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Warten auf junge Kollegen

Michael Dietrich / 08.11.2016, 06:15 Uhr
Schwedt (MOZ) Mit der Polizeireform hatte Brandenburg beschlossen, Polizei abzubauen. Jetzt spricht das Land von Einstellungen und mehr Ausbildung. Die Uckermark wird auf den Zuwachs allerdings noch länger warten müssen, 2016 kam kein einziger junge Beamter dazu.

Bis 2020 sollte die Polizeistärke in der Uckermark auf 206 Beamte sinken. Das war die Zielzahl der Polizeireform von 2011. So gut wie keine Neueinstellungen und zu wenig Ausbildung neuer Polizisten waren die Folge.

Mittlerweile ist die landesweite Zielgröße von 7000 Polizisten entsprechend dem vorgelegten Doppelhaushalt 2017/2018 wieder auf 8200 nach oben korrigiert worden. Das bedeutet für die Uckermark die neuen Zielzahl 228 Polizeibeamte. Damit ist zumindest auf dem Papier schon jetzt weniger Polizei in der Uckermark, als es 2020 sein sollen. Laut Auskunft des Polizeipräsidiums Potsdam arbeiteten in der Uckermark zum Stand 1. Oktober 2016 genau 221 Beamte im Polizeivollzugsdienst, vor fünf Jahren waren es noch 248.

Die Uckermark verlor seither durch Pensionierungen und Entsendung von Beamten in andere Aufgaben stetig Personal. 2016 verabschiedeten sich vier Kollegen der Revier- und Streifenpolizei in die Pensionierung. 2017 werden es sieben sein. Der Altersdurchschnitt der Kollegen wird immer höher. Sie und Inspektionsleiter Jürgen Kreßmann halten sehnlichst nach Nachwuchs Ausschau, der die Stellen besetzen, die Reihen verstärken und wieder verjüngen kann.

Wenn man die Polizei offiziell fragt, wie ihre Arbeitsbelastung aussieht, antwortet sie natürlich ihrem Dienstherren Land gegenüber loyal, dass sie schon irgendwie die Einsatzbereitschaft aufrecht erhalte. In der Uckermark sprechen Revierleiter aber auch schon mal von "angestrengter Belastung" der Kollegen. Tatsächlich sind von der schmalen Sollstärke regelmäßig nur zwei Drittel dienstbereit. Urlaub, Krankheiten und Entsendungen zu anderen Brennpunkten bedeuten am Beispiel von Schwedt, dass von 39 Beamten 29 zum Dienst eingeteilt werden können, oft noch weniger.

Dabei haben Einsatzfälle und Arbeit in den vergangenen Jahren enorm zugenommen. Die Beamten haben zusätzliche Einsätze in Flüchtlingsunterkünften, zur Abwehr von Terrorgefahr und zur Absicherung von Veranstaltungen und Demonstrationen, deren Zahl extrem zugenommen hat. Die Grenzkriminalität ist in der Zwischenzeit ebenfalls nicht zurückgegangen, was die Soko Grenze bestätigt. Ihre Fahndungserfolge beweisen, dass man mit mehr Kontrollen auch mehr gestohlene Autos an der Grenze stoppt. Da den Beamten aber nicht selten die Zeit für Kontrollen fehlt, steigt der Pkw-Diebstahl weiter an, halt eben nur nicht statistisch erfasst, sondern als Dunkelziffer.

Die Meldungen von 150 Absolventen der Polizeifachhochschule, die in diesem Jahr in den Polizeidienst übernommen wurden, wirken wie ein großer Hoffnungsschimmer. Doch die Uckermark bekam von diesen 150 Absolventen keinen einzigen. Anderswo war der Bedarf angeblich noch höher.

In Brandenburg sind in diesem Jahr so viele Polizeianwärter eingestellt worden wie lange nicht. 350 Männer und Frauen starteten ihre Ausbildung an der an der Fachhochschule. Sie werden zweieinhalb bis drei Jahre ausgebildet, anschließend meistens in der Bereitschaftspolizei eingesetzt, bevor sie zwei bis fünf Jahre später vielleicht auch in der Polizeiinspektion Uckermark ankommen.

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Jürgen Hart 24.11.2016 - 08:48:47

Warten auf junge Kollegen

@Piet Pritt Na jedenfalls wurden die lieben Gäste der Politiker nach dem üblichen bürokratischen Kram wieder freigelassen. Nicht wie in Law and Order Staaten wegen körperlichen Angriff auf Beamte mit 5 Jahren Knast ohne Kuschelbewährung verknackt. Mich würde mal interessieren, wie der weitere Verlauf ist. Aufnahme der Personalien, Anzeige und dann? Die Staatsanwaltschaft bekommt das auf den Tisch und dann? Daäre doch mal innovativer Journalismus gefragt. Oder darf man in solchen Fällen nicht nachforschen? Maulkorb wie zu DDR Zeiten? Die "Einzelfälle" konnten ja von den bösen Rechten instrumentalisiert werden? Wer schützt uns vor dieser feigen, unterwürfigen Politik und ihrer hörigen Staatsanwaltschaft? Blödsinn? Mal einen Tag Urlaub nehmen und als stummer Zuschauer im Kriminalgericht Moabit verbringen. Da werden die härtesten Mitläufer geheilt und stellen fest, wer hier das Sagen hat! Habe ich übrigens schon Ströbele und Künast vorgeschlagen. Aber die wollen sich ihr Wolkenkuckucksheim oder Wandlitz nicht kaputtmachen lassen.

