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Prozess
Fünffacher Mordversuch: Bonnie und Clyde von der Oder

Im Prozess gegen mehrere Frauen, schieben sich die Angeklagten gegenseitig die Schuld zu.
Im Prozess gegen mehrere Frauen, schieben sich die Angeklagten gegenseitig die Schuld zu. © Foto: dpa/Volker Hartmann
Mathias Hausding / 26.06.2019, 07:00 Uhr
Frankfurt (Oder) (MOZ) Liebe, Eifersucht, Rache, Imponiergehabe, Sex- und Mordlust – im Prozess um den fünffachen Mordversuch an einem Mann aus Oder-Spree kommen viele Krimi-Klischees auf den Tisch.

Auch die Orientierung an legendären Verbrechern fehlt nicht. "Lass uns Aktionen starten wie Bonnie und Clyde", soll die eine Frau der anderen per Handy geschrieben haben. "Ich musste googeln, was sie damit meint", erzählte Henriette R. am Dienstag in ihrer Aussage vor dem Frankfurter Landgericht. Auf das Konto des verschworenen Verbrecherpärchens gingen in den USA mehrere Morde.

Bonnie und Clyde von der Oder, also Henriette R. und Michelle F., sollen laut Anklage gemeinsam mit Josephine S. im November 2018 den Plan gefasst haben, einen 36 Jahre alten Mann umzubringen. Das Beziehungsgeflecht innerhalb des Mädchen-Trios ist kompliziert und spielte wohl bei der Tat eine Rolle. Josephine war mit Michelle liiert, die sich aber Henriette zuwandte, was Josephine kränkte und sie nach eigenen Angaben dazu verleitete, sich bei Michelle mit Imponiergehabe wieder ins Spiel bringen zu wollen. Und zwar mit einem Mordplan, den allerdings die beiden anderen, also Bonnie und Clyde, allein umzusetzen versuchten, was Josephine so sauer machte, dass sie am Tag nach der Tat noch eins drauf setzte: "Wenn er noch leben sollte, schneide ich ihm den Bauch auf, reiße ihm sein Herz raus und trenne seinen Penis ab", soll sie gesagt und gleich gegoogelt haben, wo im Körper welche inneren Organe liegen. Wenn ihr der Mord nicht sofort gelinge, werde sie ihn bei anderer Gelegenheit erledigen, anlässlich eines Krankenhausbesuchs beim Opfer etwa oder später im Gerichtssaal, so Josephine weiter.

In ihrer Aussage vor Gericht distanzierte sie sich nun von manchen Erklärungen auch gegenüber der Polizei. "Das mit der Mord-Absprache war eine freie Erfindung von mir", sagte sie. Die Angeklagte räumte jedoch ein, schon lange vor der Tat wegen Mordlust-Gedanken, die sich gegen keine konkrete Person richteten, in medizinischer Behandlung gewesen zu sein. Außerdem gab sie zu, Hass- und Rachegefühle gegen das spätere Opfer gehabt zu haben.

Kennengelernt hatte sie den Mann im Sommer 2018, als die beiden Michelle F. in einer Klinik besuchten, wo sie eine Therapie machte. "Er gab mir seine Nummer, hat gesagt, dass er mich liebt", berichtete Josephine S. Sie habe seine Gefühle nicht erwidert, daraufhin soll er versucht haben, sich die Pulsadern aufzuschneiden. Man habe dennoch Dinge gemeinsam unternommen, er übernachtete mehrmals bei ihr. Sexuell sei er darauf fixiert gewesen, mit beiden Frauen gleichzeitig zu schlafen, also mit Josephine und Michelle.

800 Euro für einen Dreier

Sie lehnten ab, obwohl er ihnen Geld bot, aber eines Tages, Anfang September, waren sie in Finanznot und gingen auf die 800-Euro-Offerte ein. Vor dem Liebesspiel fuhr man gemeinsam zur Sparkasse, wo der Mann mit einer Überweisung glaubhaft machen wollte, dass das Geld schon zu den Frauen unterwegs sei. Das war offenbar ein Trick und die Frauen fielen darauf ein.

Der Mann soll großspurig aufgetreten sein, mit hohen Einkünften und dem Besitz mehrerer Autos geprahlt haben. Tatsächlich wohnte er bei seinen Eltern und hatte einen Betreuer, der über sein weniges Geld wachte. Die Frauen erhielten also keine Belohnung für den Dreier, was laut Anklage das Motiv für die Tat bildete. Wer dabei die treibende Kraft war, dürfte für die Strafkammer zu einer kniffligen Frage werden. Henriette R. hat am Dienstag schon mal so gut wie alles auf Michelle F. geschoben, und die Idee soll ja sowieso von Josephine S. gekommen sein. Also ließ Henriette R., Mutter zweier kleiner Kinder, von ihrem Anwalt am Mittwoch eine Erklärung verlesen, wonach sie unwissend und ungewollt in jenen Mordversuch verwickelt wurde.

Aus Zuneigung zu Michelle F. sei sie mit ihr am 16. November zum späteren Opfer gefahren. Man habe den Mann zu einer gemeinsamen Fahrt nach Frankfurt zu McDonald’s überredet. Michelle F. habe ihm einen von ihr vorbereiteten Tabletten-Cocktail eingeflößt, der den Mann müde machte, aber nicht wie gewünscht tötete. Also sei man nach Polen in einen Wald gefahren, wo Michelle F. sie dazu angestiftet habe, den Mann unter anderem mit einem Messer anzugreifen.

Das Opfer überlebte schwer verletzt – und wird am Freitag als Zeuge vor Gericht erwartet.

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