfe bitten kann und diese auch erhält." Eine der drei onkologischen Fachschwestern – dazu zählt noch Silke Bonow-Jahncke von der Palliativstation in Strausberg – sei immer dabei. "Mitunter wird während des Onko-Cafés die Therapie fortgesetzt", erläutert Mandy Kobitz und fügt hinzu: "Da können wir, wenn es sein muss, sofort eingreifen." Zielgruppe des Onko-Cafés seien Krebspatienten und deren Angehörige, wobei der Schwerpunkt bei den Darmkrebspatienten liegt. Der Grund liege auf der Hand. "Bei anderen Krebsarten gibt es Selbsthilfegruppen, auf die wir Patienten aufmerksam machen können."

Zum festen "Stammpersonal" gehören inzwischen ebenfalls Psychologin Veronika Malt und eine Physiotherapeutin. Fünf bis sechs Betroffene nutzen, so Mandy Kobitz, regelmäßig das Angebot des Onko-Cafés. Warum auch immer seien die Männer stärker vertreten als die Frauen. Der Einzugsbereich reiche unterdessen bis nach Eberswalde. "Einige Betroffene, die wir stationär betreut haben, kommen hierher nach Wriezen zurück, um sich auszutauschen." Vielleicht, weil sie sich etwas mehr Anonymität versprechen, kann sich Mandy Kobitz vorstellen.

Um Patienten aus beiden Krankenhaus-Standorten gerecht werden zu können, habe man sich für die Wechsel zwischen Strausberg und Wriezen in einem festen Rhythmus entschieden. "So gibt es auch mal für uns Fachschwestern eine Pause." Das helfe letztlich sogar bei der Themenfindung. "Die Resonanz kann sich sehen lassen", findet Mandy Kobitz, geht aber davon aus, dass sich an diesem Nachmittag die Urlaubszeit bemerkbar machen wird. So sei der neu für Wriezen zuständige Psychoonkologe ebenfalls verhindert. "Es wäre schön, wenn er sich dann beim nächsten Mal vorstellt."

Bevor die ersten Interessierten eintreffen, will Mandy Kobitz im Mehrzweckraum sein. "Der ist bestimmt schon vorbereitet", sagt sie und meint damit Kaffee und kleine Aufmerksamkeiten aus der Küche. Und staunt mit Silke Bonow-Jahncke – Annett Schilling kann diesmal nicht dabei sein – dann doch ein bisschen. Drei Frauen sitzen bereits in der Runde, eine Vierte kommt kurz darauf. "Ich begleite meinen Lebensgefährten und kann hier immer etwas mitnehmen", sagt sie. Sie sei von Beginn an dabei und findet es toll, wie das Onko-Café läuft. Je nach Thema würden sie auch die etwa 25 Kilometer mehr nach Strausberg fahren. Sie wünscht sich nur eines: mehr Teilnehmer. "Eine Selbsthilfegruppe sollte immer aus mehreren Personen bestehen. Dann ist auch ein besserer Austausch möglich." Und von einem Neuling heißt es: "Es hat heute einfach gepasst. Ich bin schon ganz gespannt."

Termine

Das Onko-Café im Krankenhaus Märkisch-Oderland findet jeden zweiten Donnerstag im Monat statt – in den geraden Monaten von 14 bis 15.30 Uhr auf Station 5 des Darmzentrums in Strausberg. Das nächste Mal also am 8. August, danach am 10. Oktober und 12. Dezember. Um Anmeldungen unter Telefon 03341 52-22250 wird gebeten. Im Mehrzweckraum des Darmzentrums in Wriezen treffen sich Krebspatienten und Angehörige in den ungeraden Monaten, damit wieder am 12. September und dann am 14. November jeweils zwischen 14 und 15.30 Uhr. Anmeldungen unter Telefon 033456 40-205. Kurzentschlossene, die am Oko-Café teilnehmen möchten, sind an beiden Standorten aber stets willkommen.⇥azi

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