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Gartenmöbel
Ein Wohnzimmer im Grünen

Der Garten wird immer mehr zum Outdoor-Wohnzimmer. Dabei sollen die Möbel robust, praktisch und vor allem formschön sein.
Der Garten wird immer mehr zum Outdoor-Wohnzimmer. Dabei sollen die Möbel robust, praktisch und vor allem formschön sein. © Foto: Pixabay
Ronja Gysin / 14.05.2019, 07:00 Uhr
Frankfurt (Oder) (SWR) Jeder vierte Deutsche verbringt gern Zeit im Garten. Das Fleckchen unter freiem Himmel hat sich innerhalb der vergangenen Jahre vom Bolzplatz zur Wohnraumerweiterung gemausert.

Und genau wie in den heiligen Hallen, lassen sich Balkon- und Gartenbesitzer auch die Gestaltung ihrer Outdoorflächen einiges kosten. Rund 18,5 Milliarden Euro Umsatz hat der Garden-Living-Markt laut statistischem Bundesamt 2018 umgesetzt.

Für Stefan Lohrberg keine Überraschung: "Je unruhiger es in der Welt zugeht, desto mehr geben wir für unser Zuhause – den sicheren Rückzugsort – aus", so der Direktor der weltweit größten Gartenmesse spoga + gafa, die jedes Jahr im September in Köln stattfindet. Auch die immer neuen Rekordtemperaturen in den Sommern der vergangenen Jahre tragen ihren Teil dazu bei, dass sich das Leben vermehrt draußen abspielt.

Balkontisch wird Wäscheständer

"Durch diese Entwicklungen sind die Ansprüche an Gartenmöbel gestiegen", erklärt der Experte. Jedes Jahr begrüßt er 2100 Aussteller aus 61 Ländern auf dem Messegelände in Köln. Die gegenwärtigen Angebote begründet Lohrberg unter anderem mit dem Megatrend der Urbanisierung: "Immer mehr Menschen ziehen in Städte, das heißt aber nicht, dass sie weniger Spaß am Thema Garten haben." Im Gegenteil, Städter legen laut Lohrberg besonders viel Wert auf eine durchdachte Gestaltung des Outdoor-Bereichs. Das "Gärtnern ohne Garten" – neudeutsch City Gardening – funktioniert nur, wenn Balkonmöbel mehrere Funktionen auf einmal erfüllen. In der aktuellen Saison punkten daher Hersteller, die clevere Lösungen anbieten. "Das schicke Outdoor-Sofa wird in Sekundenschnelle zur Liege, der Balkontisch zum Wäscheständer und in die Kühlbox ist ein Soundsystem integriert", gibt der Messedirektor Beispiele. Müssen Polster bei Regen weggeräumt werden, ist es praktisch, wenn der Stauraum direkt im Möbelstück integriert ist.

"Beliebt sind derzeit auch tragbare Außensitzsäcke. Sie können überall hin mitgenommen werden", erklärt Ursula Geismann vom Verband der deutschen Möbelindustrie. Denn moderne Gartenmöbel müssen sich flexibel an den Lebensstil ihrer Nutzer anpassen. Dazu gehören – bedingt durch die steigende private und berufliche Mobilität – eben auch Ausflüge und Umzüge: "Der Trend geht deshalb zu kleineren, leichteren und flexiblen Möbeln", weiß Geismann.

Bei aller Multifunktionalität und Flexibilität wollen Käufer aber keine Abstriche in Sachen Qualität machen. Laut einer Konsumentenbefragung des Marktforschungsinstituts Marketmedia24 kaufen 62 Prozent der Deutschen zwischen 30 und 49 Jahren für ihre Garten-Oase bevorzugt Marken-Outdoor-Möbel. Inspiration finden sie dort, wo Außenbereiche ein Teil des Businesskonzepts sind: In Restaurants oder Hotels.

Einzug in die Gärten der Bundesrepublik halten so 2019 vermehrt Möbel im Loungestil, deren tiefe Sitz- und Liegeflächen zum Relaxen einladen. Darunter auch extravagante Versionen wie Outdoor-Betten und Hängesessel. "Viele dieser Möbel sind sowohl terrassen- als auch wohnzimmertauglich", sagt Lohrberg, "letztlich sind den Wünschen der Kunden kaum Grenzen gesetzt". Denn wie in anderen Branchen bieten Hersteller zahlreiche Individualisierungsmöglichkeiten an. Ob Farben, Formen und Größen – per Modulsystem können sich Balkonier ihre Gartenmöbel ähnlich wie ein Auto konfigurieren.

Schutz vor Wetter und Witterung

Platziert werden die teuren Errungenschaften dann nicht ausschließlich auf gepflasterten Flächen, sondern überall dort, wo Sonne – und dementsprechend auch Regen – hinkommen. "Moderne Gartenmöbel sind wetter- und witterungsfester als früher", erklärt Geismann. Möglich machen das neuartige Materialien: Die Liege aus Hightech Polyrattan trotzt jedem Wetter, Aluminiumstühle sind leicht, stabil und rostfrei und speziell verarbeitetes Holz ist geschützt gegen Schädlinge oder Pilze.

In der Materialoptik hat sich dagegen relativ wenig verändert. "Was Oma gut fand, gefällt uns heute immer noch", stell Lohrberg fest und schmunzelt. So dominieren auch 2019 Flecht-, Holz- und Metallvarianten das Balkonbild – oft in Kombination miteinander und natürlich im Zusammenspiel mit Textilien. Nachhaltigkeit spielt dabei nicht nur im Bezug auf die Langlebigkeit der Möbel eine Rolle. "Wir beobachten, dass der ökologische Werkstoff Holz an Prominenz zunimmt", sagt Geismann. Gleichzeitig steigt der Stellenwert von Recyclingmaterialien und Umweltsiegeln, wie Lohrberg feststellt: "Das grüne Wohnzimmer wird auch im übertragenen Sinne grün."

Einen weiteren Trend machen die Experten an der demographischen Entwicklung fest: Möbel in sogenannter Boxspringhöhe. "Das sind etwa Liegen mit hohem Einstieg, sodass auch ältere Menschen sich bequem hinlegen und aufstehen können", so Geismann. Und damit nicht genug: Auch Designer lassen sich von der älteren Generation inspirieren. Lohrberg: "Ohrensessel erleben gerade ihren zweiten Frühling – im Garten."

Tipps zum Gartenmöbelkauf

Platz Große Sofalandschaften sind bequem, wirken auf kleinen Flächen aber oft überdimensioniert. Messen Sie Terrasse und Co. vor dem Kauf aus und berücksichtigen Sie bei Ihrer Planung auch Pflanzkübel, Grill und Sonnenschirm.

Gewicht & Stauraum Falls Sie Ihre Sitz- und Liegegruppen gern am Lauf der Sonne ausrichten, achten Sie auf leichte, handliche Möbel. Möchten Sie Ihre Möbel im Winter verräumen, eignen sich klappbare Stücke oder Möbel, die sich leicht auseinander bauen lassen.

Handhabbarkeit Hochwertige Gartenmöbel können Sie eine lange Zeit begleiten. Setzen Sie daher, besonders im Alter, auf praktische Funktionen, die Ihnen den Gartenalltag erleichtern. So gibt es ergonomisch geformte Liegen und Sonnenschirme, die sich bequem über ein Fußpedal verstellen lassen.

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