Paul Müller 23.11.2016 - 19:29:05

Apropos Krisengebiet, DHL beliefert z.B. Berlin Wedding nicht mehr :D ...

... http://m.tagesspiegel.de/berlin/gewalt-in-berlin-dhl-stoppt-expresszustellung-in-problemkiezen/14881778.html?utm_referrer=https%3A%2F%2Fwww.google.ch%2F

Paul Müller 22.11.2016 - 23:09:06

Ein serbischer Arbeitskollege hatte das Spiel ...

... mal in St. Gallen mit der Kantonalpolizei getrieben :D nach eigener Aussage haben die den dann sofort auf den Boden gedrückt, Handschellen angelegt und das Wochenende im Knast behalten - den Fehler macht er nie wieder, meinte er lachend :) ...

Paul Müller 22.11.2016 - 22:45:34

Witzig ...

... vor nicht mal 2 Stunden hab ich meiner Tochter abgeraten (wie im Bericht aus dem Bürgerkriegsgebiet) Polizistin zu werden :D - Schläge von Fachkräften und so - die war noch beeindruckt vom Polizeibesuch in der Grundschule ;) Verbrechersuche, Fingerabdrücke das spannende "CSI"-Zeugs eben, die Realität sind am Ende aber eher Krisengebiete Berlins in denen junge Beamte verheizt werden ...

Piet Pritt 22.11.2016 - 21:58:00

Nach solchen Meldungen findet die Polizei garantiert immer weniger Nachwuchs...

Weil sie seiner Meinung nach zu langsam fuhr, hat ein Mann am Donnerstagnachmittag einer Polizistin ins Gesicht geschlagen. Anschließend wollte der Schläger flüchten, wurde aber von anderen Beamten daran gehindert. Die 33-jährige Kommissarin war nach Polizeiangaben gegen 16.50 Uhr mit einem Kollegen in der Karl-Marx-Straße im Einsatz, weil in der Nähe des U-Bahnhofs Rathaus Neukölln ein Verkehrsunfall gemeldet worden war. Auf der Suche nach dem Unfallort fuhren die Polizisten langsam auf der rechten Spur der Karl-Marx-Straße vom Hermannplatz in Richtung Grenzallee und hielten schließlich auf Höhe des Einkaufszentrums "Neukölln Arcaden" in zweiter Reihe. Nachdem die Polizisten angehalten hatten, stoppte ein Auto auf der linken Spur direkt neben dem Streifenwagen. Der 26-Jährige Fahrer des Wagens rief den Beamten zu, dass sie schneller fahren sollten. Anschließend parkte der Mann seinen Wagen vor dem Streifenwagen; er und sein 19-jähriger Beifahrer stiegen aus und gingen zu den Polizisten hinüber. Aus dem Wortwechsel entwickelte sich schnell eine Rangelei, in deren Verlauf der 33-jährigen Polizistin nach derzeitigem Erkenntnisstand mit der flachen Hand ins Gesicht geschlagen wurde. Laut Polizei ist noch nicht endgültig geklärt, welcher der beiden Männer die Polizistin schlug. Danach gingen die Männer zu ihrem Wagen zurück und stiegen wieder ein, obwohl sie von den Polizisten aufgefordert wurden, an Ort und Stelle zu bleiben. Die Polizistin folgte den Männern und öffnete die Fahrertür, um sie an einer möglichen Flucht zu hindern. Der 26-jährige schlug die Tür sofort wieder zu; dabei wurde die 33-Jährige von der Tür nochmals an der Schulter getroffen. Unterdessen hatten sich laut Polizei etwa 70 Schaulustige versammelt, um die Geschehnisse zu beobachten. Weitere Beamte trafen zur Verstärkung ein, hinderten die Männer am Wegfahren und nahmen ihre Personalien auf. Sie wurden wegen Körperverletzung, Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte und Nötigung im Straßenverkehr angezeigt. Anschließend wurden sie wieder auf freien Fuß gesetzt. Die 33-jährige Polizistin klagte nach dem Vorfall laut Polizei über Schmerzen an Kopf und Schulter, musste aber nicht ärztlich versorgt werden. Sie konnte ihren Dienst fortsetzen. http://www.tagesspiegel.de/berlin/polizei-justiz/berlin-neukoelln-mann-schlaegt-polizistin-ins-gesicht/8717442.html Anmerkung: Das verwendete Pseudonym "Mann" für den Täter spricht für sich und erklärt dem noch nachdenkenden Teil der Bevölkerung selbstredend die fehlenden aus politisch korrekten Gründen weggelassenen Fakten.

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