Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

MOZ-Austauschjournalist Jeffrey Hernaez ist die Bierkultur nicht fremd / In seiner Heimat auf den Philippinen wird der Gerstensaft mit Banketten und Konzerten gefeiert

Durch Bier geeint
Es ist immer noch Oktoberfest – am unwahrscheinlichsten Ort

Auf der Suche nach Geschmack: Austauschjournalist Jeffrey Hernaez kann sich zwischen den Sorten der zahlreichen deutschen Biere gar nicht entscheiden.
Auf der Suche nach Geschmack: Austauschjournalist Jeffrey Hernaez kann sich zwischen den Sorten der zahlreichen deutschen Biere gar nicht entscheiden. © Foto: Katrin Hartmann
Jeffrey Hernaez / 13.10.2018, 08:00 Uhr
Frankfurt (Oder)/Manila (MOZ) Traditionell ist zwar Ende September Beginn des Bierfests, auf den Philippinen feiert man das Gebräu jedoch erst Mitte Oktober. Tatsächlich werden zu der großen Open-Air Veranstaltung hunderte Besucher erwartet, welche zur „Kauf-Eins-Nimm-Eins-Mit“-Werbung philippinisches Bieres trinken und dabei den angesagtesten Bands des Landes zuhören. Innerhalb der gehobenen Hotelszene gibt es Oktoberfest-Aktionen, bei denen sowohl lokale als auch importierte Biere mit einer Auswahl diverser Wurstsorten serviert werden.

Deutschland ist ohne Frage ein Land von Biertrinkern. Die Menschen genießen ihr Hefe- oder Weizengebräu in Kneipen, am Straßenrand, selbst am Morgen. Oder als Getränk zu Nudelsalat und Brot. Obwohl es viele Brauereien gibt, die traditionelle Favoriten mit kräftigem Geschmack produzieren, wurde mir erzählt, dass Craft-Biere besonders bei der jüngeren Generation immer beliebter werden. Das Brauen von Bier ist den Regeln des Reinheitsgebots strikt unterlegen. Ich glaube das dies, mehr als alles andere zeigt, wieviel Stolz das Land auf die Qualität seines Produkts ist.

Natürlich trinken Deutsche mehr als nur Bier. Bei einem feierlichen Abendessen habe ich herausgefunden, dass sie auch gern Sekt und Schnaps genießen. Mir wurde erzählt, dass Schnaps nicht nur gern wegen dem Kräutergeschmack getrunken wird, sondern auch bei der Verdauung hilft. Überrascht war ich, als ich gelernt habe, dass Deutschland mit 13 offiziellen Weinregionen nach Frankreich und Italien der drittgrößte Hersteller von Sekt auf der Welt ist. Biercocktails gibt es auch für die, die so etwas mögen. Für mich etwas ganz Neues, da es etwas derartiges in den Kneipen auf den Philippinen nicht gibt. So kann etwa Bier mit Cola gemischt werden, ein Diesel, oder Bier mit Sprite, das sogenannte Radler.

Auf den Philippinen wird das Biertrinken immer mit Festen verbunden. Viele davon werden mit großen Banketten gefeiert. Auch zu besonderen Anlässen wird Bier gereicht, oder wenn sich Freunde nach einer langen Arbeitswoche treffen. Selten sieht man Werbung bei der Bier einfach nur einzeln getrunken wird, auf den Philippinen wird es immer in einer Gruppe genossen. Je größer die Gruppe, desto besser. Alkoholgenuss ist allgemein eine gemeinschaftliche Angelegenheit, die philippinische Tradition Tagay ist der Beweis dafür.

Tagay bedeutet, ein Getränk zusammen aus einem Behälter zu trinken, ein Zeichen für Verwandtschaft oder Bruderschaft. Eine verantwortliche Person füllt das Getränk in eine Tasse oder ein Glas und dieses wird herum gegeben, und so oft wie nötig aufgefüllt. Es ist ein Ritual, das nicht nur auf Bier beschränkt ist. Nachforschungen haben ergeben, dass dies ein Weg ist, Gäste in der Heimatstadt zu begrüßen. Gastfreundschaft wird gezeigt, indem der Gast ein Glas mit der regional typischen Spirituose erhält, so wie Tuba oder Kokosnusswein in der Provinz Quezon, oder Reiswein vom Hochland im Norden.

Im Gegensatz zu den Deutschen, die ihr Bier mit ihren Mahlzeiten trinken- ich war bei einer Fete, bei der nur Brot und Dips mit Bier und Wein serviert wurden - werden bei Philippinern salzige und gebratene Gerichte bevorzugt. Das kann etwas Einfaches sein wie scharfe Erdnüsse gebraten in Knoblauch, frittierte knusprige Schweinshaxe oder Sisig – eine knusprige Verschmelzung von Schweinewangen, Schweineohren und Schweineleber, gewürzt mit Knoblauch, Zitrusfrüchten und Chilischoten, die aus der Provinz Pampanga stammen.

Traditionell wird Bier auf den Philippinen von den Branchenriesen San Miguel Brewery und Asia Brewery hergestellt. San Miguel gründete sich 1890 als Marke, die sowohl auf den Philippinen als auch in Hong Kong beliebt ist. Begann die Brauerei eher mit Einzelprodukten, werden dort mittlerweile eine Vielzahl von Bieren angeboten: Heute sind es zehn beliebte Marken.

Asia Brewery hat sich mit Manila Beer, Beer na Beer und importiertem Heineken, Asahi Super Dry und Tiger Lager noch breiter aufgestellt, oft angereichert mit anderen Produkten wie Sojamilch, Energy Drinks oder Mineralwasser. Während beide Bierhersteller die größten Einnahmen verzeichnen, wächst auch in dem südostasiatischem Inselstaat das Konzept des Craft-Biers von geschäftstüchtigen Hobby-Bierbrauern, die ihre eigenen Biere zum Teil mit regionalen Geschmacksrichtungen sättigen, wie Kaffee, Mango oder Kokosnuss.

Ob in Deutschland oder auf den Philippinen: Bier verbindet uns mit unseren Freunden und lässt uns kühle, genüssliche Aromen aus Krug oder Humpen genießen. Prost und Mabuhay!

Zur Person

Jeffrey Hernaez studierte Journalismus an der Universität Santo Tomas in Manila. Er ist Radiojournalist bei ABS-CBN in Manila, dem größten Medienhaus der Philippinen. Dort berichtet er über landesweite Ereignisse und Konfliktzonen. Darüber hinaus war er im Printbereich tätig. Im Oktober berichtet er im Rahmen des Journalistenaustauschs „Nahaufnahme“ vom Goethe-Institut für drei Wochen für die Märkische Oderzeitung.

Weitere Informationen unter: www.goethe.de/nahaufnahme.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2019 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG