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Traditions-Handwerk
Ein Hobby-Drechsler aus Kappe beim Laternenzauber

Wolfgang Gumprich / 06.12.2019, 19:45 Uhr
Zehdenick Ein Besuch auf einem Weihnachtsmarkt gab vor Jahren den Anstoß: "Das will ich auch!" Werner van Ham hielt dort eine hölzerne Schale in der Hand, das Holz schmeichelte seinen Fingern, der Glanz des Materials faszinierte ihn. Wohl auch, weil er beruflich mit dem Handwerk nichts zu tun hatte.

Van Ham, der im Zehdenicker Ortsteil Kappe zu Hause ist, stammt aus dem Elbtal bei Boizenburg. Das ist eine Gegend, die eigentlich zu Mecklenburg-Vorpommern gehörte, 1993 aber dem Landkreis Lüneburg zugeordnet wurde, also nun in Niedersachsen liegt. Er arbeitete im diplomatischen Dienst der DDR und wurde nach der friedlichen Revolution von 1989 Innovationsberater, wie er erzählt.

Erfolge schnell sichtbar

Mit dem Eintritt ins Rentenalter verwirklichte er seinen Wunsch und kaufte sich Drechselbank, Bandsäge, Poliermaschine sowie verschiedene Beitel. Das Holz bekam er von den Nachbarn: Mal wurde eine Hecke beschnitten, mal ein Baum gefällt.

"Als Rentner muss man sich ja unbedingt eine Beschäftigung suchen", stellte er fest und belegte einen Kursus bei einem Drechslermeister im Erzgebirge, den "Rest" brachte er sich selbst bei. "Man hat schnell Erfolge, bei einem Fehler macht es ‚knacks‘". In seinem Garten hat er in einer Laube seine Werkstatt eingerichtet, es riecht nach Holz und Spänen.

Hier verbringt Werner van Ham viele Stunden, sucht ein passendes Stück Holz für seine Idee, sägt es mit der Bandsäge passend, spannt es dann auf die Drechselbank. Der Motor lässt sich elektronisch regeln, so dass er stets die Geschwindigkeit seinem Tempo anpassen kann. Den Beitel führt er nun mit der Hand an dem sich drehenden Stück Holz entlang, die Späne fliegen. So formt er langsam aus einem groben Klotz eine Schale oder filigrane Tropfen.

Schalen und Kerzenständer

Seine Werke entstehen immer aus gewachsenem Holz, er klebt seine Exponate nicht zusammen. So bleiben Holzwurmgänge sichtbar. Erst nach mehreren Schleifvorgängen erhält jedes Stück den sprichwörtlichen "letzten Schliff". Und es ist auch sichtbar, wie verschieden selbst die einzelnen Baumarten sein können. Eine Birne kann hellgelb, aber auch dunkelgelb sein. Pflaumen sind tiefrot.

Mehr als 20 unterschiedliche Baumsorten lagert Werner van Ham. Sie müssen etwa ein Jahr ruhen, bevor sie unter die Säge kommen und auf die Drechselbank gespannt werden. Dort entstehen unterschiedlich große Schalen, je nach Holzart mal dunkel mal heller, Kerzenständer, Halter für Teelichte.

Die Ergebnisse sind beim Laternenzauber heute in Zehdenick zu bewundern – und zu kaufen.

Uta Kupsch, in Zehdenick für das städtische Marketing verantwortlich, freut sich über das Angebot – noch dazu, weil es von Zehdenickern unterbreitet werde. Werner van Ham ist an seinem Standort auch gut aufgehoben. Im Hof der Gewo und vor allem in ihren Vereinsräumen unterbreiten die Kunstfreunde nebenan einen Galerie-Zauber. In anderen Höfen wird auch Kunsthandwerk angeboten.

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