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Frankfurter werden für ihr Engagement in der Erste-Hilfe- Ausbildung geehrt.

Ausbildung zum Helden

Junge Lebensretter: Medizinstudentin Anne Nasert (links) aus Frankfurt ist eine von mehren Projektbeteiligten, die an Brandenburger Schulen Kinder und Jugendliche zu Ersthelfern ausbilden
Junge Lebensretter: Medizinstudentin Anne Nasert (links) aus Frankfurt ist eine von mehren Projektbeteiligten, die an Brandenburger Schulen Kinder und Jugendliche zu Ersthelfern ausbilden © Foto: Phillip Humbsch
Philipp Humbsch / 11.11.2016, 07:18 Uhr - Aktualisiert 11.11.2016, 18:16
Frankfurt (Oder) (MOZ) Medizinstudenten aus Brandenburg und die Unfallkasse bringen Erste-Hilfe-Kurse an die Schulen im Land. Zu denen, die sich engagieren, und jetzt für einen Preis des Bundesinnenministeriums nominiert sind, gehören auch mehrere Frankfurter.

Reanimation, stabile Seitenlage und Druckverband: Wenn es um die Erste-Hilfe-Ausbildung geht, ist Brandenburg Entwicklungsland. Während andere Bundesländer Stück für Stück die Erste-Hilfe in den Landeslehrplänen fest verankern, bleibt es in Brandenburg ein privates Geschäft mit begrenztem Lernerfolg und manchmal zweifelhaften Praktiken. Brandenburger Studenten der Berliner Charité wollen daran etwas ändern. Eine von ihnen ist Anne Nasert, die in Frankfurt wohnt und für ihr Studium zur Uni nach Berlin pendelt. "Wir wollen Erste-Hilfe-Kenntnisse kostenlos weiterreichen, unabhängig von Religion, Herkunft oder Alter", erklärt die 23-Jährige, die ursprünglich aus Eisenhüttenstadt kommt und im siebten Semester Medizin studiert.

Um ihr Ziel zu erreichen, haben die Studenten mit der Unfallkasse Brandenburg das Projekt "Jeder kann ein Held sein" ins Leben gerufen und unter der Leitung von Philipp Humbsch und Konrad Bohm, ebenso aus Frankfurt, später sogar einen eigenen gemeinnützigen Verein gegründet, der das Konzept betreuen soll. "Die Unfallkasse hat 40 Reanimationspuppen gekauft, die wir für kostenlose Erste-Hilfe-Kurse in ganz Brandenburg benutzen", berichtet Anne Nasert.

Um auch Verbände und Eigenschutz zu üben, sammeln die jungen Ausbilder abgelaufene Erste-Hilfe-Kästen. "Alle Ausbilder arbeiten ehrenamtlich. Mithilfe von Spenden schaffen wir es, dass weder Schulen noch Schüler für den Erste-Hilfe-Unterricht bezahlen müssen", erklärt die junge Medizinerin, die später Not- oder Kinderärztin werden möchte.

Zu den sogenannten "Heldenmachern" gehören neben Medizinstudenten auch Rettungskräfte und Pharmaziestudenten, die sich seit Anfang 2016 für dieses Projekt einsetzen. An den "Heldentagen" - so heißen die Ausbildungsaktionen - werden einzelne Klassen oder komplette Schulen über drei Tage in Erster Hilfe unterrichtet und geprüft. In Frankfurt waren sie bereits dreimal am OSZ Konrad Wachsmann.

"Die Heldendiplome sind eine Anerkennung für die tollen gezeigten Leistungen. Da wir die Lehrpläne altersgemäß angepasst haben, könnten die Grundschüler damit allerdings keinen Führerschein beantragen, aber das ist für sie ja eh noch kein Thema", erklärt Nasert.

Die Ausbildungsdauer umfasst in der Regel 14 Stunden pro Schüler. Bei der Heldenprüfung am letzten Tag werden sogar Einheiten aus dem Katastrophenschutz, der Feuerwehr oder dem Technischen Hilfswerk eingeladen, um sich den neugierigen Schülern vorzustellen. "Über die freiwillige Mitarbeit der externen Helfer freuen wir uns immer sehr. Das ist nicht selbstverständlich." Mehr als 800 Schüler haben die Studenten schon zu potentiellen Helden gemacht, der nächste große Einsatz ist Anfang Dezember in Oranienburg. Anne Nasert: "Das Projekt kommt sowohl bei Schülern als auch bei den Heldenmachern großartig an, immer mehr interessierte Schulen melden sich bei uns."

Auch dem Bundesinnenministerium gefällt das Projekt und hat die Medizinstudenten aus Brandenburg deshalb für den Förderpreis "Helfende Hand" nominiert. Hier können die Ehrenamtlichen auf finanzielle Unterstützung hoffen: "Die Online-Abstimmung läuft noch, aber wenn wir den Preis gewinnen, hätten wir schon einige Pläne, was wir alles damit machen könnten. Ob das Erstatten der Fahrtkosten für Ausbilder oder neues Material für die Schüler, am Ende profitieren natürlich alle davon. Jeder kann mit seiner E-Mail-Adresse abstimmen, woraufhin man eine Mail mit dem Bestätigungslink erhält", erläutert die Frankfurterin. "Wir sind beeindruckt, wie viel Anklang unser Projekt findet und erwarten mit Spannung die Abstimmungsergebnisse."

Die Abstimmung für den Preis des Innenministeriums läuft bis Ende November, unter http://www.helfende-hand-foerderpreis.de

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