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Coronavirus
Firmen in Schwedt schützen sich vor einer Infektion

Schutz vor dem Corona-Virus: Viele Firmen, auch in Schwedt, erhöhen ihre Standards, um ihre Belegschaft vor Infektionen zu schützen. Im Klinikum sind jüngst Schutzkleidung und Desinfektionsmittel gestohlen worden.
Schutz vor dem Corona-Virus: Viele Firmen, auch in Schwedt, erhöhen ihre Standards, um ihre Belegschaft vor Infektionen zu schützen. Im Klinikum sind jüngst Schutzkleidung und Desinfektionsmittel gestohlen worden. © Foto: Oliver Voigt
Thorsten Pifan / 09.03.2020, 18:30 Uhr
Schwedt (MOZ) Die Corona-Krise trifft vermehrt auch die Wirtschaft. In Schwedt haben die großen Unternehmen reagiert und eigene Konzepte aufgestellt, um ihre Produktion sicher zu stellen – und die Mitarbeiter zu schützen. Unterdessen werden auch im Klinikum Uckermark Desinfektionsmittel und Schutzkleidung für Patienten gestohlen.

Während einzelne Unternehmen überlegen, bestimmten Mitarbeiter die Nutzung des Home-Office zu erleichtern, ist das in produzierenden Betrieben wie der Raffinerie PCK nicht möglich. Daher gelten dort andere Ansätze – Sicherheitsregeln werden aber trotz der potenziellen Gefahr durch Coronaviren nicht außer Kraft gesetzt.

"Wir setzen auf Videokonferenzen und verschieben persönliche Treffen", sagt PCK-Sprecherin Vica Fajnor. Gleichzeitig fährt die Raffinerie unter Volllast. "Denn gerade in der Logistik-Branche ist ein Einbruch der Geschäftsaktivitäten nicht absehbar", sagt Fajnor. Im Gegenteil: So hat es jüngst Forderungen gegeben, das Sonntagsfahrverbot für Lastwagen zu lockern, um Einzelhändler in Zeiten von Panik-Käufen mit Ware beliefern zu können.

Auf dem Betriebsgelände von PCK fordert Geschäftsführer Wulf Spitzley in einem Rundschreiben auf, die Etikette beim Husten oder Niesen einzuhalten – also sich abzuwenden und in den Ellenbogen oder in ein Taschentuch zu husten oder zu niesen. In Sachen Sicherheit auf dem Firmenareal erklärt Spitzley, dass die Handlaufpflicht von allen Maßnahmen unberührt bleibe. "Die Handläufe werden regelmäßig desinfiziert", heißt es in dem Rundschreiben.

Auch bei Anlagenbauer Butting greifen seit einiger Zeit Vorsichtsmaßnahmen, um die Belegschaft und den Betrieb vor einem Übergreifen der Corona-Epidemie zu schützen. Das Unternehmen orientiert sich dabei an den Standards, die bei der Raffinerie PCK aufgestellt worden sind, hieß es gestern vom Butting-Standort in Schwedt.

Bei Leipa ist eine Expertengruppe einberufen worden, die mehrmals in der Woche die Lage für alle Standorte einschätzt und sich austausche, sagt Sprecherin Marion Krüger.  Die Expertengruppe besteht aus den Werkleitungen, den Managementbeauftragten und den Arbeitssicherheitsverantwortlichen, der Personalleitung und einem Mitglied der Geschäftsführung. Es erfolge ein ständiger Austausch mit den Betriebsärzten. Wie bei PCK und Butting ist die Reisetätigkeit reduziert und Mitarbeiter setzen verstärkt auf Videokonferenzen. Zudem seien mobile Waschbecken installiert worden.

Im Schwedter Uckermark-Klinikum hat es inzwischen schon rund ein Dutzend Verdachtsfälle gegeben. Die Tests fielen in allen Fällen am Ende aber negativ aus. "Wir sind mit Ablaufplan und einem Krisenteam aber permanent auf den Ernstfall vorbereitet", sagt Thomas Klinkmann, Chef-Hygieniker im Klinikum. Beim Ablaufplan werde auch unterschieden zwischen begründeten Verdachtsfällen und Bürgern, die sich aus Besorgnis untersuchen lassen möchten.

Irritierend: Angesichts der Panik sind auch im Schwedter Krankenhaus Schutzkleidung und Desinfekltionmittel gestohlen worden, die eigentlich dafür gedacht waren, Patienten mit einem geschwächten Immunsystem zu schützen. Klinkmann sagt: "Wer die Husten- und Nies-Etikette einhält und sich regelmäßig die Hände mit normaler Seife wäscht, ist gut geschützt." Mundschutz für Privatpersonen bringe hingegen wenig und sei eher dafür geeignet, andere Menschen zu schützen, wenn man sich selbst bereits infiziert habe.

Tipps zum Schutz vor Infektionen

Um die Infektionswelle des Corona-Virus zu verlangsamen, gibt es viele nützliche Hinweise. Aufgrund möglicher schwerer Krankheitsverläufe ist es das Ziel, das deutsche Gesundheitssystem nicht zu überfordern. Anders als in Italien ist die Sterblichkeit an dem Virus aber sehr gering. Dabei macht die Situation am europäischen Stiefel Experten wie Ulrich Montgomery, Chef des Weltärzteverbandes, große Sorgen, wie er im ZDF-Morgenmagazin sagte. Das deutsche Gesundheitssystem sei dagegen offenbar gut vorbereitet, was sich allein schon deshalb zeige, weil es bisher nur wenige deutsche Todesopfer zu beklagen gebe. Die Experten vom Robert-Koch-Institut (RKI), das in Deutschland für die Bekämpfung von Infektionskrankheiten zuständig ist, betonen, dass mit den Sicherheitsmaßnahmen Zeit gewonnen werden soll, damit Risikogruppen identifiziert werden können und wirksame Medikamente auszuloten sowie künftig auch Impfstoffe zu entwickeln. Auf das Händeschütteln sollte zurzeit verzichtet werden, wer an einer Atemwegserkrankung leidet, sollte daheim bleiben oder zumindest den Kontakt mit zu vielen Menschen meiden. Das alles sind Hinweise, die auch im Zuge einer grassierenden Grippewelle von den Fachleuten des RKI gegeben werden. ⇥pif

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