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Hochspannung im Berliner Tunnel

Besuch in der Röhre: Frank Golletz, Geschäftsführer des Netzbetreibers 50Hertz, zeigt Wirtschaftsminister Ralf Christoffers die Stromverbindung unter Berlin.
Besuch in der Röhre: Frank Golletz, Geschäftsführer des Netzbetreibers 50Hertz, zeigt Wirtschaftsminister Ralf Christoffers die Stromverbindung unter Berlin. © Foto: MOZ/Henning Kraudzun
Henning Kraudzun / 27.06.2012, 18:44 Uhr
Berlin (MOZ) Wirtschaftsminister Ralf Christoffers (Linke) hat am Mittwoch die unterirdische 380-Kilovolt-Stromverbindung in Berlin besichtigt. Diese Bauweise in einem Betontunnel hat Unsummen gekostet - und wird für die umstrittene Uckermarkleitung nicht in Frage kommen.

Frank Golletz legt seine Hand lässig auf eines der drei Kabel, die von einer weißen Farbschicht verhüllt wurde. "Ich sage den Besuchern hier unten immer: Nicht anfassen", erzählt er. Offenbar ohne Wirkung: "Manche pulen schon die Ummantelung ab". Der technische Geschäftsführer des Netzbetreibers 50Hertz steht in einem drei Meter hohen Betonschacht, 30 Meter unter der Oberfläche, der Strom fließt lautlos.

Es ist die "Luxusvariante" für ein Stromnetz, die in den 90er-Jahren unter der Hauptstadt errichtet wurde - anknüpfend an die Westberliner Erdkabel diagonal bis nach Marzahn. 40 bis 50 Millionen Euro habe ein Kilometer gekostet, berichtet Golletz. Zwei parallele 380-kV-Verbindungen wurden verlegt, um im Fall eines Ausfalls gewappnet zu sein. "Dieser Tunnel ist in Deutschland ein Unikat."

Gleichzeitig ist das Erdkabel auch weniger verlässlich, sagt der Geschäftsführer. Geht ein Strang kaputt, wie vor einigen Jahren geschehen, benötige die Reparatur mitunter Monate. Zudem sei sie kostenaufwändiger. Der Vorteil: Elektromagnetische Felder würden vermieden. Golletz deutet auf die Kabel, die im Tunnel in der Dunkelheit verschwinden. "Hier fließt die Leistung eines Kernkraftwerkes durch", meint er stolz.

Zwei Vertreter der Bürgerinitiative (BI) "Biosphäre unter Strom" lauschen interessiert den Ausführungen. Sie fordern für eine Freileitung, die im Zuge des Netzausbaus auf 115 Kilometern zwischen Prenzlau und Neuenhagen (Märkisch-Oderland) verläuft, zumindest in Teilabschnitten eine Erdverkabelung. Auch dort soll Höchstspannung, 380 Kilovolt, durchfließen.

"Die Planer haben falsch gearbeitet", sagt BI-Vertreter Hartmut Lindner. In Eberswalde würde die Stromtrasse durch Wohngebiete geführt, zudem durch sensible Bereiche des Biosphärenreservats Schorfheide. "Die haben sich nur an alten DDR-Karten orientiert." Gerade sei doch die Erdgastrasse Opal gebaut worden, ergänzt Hartmut Konipantzki. "Man hätte die Stromkabel dort mit verlegen können." Stattdessen würden Menschen und Landschaft maximal belastet. Man befürchtet durch die Strahlung einen Anstieg der Leukämiefälle.

Unstrittig ist, dass wegen der Kapazitätsengpässe in den Leitungen durch die regenerativen Energien neue Strom-Autobahnen gebaut werden müssen. In welcher Variante, darüber gibt es seit Jahren Streit. Der Bund hatte vier Pilotprojekte für die Erdverkabelung in Niedersachsen und Thüringen geplant - Brandenburg ging leer aus.

"Wir haben uns sehr lange um ein Pilotprojekt bemüht, aber der Bund hat dagegen entscheiden", sagt Wirtschaftsminister Ralf Christoffers. Somit bestünde selbst in Eberswalde aus Kostengründen keine Chance, die Leitung in den Boden zu verlegen - es sei denn, die Stadt würde das selbst bezahlen. Gleichzeitig übt der Linke-Politiker Kritik an den Entscheidungsträgern: "Die Öffentlichkeit wurde erst viel zu spät einbezogen", sagt er. Man hätte angesichts der Konflikte frühzeitig in einen Dialog mit Bürgern treten müssen.

Golletz sieht für Erdkabel in Brandenburg "keine gesetzliche Grundlage". Dieser unterirdische Bau schlage zudem mit vier- bis sechsfachen Kosten gegenüber einer Freileitung zu Buche. Ferner erklärte der Vertreter des Konzerns 50Hertz, der sieben Milliarden Euro Umsatz jährlich erzielt, dass die 130 Millionen teure Uckermarkleitung sowie ein Netzring nördlich von Berlin erst den Beginn des Ausbaus in der Region darstellt. In den Plänen ist bereits eine weitere Starkstromleitung von Halle (Saale) bis Güstrow eingezeichnet - durch die Prignitz. "Die Windenergie verdoppelt sich in den nächsten zehn Jahren", sagt er. "Wir müssen den Strom auch transportieren können."

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