Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Bernauer wollen ein neues Rathaus

Ursula Lohagen, Janin Grybowski und Abstimmungsvorsitzender Andreas Otto (v. l.) leeren die Wahlurne im Stimmbezirk Bibliothek.
Ursula Lohagen, Janin Grybowski und Abstimmungsvorsitzender Andreas Otto (v. l.) leeren die Wahlurne im Stimmbezirk Bibliothek. © Foto: MOZ/Sergej Scheibe
Sabine Rakitin / 05.03.2017, 21:00 Uhr
Bernau (MOZ) Die Bernauer haben entschieden: Das neue Rathaus wird gebaut. 7415 Abstimmungsberechtigte votierten beim Bürgerentscheid "Stopp Rathaus-Neubau!" am Sonntag mit Nein und damit für eine Fortführung der Planungen am Standort Bürgermeisterstraße 25/Ecke Grünstraße.

Bürgermeister André Stahl (Linke) ist abergläubisch. Er hat den Sekt zum Anstoßen im Auto gelassen. Bevor das Abstimmungsergebnis nicht sicher ist, will er die Flaschen auf keinen Fall holen. "Das bringt Unglück", sagt er. "Die dürfen vorher nicht mal gekühlt werden."

Vor der großen Leinwand im Beratungsraum des Stadtoberhauptes haben sich am Sonntag Befürworter des Rathausbaus versammelt. Der Linke-Landtagsabgeordnete Ralf Christoffers und sein Mitarbeiter Lutz Kupitz, die Bernauer SPD-Fraktionsvorsitzende Elke Keil und die komplette Bündnis-für-Bernau-Fraktion mit Detlef Maleuda an der Spitze sind gekommen. Gespannt sehen sie, wie in der Stadt abgestimmt worden ist. Um 18.29 Uhr sind die Stimmen aus 24 von 39 Wahllokalen ausgezählt. Es steht knapp 40 zu 60 Prozent. 40 Prozent haben mit Ja gestimmt, wollen, dass der Rathausbau gestoppt wird. 60 Prozent haben mit Nein gestimmt und wollen, dass Bernau ein neues Verwaltungsgebäude bekommt - auch wenn es nach derzeitigem Stand 15,8 Millionen Euro kosten wird.

Um 18.50 Uhr erscheint Vize-Bürgermeisterin Michaela Waigand. "Ich hab' es zuhause nicht mehr ausgehalten", sagt sie. Zur gleichen Zeit erhält Elke Keil von ihrer Parteikollegin Ursula Gambal-Voß aus Schwanebeck eine SMS: "Herzlichen Glückwunsch aus Panketal!" Eine Minute später lässt Bürgermeister Stahl die Sektkorken knallen. Nur noch zwei Wahllokale sind nicht ausgezählt - das in Birkholzaue und das im Ratssaal. Am Ergebnis ändert es aber nichts mehr. "Auf das neue Rathaus!" hebt Stahl das Glas. "Und danke für die Unterstützung", sagt er. "Die Bernauer haben eine gute Entscheidung für die Stadt und die Zukunft getroffen", freut er sich. "André, danke, dass Du durchgehalten hast", prostet Michaela Waigand ihm zu.

SPD-Fraktionschefin Elke Keil ist über das Ergebnis erleichtert: "Vielleicht können wir ja jetzt in der Stadtverordnetenversammlung wieder Politik machen", sagt sie. "Die Vernunft hat sich durchgesetzt", kommentiert Detlef Maleuda (BfB) das Ergebnis des Bürgerentscheids. "Trotz des massiven, nie dagewesenen Einsatzes von Werbemitteln durch die Unabhängigen haben sich die Bernauer ihre Stimmen nicht abkaufen lassen", freut er sich.

Inzwischen ist Daniel Sauer, Vize-Fraktionsvorsitzender der CDU, aus Ladeburg zum Rathaus gekommen, um dem Bürgermeister zum Erfolg zu gratulieren. "Herr Stahl hat sich sehr für das neue Rathaus eingesetzt, und eine deutliche Mehrheit der Bernauer hat heute dafür gestimmt", erkennt der Christdemokrat an. Die für einen Bürgerentscheid gute Wahlbeteiligung von knapp 38 Prozent zeige, "dass sich die Bürger für solche Projekte sehr wohl interessieren. "Das Rathaus kann nun gebaut werden", sagt der Ladeburger.

Zur gleichen Zeit ist die Stimmung im und vor dem überfüllten Bürgerbüro der Linken an der Berliner Straße auf dem Höhepunkt angekommen. "So ein Tag, so wunderschön wie heute", singen jubelnd Jürgen Althaus und Cassandra Lehnert von der Bernauer SPD. Bei Linke-Fraktionschefin Dagmar Enkelmann und ihrem Amtskollegen von den Bündnis 90/Die Grünen/Piraten, Thomas Dyhr, ist die Freude ebenso groß. "Das ist ein klares Ja zum Rathaus", sagt Dagmar Enkelmann. "Ein toller Erfolg für die Stadt, weil es die Provisorien in der Verwaltung beendet. Alles andere wäre eine Entwicklungsbremse gewesen", stellt der Bündnisgrüne Dyhr fest.

Natürlich hätten sich die Initiatoren des Bürgerentscheids von BVB/Freie Wähler "ein anderes Ergebnis gewünscht", sagt Fraktionschef Peter Vida am Abend. "Gegen eine All-Parteien-Koalition aus Linken, SPD, Grünen, Piraten, Stadtverwaltung, Unternehmerverbänden und Landtagspräsidentin war ein besseres Ergebnis offenbar nicht möglich", bewertet er die Entscheidung der Bernauer. "Es war aber trotzdem gut und richtig, dass wir die Diskussion mit den Bürgern zum Rathaus-Neubau gesucht haben", ist der Unabhängige überzeugt. "Nun wird der Bau beginnen, und wir werden dessen Kostenentwicklung kritisch begleiten. Die Stadtpolitik wird ihre Zusage des umsichtigen und sparsamen Bauens und Haushaltens einhalten müssen. Wir werden darauf nicht nur ein Auge werfen", kündigt Vida an.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
© 2020 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG