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Umworbene Bernauer

Sabine Rakitin / 19.02.2017, 20:30 Uhr
Bernau (MOZ) Am 5. März werden die Bernauer an die Wahlurnen gerufen. Sie sollen entscheiden, ob Planung und Bau eines neuen Verwaltungsgebäudes an der Bürgermeister-/Ecke Grünstraße gestoppt werden oder weiter gehen soll. Bis dahin bieten Befürworter und Gegner noch einmal alle Kraft auf, die Bürger auf ihre Seiten zu ziehen.

Die Ortsvorsteher sind sich einig. Ohne Ausnahme empfehlen sie, beim Bürgerentscheid "Stopp Rathaus-Neubau" am 5. März mit "Nein" zu stimmen. Auch SPD-Landtagsabgeordnete Britta Stark, die die Ortsvorsteher vergangene Woche zu der Abstimmungsrunde eingeladen hatte, wirbt für ein Nein bei ihren Mitbürgern: "Wenn Sie für den Rathausneubau sind, den die Stadtverordneten mit großer Mehrheit beschlossen hatten, dann müssen Sie beim Bürgerentscheid am 5. März mit "Nein" stimmen!", appelliert sie an die Bernauer.

Gemeinsam mit SPD-Ortsvereinschefin Cassandra Lehnert und Mitarbeiterin Iris Schneider steht Britta Stark am Sonnabend in historischem Gewand des alten Rathauses. Das Damen-Trio will ein Zeichen setzen. Es werde höchste Zeit, dass Bernau die Verhältnisse des 19. Jahrhunderts hinter sich lasse. Die Bürger und die Mitarbeiter der Stadtverwaltung bräuchten dringend ein modernes, barrierefreies Verwaltungsgebäude, sind die drei Frauen überzeugt.

Dabei haben die drei Sozialdemokratinnen Flyer, auf denen noch einmal die Argumente für den Rathausneubau und damit für ein Nein zum Bürgerentscheid stehen. Es sind nicht nur die Flyer der SPD, sondern auch die von Linken, Bündnisgrünen/Piraten und Bündnis für Bernau.

Selten waren sich Parteien und Gruppierungen in der Stadt bei einem Thema so einig wie jetzt in der Frage der Notwendigkeit eines neuen Verwaltungsgebäudes. Die Volkssolidarität Barnim, die Arbeiterwohlfahrt Bernau, der Brandenburgische Seniorenverband Bernau und der Behindertenbeirat der Stadt haben eine gemeinsame Erklärung abgegeben. "Wir wollen ein modernes, barrierefreies Bürgerzentrum (Rathaus II), das zentral am Markt gelegen ist", heißt es darin. "Es verbessert die Teilhabe aller Bürgerinnen und Bürger am gesellschaftlichen und kulturellen Leben unserer Stadt."

Lediglich die Bernauer CDU hält sich öffentlich zurück. Die Fraktion in der Stadtverordnetenversammlung ist gespalten. Die einen wollen das neue Verwaltungsgebäude - auch für die geplanten 15,8 Millionen Euro. Die andere wollen es nicht - jedenfalls nicht um jeden Preis. Unabhängigen-Fraktionschef Péter Vida und seine Mitstreiter können also durchaus damit rechnen, am 5. März aus dem Kreise der CDU-Anhänger Unterstützung zu erhalten. Bis dahin müssen sie aber noch einmal alles geben. An diesem Sonnabend wollen sie zum wiederholten Male in der Bürgermeisterstraße für ein Ja beim Bürgerentscheid werben. Doch nur wenige Menschen verirren sich bei diesem ungemütlichen Wetter in die Innenstadt. Selbst auf dem Wochenmarkt stehen nur drei Händler.

Dennoch sagt Thomas Strese zufrieden: "Es läuft richtig gut". Er gehört zu den eifrigsten Gegnern eines Rathaus-Neubaus, hat allein 700 Haushalte im Puschkinviertel abgeklappert, um Unterstützerunterschriften für das Bürgerbegehren "Stopp Rathaus-Neubau" einzusammeln. "Die Zustimmungsquote war überdurchschnittlich hoch", erklärt Thomas Strese. "9000-mal Ja" werde es am 5. März beim Bürgerentscheid geben, gibt sich der Unabhängige sicher. "Das reicht dicke, um den Rathausbau zu stoppen." "Was viele aufregt ist die Tatsache, dass so viel Geld ausgegeben werden soll", weiß der Berliner Robert Soyka, der die Unabhängigen am Sonnabend unterstützt. Und auch der Biesenthaler Detlef Klix hilft in Bernau aus: "Die Fördermittel sollte das Land statt in ein Rathaus lieber in den Sporthallenbau stecken", sagt er.

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Bernd Meißner 02.03.2017 - 08:41:56

"Auf zum letzten Gefecht",

so erscheint es, wenn man die Parteinahme für das Prestigeobjekt Rathauneubau Bernau durch die SVV Mehrheit, diverse BM- Gefolgsleute u. örtliche Presse verfolgt. Da eigentl. alle am Streit Beteiligten für einen Neubau sind, geht es schließlich nicht mehr um eine Kostenbegrenzung, sondern nur um die Machtfrage in Bernau. Eine sachliche demokratische Meinungsfindung außerhalb eines Bürgerentscheids wird wohl weiterhin in weite Ferne verdammt sein. Lehren aus Fehlentscheidungen in der jüngsten Vergangenheit sollen mit einem "NEIN- Basta" wohl nur kaschiert werden.

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