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Organspendeausweis
Faire und emotionale Debatte um Organspende

Minister Jens Spahn fällt mit seinem Gesetzentwurf durch – und verspricht, trotzdem alles für mehr Spender zu tun.
Minister Jens Spahn fällt mit seinem Gesetzentwurf durch – und verspricht, trotzdem alles für mehr Spender zu tun. © Foto: Kay Nietfeld/dpa
Hajo Zenker / 17.01.2020, 06:00 Uhr
Berlin Um Menschen wie Marius ging es am Donnerstag im Bundestag: Der 19-Jährige saß mit Mundschutz auf der vollen Besuchertribüne. Ohne Spenderorgan wäre er längst gestorben. Da es seit Jahren viel zu wenige Spenderorgane gibt, ist die Warteliste lang – und von Tag zu Tag ging es dem Jungen schlechter. Schließlich gaben vor sieben Jahren Vater und Mutter Teile ihrer Lungen. Ein gewagter Eingriff, der Marius aber das Leben gerettet hat. Die Familie verfolgte gemeinsam die Debatte um eine Neuregelung der Organspende – damit es bald mehr gespendete Lungen, Nieren, Herzen gibt.

Auch Gitta Connemann (CDU) hatte ein Beispiel parat: Ihr 33-jähriger Mitarbeiter war schwer erkrankt, wartete noch drei Monate auf ein Organ – und starb dann im vergangenen Juli. Sie verband das mit dem flammenden Appell an die Abgeordnetenkollegen, dem fraktionsübergreifenden Gesetzentwurf von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) und dem SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach zuzustimmen. Der sah die Einführung einer Widerspruchslösung vor – jeder sollte automatisch als Organspender gelten, solange er nicht ausdrücklich widerspricht. "Wir entscheiden heute über Lebenszeit", sagte Connemann eindringlich.

Lilly wartet seit 19 Monaten

Das unterstützte Matthias Bartke (SPD), der aus seinem Hamburger Wahlkreis von der neunjährigen Lilly berichtete, die seit 19 Monaten auf ein Herz wartet, an ein Kunstherz angeschlossen ist, den Operationssaal immer in der Nähe – "ein Leben in der Klinik". Spahn beklagte, dass in keinem Bereich des Gesundheitswesens die Lage schlechter sei.

Doch bei der Mehrheit des Parlaments verfingen diese Argumente nicht. Spahns Amtsvorgänger Hermann Gröhe (CDU) kritisierte die Widerspruchslösung als "untaugliches Mittel" und betonte das Selbstbestimmungsrecht der Bürger. Auch die Grünen-Vorsitzende Annalena Baerbock machte geltend, dass der Körper "nicht der Gesellschaft und nicht dem Staat" gehöre, sondern der Person selbst. Für das Ziel, die Zahl der Organspenden zu erhöhen, müsse man "das mildeste Mittel wählen". Hilde Mattheis (SPD) mahnte: "Eine Spende muss eine Spende bleiben."

Mehrmals wurde in der Debatte, die ruhig im Ton, trotzdem emotional, fast ohne Zwischenrufe, fast ohne parteipolitische Angriffe geführt wurde, betont, dass man nicht über das Ziel, sondern über den Weg streite. Entsprechend sagte Jens Spahn, nachdem sein Entwurf mit 292 zu 379 Stimmen durchgefallen war, dass er alles dafür tun werde, dass die beschlossene Entscheidungslösung ein Erfolg werde. In drei, vier oder fünf Jahren solle geschaut werden, ob sich an der Lage etwas geändert habe. Marius ist das zu spät. Die Tausenden, die auf ein Organ warteten, hätten auf die Widerspruchslösung gebaut, sagte er enttäuscht.

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