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"Haltestelle Woodstock" ohne Haltestelle
Polens Bahn boykottiert Küstriner Festival

Alljährlich Hunderttausende Besucher: Das Festival in Kostrzyn ist  eines der größten in Europa.
Alljährlich Hunderttausende Besucher: Das Festival in Kostrzyn ist eines der größten in Europa. © Foto: dpa/Sven Hoppe
Dietrich Schröder / 18.06.2019, 19:01 Uhr
Kostrzyn (MOZ) Es ist ein Schock für die Organisatoren des europaweit größten kostenlosen Open-Air-Musifestivals im polnischen Grenzort Kostrzyn: Ausgerechnet zur 25. Ausgabe des Festivals, die vom 1. bis zum 3. August stattfinden soll, hat die vom Staat kontrollierte polnische Bahn angekündigt, keine Sonderzüge für die An- und Abreise der Fans mehr einsetzen zu wollen.

Im vergangenen Jahr hatte es noch 26 solcher Züge gegeben, mit denen 70 000 junge Leute aus ganz Polen angereist waren. Insgesamt kamen zu dem Festival, das bis vor zwei Jahren noch "Haltestelle Woodstock" hieß und seither "PolAndRock" mehrere Hunderttausend Besucher, darunter auch viele deutsche.

Wegen seiner Weltoffenheit und der liberalen Einstellung der Musiker und Besucher ist die Veranstaltung der national-konservativen PiS-Regierung schon seit Jahren ein Dorn im Auge. Seit dem Regierungswechsel 2015 hatte Polens Innenminister das Festival zum Sicherheits-Risiko erklärt und den Veranstaltern hohe Auflagen gemacht. Andererseits wurden deutsche Sicherheitspartner, wie etwa Feuerwehren aus Brandenburg und Berlin ausgeladen.

"Die Sonderzüge waren im vergangenen Jahr ein Minusgeschäft, auch wegen Schäden in Höhe von einer Million Zloty (etwa 240 000 Euro), die die Festivalbesucher verursachten", erklärte der Sprecher der Firma "Przewozy Regionalne" (Regionalverbindungen), Dominik Lebda. Der Sprecher der Organisatoren, Krzysztof Dobies, hält dies für vorgeschoben und sagt: "In früheren Jahren hat doch auch immer alles geklappt."

Zu Beginn dieser Woche gab es noch eine weitere Meldung von der Bahn: Auch reguläre Fernzüge, etwa vom ostpolnischen Przemysl nach Stettin, die durch Kostrzyn fahren, sollen in den Tagen des Festivals einen Bogen um den Grenzort machen.

Dessen Bürgermeister Andrzej Kunt fürchtet ein Chaos. Schon bisher war der Ort Anfang August von Pkw-Staus geplagt. "Zusätzlich zu den drei großen Parkplätzen für das Festival müssen wir wohl weitere anlegen", sagt er.Krzysztof Dobies rät dagegen, gemeinsame Autofahrten zu organisieren oder auch Busse zu chartern. Um dies zu erleichtern, wurde bereits das Internetportal bankpodrozy.polandrockfestival.pl eingerichtet, auf dem es Mitfahrgelegenheiten geben soll. Außerdem meldeten sich schon erste Freiwilligen, die ursprünglich gar nicht nach Kostrzyn wollten, jetzt aber im Auto andere Interessierte mitnehmen wollen.Die Niederbarnimer Eisenbahn, die die Ostbahn-Linie von Berlin nach Kostrzyn betreibt, will wie in den Vorjahren einige Extrazüge zum und vom Festival einsetzen.

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