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Die neue Stadtumbaustrategie sieht am alten Klinikum ein neues Quartier vor. Eine Bebauung des WK IV mit Eigenheimen ist dagegen vorerst nicht geplant.

Stadtumbau
Frankfurt lenkt um - von Abriss zu Aufbau

Thomas Gutke / 22.08.2019, 20:15 Uhr - Aktualisiert 23.08.2019, 07:03
Frankfurt (Oder) (MOZ) Die Verwaltung hat am Mittwoch im Stadtentwicklungsausschuss die Stadtumbaustrategie bis 2030 vorgelegt. Das Papier bildet die Grundlage für eine Förderung aus dem neuen Stadtumbauprogramm des Bundes. Und es sieht einen Paradigmenwechsel vor – Aufbau statt Abriss. Der Rückbau in den Außenbezirken wird gestoppt, die Innenstadt weiter gestärkt, neue Quartiere entstehen.

Seit 2002 wurden in Frankfurt über das Programm Stadtumbau Ost 10 545 Wohnungen zurückgebaut. Der Grund dafür ist bekannt: der dramatische Bevölkerungsschwund nach der Wende. Ohne Abriss gäbe es heute einen Wohnungsleerstand von 42 Prozent.

17 Jahre später ist die Situation eine andere. Die aktuelle Bevölkerungsprognose sieht bis 2030 nur einen leichten Trend nach unten. Die Stadt selbst hofft über die Zuzugskampagne sogar auf ein Einwohnerplus Richtung 60 000. Auf dieser Basis arbeitet die Verwaltung seit gut einem Jahr an einer Neuausrichtung ihrer gesamtstädtischen Planung. Das Integrierte Stadtentwicklungskonzept soll Anfang 2020 fertig sein. Die Stadtumbaustrategie ist ein Teil davon. Die förderfähigen Stadtumbaugebiete umfassen das Zentrum, Teile von Nord, Südwest und Neuberesinchen. Für diese sind im knapp 100 Seiten starken Strategiepapier eine Vielzahl von teils geplanten, teils bekannten Maßnahmen beschrieben – von der Sanierung des Alten Kinos bis zur Renaturierung der Birkenallee.

Chance für das Kießlinghaus

"Es wird keinen geförderten Abriss großer Gebäude mehr geben", nennt Baudezernent Jörg Gleisenstein (Grüne) einen Eckpfeiler für alle Stadtumbaugebiete. Nur vereinzelt können künftig noch Wohnungen zurückgebaut werden. Dann vor allem mit dem Ziel, den Bestand attraktiver zu machen, wenn etwa mehrere Wohnungen zu einer zusammengelegt oder Gebäude geschossweise verkleinert werden.

Die Stadtumbaustrategie zielt vor allem auf die Aufwertung von Wohnvierteln durch Sanierung und Neugestaltung. Gleichzeitig soll Raum für Neues geschaffen werden. Ein wichtiger Baustein ist dabei das ehemalige Krankenhaus in der Heilbronner Straße und das daran anschließende alte Bahngelände samt Kießlinghaus. Die Fläche zwischen Allianzdreieck, Heilbronner Straße und Bahnhofstraße wurde – in Absprache mit dem Land – neu in die Förderkulisse mit aufgenommen. Der Name des neuen Quartiers: Am ehemaligen Botanischen Garten. Denn an dieser Stelle betrieb die Universität Viadrina bis 1811 einen eben solchen.  Mit seinen leerstehenden Gebäuden und Brachflächen erinnere das Areal gegenwärtig "städtebaulich eher an ein schwarzes Loch", meint Jörg Gleisenstein. Ziel sei es, das – stadteigene – Krankenhausgelände zu einem Campus zu entwickeln. "In mindestens einem großen Gebäude sollen Studenten wohnen", sagt er. Viele weitere Nutzungen seien denkbar: Sportflächen, Büros, Ateliers, Pflegeeinrichtungen. "Mit der neuen Förderkulisse schaffen wir auch eine Grundlage zur Rettung des Kießlinghauses". Denn nach mehr als 25 Jahren Leerstand gebe es nunmehr einen Interessenten, der vorhabe, die Ruine zu sanieren.

Umstrittenster Punkt in der Stadtumbaustrategie dürfte der Umgang mit dem früheren vierten Wohnkomplex (WK IV) in Neuberesinchen sein. Gemeint sind die begrünten Abrissflächen zwischen der Birkenallee, dem Straßenbahngleis und Am Goltzhorn. Die Stadt hat – auf Antrag der CDU – geprüft, ob der WK IV als Standort für den Bau von Einfamilienhäusern geeignet ist. Doch "aktuell macht das keinen Sinn", sagt Jörg Gleisenstein und nennt vielfältige Gründe.

Platz für 1800 neue Wohnungen

In der Stadt gäbe es genug bestehende oder geplante Bauareale mit Platz für rund 1800 Wohnungen in Ein- oder Mehrfamilienhäusern. Dazu zählen die neue Gartenstadt  Süd, das Jungclaussen-Viertel, das Viertel am Winterhafen oder Altberesinchen-Ost. Abgesehen davon sei die Erschließung des WK IV langwierig und teuer. Es bräuchte einen Bebauungsplan, auch die verschiedenen Eigentümer müssten sich einig sein. Und:  "Das ist zwar eine grüne Wiese, aber trotzdem nicht einfach zu bebauen. Darunter  liegt noch die ganze alte Infrastruktur für die Blockbebauung", so Gleisenstein. Allerdings werde die Stadt den Markt im Blick behalten und bei einem höheren Bedarf an Eigenheimflächen notfalls auch gegensteuern.

Die Stadtumbaustrategie wird in den nächsten Wochen in den Ausschüssen diskutiert. Der Beschluss der Stadtverordneten ist für den 24. Oktober geplant. Erst dann kann die Stadt die Bewerbung für das Stadtumbauprogramm abschließen. Laut Jörg Gleisenstein darf Frankfurt im nächsten Jahrzehnt auf Fördermitteln in Höhe von 25 bis 30 Millionen Euro hoffen.

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